Banken müssen wie Tech-Unternehmen denken

Interview mit Dr. Roland Folz (solarisBank)

Ein Unternehmen nicht automatisch digital, nur weil es seinen Kunden eine App anbietet, mahnt solarisBank-CEO Dr. Roland Folz. Moderne Verbraucher erwarten heute kontextuelles Banking: Sie wollen eine Finanzdienstleistung immer dann abrufen, wenn sie gerade benötigt wird. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss der digitale Gedanke an erster Stelle stehen.

Dr. Roland Folz ist CEO der solarisBank. Bei der Handelsblatt Jahrestagung BANKEN IM UMBRUCH im August 2018 in Frankfurt spricht er zum Thema Digitalisierung im Banking: Plattformen, Tech-Player, Cyber Security.

Interview mit Dr. Roland Folz

Herr Dr. Folz, die solarisBank versteht sich selbst als ein Tech-Unternehmen mit deutscher Banklizenz. Ist das das Modell der Zukunft?

Die Digitalisierung erfordert von allen Unternehmen, einschließlich Banken, dass sie ihr Geschäftsmodell von Grund auf überdenken. Es reicht nicht, einfach eine App anzubieten und davon auszugehen, dass man dadurch „digital“ sei. Die gesamte Infrastruktur, alle Prozesse bis hin zur Art und Weise, wie mit Kunden kommuniziert wird, muss aus digitaler Sicht neu aufgesetzt werden. Somit ist es aus meiner Perspektive schon heute essentiell, dass Banken wie Tech-Unternehmen denken. Wir sehen bis heute recht wenige Institute, die diesen Weg konsequent und ernsthaft gehen. Für alle Nicht-Tech-Unternehmen mit Banklizenz wird die Zukunft aber eher herausfordernd werden.

Was unterscheidet die solarisBank von klassischen Kreditinstituten?

Bei uns kommt der digitale Gedanke zuerst. Als Banking-Plattform mit Vollbanklizenz sehen wir Finanzdienstleistungen als kontextuelles Angebot. Wir stellen Produkte dort zur Verfügung, wo sie unmittelbar gebraucht werden. Außerdem verfolgen wir eine reine B2B2X Strategie – das heißt, wir bieten unseren Partnern innovative und modular kombinierbare Finanzprodukte, mit denen Unternehmen aber auch andere Kreditinstitute ihren Kunden direkt digitale Finanzdienstleistungen bieten können. Die regelkonforme Abwicklung übernehmen ebenfalls wir. Durch die modernen Schnittstellen und das Startup-Mindset können die Finanzdienstleistungen der solarisBank sehr schnell integriert werden. Die „Time-to-Market“ wird damit deutlich verkürzt.

Halten Sie es für denkbar, dass Banken in Zukunft Partnerschaften oder gar Zusammenschlüsse mit großen Tech-Konzernen wie Amazon, Apple oder Facebook oder Alphabet eingehen?

Partnerschaften sind sicher eine Möglichkeit. Gerade durch die Einführung der PSD2 und damit des Open Bankings wird es in Zukunft vermehrt Chancen für Kooperationen zwischen Banken und Tech-Unternehmen geben. Die großen Tech-Unternehmen bieten ja bereits heute unterschiedliche Finanzdienstleistungen für Privatkunden oder Händler an. Und das Spektrum erweitert sich immer stärker von reinen Zahlungsdienstleistungen auf andere Bereiche wie beispielsweise Kreditangebote. Viele dieser Angebote der Tech-Unternehmen beziehen sich aber aktuell nur auf das Kerngeschäft im eigenen Ökosystem. Ob sich ein Zusammenschluss in naher Zukunft für beide Seiten lohnen würde, muss im Einzelfall genau abgewogen werden.

Sind die Tech-Konzerne denn eine große Gefahr für die Banken?

Das ist eine Frage, die zum aktuellen Zeitpunkt noch offen ist und die auch differenziert betrachtet werden muss. Ich halte den oft beschworenen Frontalangriff für unwahrscheinlich. In gewissen Bereichen werden traditionelle Banken langfristig Mehrwerte für die Kunden generieren, beispielsweise dort, wo der persönliche Kontakt und die dort entstehende Leistung im Vordergrund stehen. In anderen Bereichen werden Banken konsequent angegriffen werden und dementsprechend Marktanteile verlieren. Kunden erwarten heute digitale Angebote, auf die sie überall und jederzeit Zugriff haben. Wer bis heute noch nicht digital denkt, wird es in Zukunft deutlich schwerer haben. Vor allem wird er unfähig sein, die durch den Kundenkontakt entstehenden Daten im Kundeninteresse weiterführend zu nutzen. Viele Banken haben veraltete und komplexe Monolithe, die die Integration von neuen, digitalen Angeboten und einem modernen Datenmanagement erschweren – ein weitere Grund, warum die solarisBank mit einem Plattformansatz gestartet ist, der die Anbindung von digitalen Dienstleistungen erleichtert. Kurzum: Statt des beschworenen Konflikts „Big Tech versus Banken“ glaube ich auch in diesem Bereich an Kooperation – aber eher mit Plattformanbietern wie uns, die solche Kooperationen technologisch auch umsetzen können.

Plädieren Sie dafür, dass diese Tech-Firmen genauso reguliert werden wie die Banken?

Tech-Unternehmen haben heute Zugriff auf wahnsinnige Datenmengen. Und daraus erwächst natürlich auch eine Verantwortung. Aus diesem Grund sehe ich generell Bedarf für die Regulierung von Tech-Unternehmen. Diese muss allerdings von Anfang an sinnvoll gedacht werden und darf Innovation und die Entwicklung neuer Produkte nicht einschränken.

Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Faktoren, um den Erfolg und die Profitabilität eines Finanzunternehmens langfristig zu sichern?

Der Kunde wird in Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Moderne Verbraucher erwarten heute Finanzdienstleistungen abzurufen, wann und wo sie diese benötigen, auf Basis optimaler Informationen und schlanker Entscheidungswege. Das Schlagwort ist auch hier kontextuelles Banking. Diese Erwartungshaltung wird bislang von traditionellen Banken zu wenig erfüllt. Wer also langfristig erfolgreich und profitabel sein will, muss die eigene Infrastruktur und das Datenmanagement bereits heute darauf ausrichten.

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