„Banken oder Fintechs? Eine Differenzierung der beiden Bereiche sehe ich nicht.“ – Interview mit Ramin Niroumand (finleap)

Die Konsolidierungswelle hat den Fintech-Markt erreicht. Ist die große Euphorie um die Finanztechnologie-Startups vorbei? Ganz im Gegenteil meint, Ramin Niroumand. Für den Founder und CEO des Company Builders finleap zeigt sich in dieser Entwicklung vielmehr eine Professionalisierung der gesamten Branche und damit die Chance bisher ungenutzte Potentiale zu erschließen.

Ramin Niroumand ist CEO & Founder von finLeap, Europas führendem Fintech Ökosystem, mit Sitz in Berlin. Seit der Gründung 2014 hat finleap bis heute 16 Unternehmen entwickelt und weitere durch Akquise in sein Ökosystem aufgenommen, darunter die solarisBank, ELEMENT und PAIR Finance sowie die Fintech-Plattformen finreach solutions und infinitec solutions.

Erleben Sie Ramin Niroumand auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel, am 4. – 5. September 2019, Frankfurt am Main.

Interview mit Ramin Niroumand ist CEO & Founder von finLeap

Bislang haben Sie nach der Maxime gearbeitet: finleap kauft keine Fintechs, sondern baut sie. Von diesem Prinzip sind Sie mit der Übernahme der Smartphone-Bank Penta abgewichen. Wie kam es zu diesem Kurswechsel?

Unser Anspruch ist, bei der beginnenden Konsolidierung im Fintech-Markt eine aktive Rolle zu spielen. In der Regel werden es aber die Portfoliounternehmen – und nicht finleap selber – sein, die in den nächsten Jahren durch Fusionen und Übernahmen ihre Schlagkraft erhöhen. Sowie zuletzt es die geplante Fusion von finreach solutions mit figo oder die Übernahmen der Maklergesellschaften Malburg GmbH und der Paetau Sports Versicherungsmakler GmbH durch Clark gezeigt haben.
Die Übernahme von Penta war sehr stark opportunitätsgetrieben, weil wir erstens das Team und das Produkt sehr schätzen und sich zweitens Synergieeffekte zu unserem bestehenden Portfoliounternehmen Beesy ergeben. Bei Penta steigen wir in ein bereits gegründetes Unternehmen ein. Aber auch hier werden wir als Company-Builder einen Mehrwert schaffen und das Unternehmen mit unseren Back-Office-Prozessen und Services, aber auch Kontakten zu Partnern und Investoren, weiterbringen. Direkte Akquisitionen durch finleap werden aber trotzdem die Ausnahme bleiben. Unser Fokus liegt auch in Zukunft auf der Entwicklung schlagkräftiger Fintechs.

Welche Folgen hat die Fusion von figo und finreach solutions für das Thema Platform Banking?

Mit der Fusion haben wir auf die steigende Nachfrage im Markt nach konkreten Anwendungsfällen reagiert, die über die reine Datenkonnektivität hinausgeht. Dabei ist die Zielvorgabe bei finreach solutions, die führende Fintech-Plattform zu werden, die hochwertige SaaS-Anwendungen und API-Lösungen liefert – europaweit und PSD2-lizenziert für B2B2C-Partnerunternehmen. Maßgeschneiderte API-Services bringen einen deutlichen Mehrwert in die Produktangebote der Partner und stärken damit deren Kundenbeziehungen.
Das Bündeln der Expertise in Sachen Datenschutz, PSD2 und Informationssicherheit, sowie der Betrieb in deutschen Rechenzentren machen die Unternehmen zu noch verlässlicheren Dienstleistern.

Wie bewerten Sie die Konsolidierung in der deutschen Fintech-Branche?

Die Konsolidierung zeigt in erster Linie die Professionalisierung einer gesamten Branche und daraus resultierend die Realisierung neuer ungeahnter Potenziale mit individuellen Stärken und einem vielfältigen Angebot. Den Banken auf Augenhöhe zu begegnen bringt große Vorteile für eine bessere Zusammenarbeit. Die Industrie rückt zusammen und kann dadurch nur stärker werden.

Fintech Unternehmen streben entweder nach Kooperationen mit Banken, oder agieren mit White-Label-Produkten im Hintergrund. Fehlt der Branche der Mut zur Marke?

Diese Betrachtung ist für mich zu einseitig. Der direkte Marktzugang funktioniert natürlich auch. Es gibt bereits einige B2C-Player, die sehr erfolgreich Marken aufbauen konnten wie N26, Raisin oder Clark. Sie alle haben dabei viel Mut bewiesen. Die klare Herausforderung hier: in kurzer Zeit ausreichend viele Kunden zu gewinnen, um mit diesen den entsprechenden Umsatz zu erzielen.
Um in größeren Segmenten, wie beispielsweise neutralen Plattformen, starke B2C-Marken aufzubauen, wird natürlich viel Geld benötigt. Diese Unternehmen müssen die richtigen Investoren finden, die den Atem haben die Customer-Acquisition über einen längeren Zeitraum zu finanzieren.
Genauso braucht es aber auch Mut starke B2B-Unternehmen im Technologiesektor aufzubauen und einen nicht weniger langen Atem. Die direkten Kunden sind hier eben nur andere.

Sind in zehn Jahren Fintech-Unternehmen unentbehrlich für Banken, oder umgekehrt?

Banken oder Fintechs? Eine Differenzierung der beiden Bereiche sehe ich nicht. Fintechs die Finanzprodukte anbieten, bewegen sich im selben Markt wie Banken – der Finanzindustrie. Das Geschäftsmodell der Banken wird ohne Technologie nicht mehr erfolgreich sein. Sie wird in den Mittelpunkt rücken und zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Fintechs die Banken mit Software bzw. Technologie besser machen, agieren im Softwaremarkt. Dort sind sie aufgrund ihrer Expertise in Bereichen wie Regulatorik, branchenspezifischer UX/UI-Anwendungen und Prozess-Know-How eben die besseren Anbieter.

Danke für das Gespräch.