Interview mit Nils Roßmeisl, Country Manager, Drivy Germany GmbH


Nils Roßmeisl

1. Wie sollten sich Automobilunternehmen intern aufstellen, um den Wandel der Branche zu meistern?
Die Bestrebungen von Automobilunternehmen, dem aktuellen Branchenwandel in Richtung flexible Mobilität und Carsharing zu folgen und sich damit für die Zukunft zu rüsten, sind bereits durch prominente Beispiele wie Car2Go, DriveNow und künftig WeShare deutlich sichtbar.

Die Automobilunternehmen beobachten die sich aufbrechenden Strukturen der Industrie seit Jahren, passen sich daran an und gestalten den Wandel so aktiv mit. Neben den damit einhergehenden gesellschaftlichen Entwicklungen – der abnehmenden Bedeutung des eigenen Autos als Statussymbol, einem wachsenden Bewusstsein für nachhaltige und umweltfreundlichere Mobilitätsangebote und dem zunehmenden Bedürfnis nach flexiblen Mobilitätsmöglichkeiten, spielt der technologische Fortschritt eine große Rolle bei der Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätsangebote. Wir denken, dass die Art und Weise, wie Menschen heute und in Zukunft insbesondere in urbanen Räumen mobil sein wollen und die Anforderungen, die sich daraus an die Branche und ihre Akteure ergeben, nicht von Automobilunternehmen allein erfüllt werden können. Offenheit für Partnerschaften und Synergien mit Startups und Unternehmen der New Economy sind aus unserer Sicht eine gute Möglichkeit für Automobilunternehmen, den Wandel der Branche zu meistern. Unsere Carsharing-Plattform Drivy bietet Kooperationspartnern beispielsweise eine vollständige und etablierte Infrastruktur und den direkten Zugang zur Zielgruppe. Gewerbliche Anbieter wie Automobilunternehmen, Autovermietungen, Autohäuser oder Werkstätten haben auf diesem Marktplatz die Möglichkeit, die eigene Flotte einer bestehenden und großen Community für Carsharing zur Verfügung zu stellen. Drivy bietet dafür den sicheren Rahmen: ein erprobtes Versicherungsmodell mit unserem Partner Allianz schützt Anbieter wie Nutzer gleichermaßen und auch Kundenservice und Pannendienst werden von Drivy zentral übernommen.

2. Wie wird Ihrer Meinung nach der Stadtverkehr im Jahr 2025 aussehen?
Wir gehen davon aus, dass der Wunsch nach flexibler Mobilität on-demand und damit auch die Nutzung von Carsharing weiter wachsen wird. Immer mehr Menschen werden auf das Auto als zentrales Fortbewegungsmittel verzichten, weshalb der Besitz eines Autos zunehmend an Bedeutung verliert. Vielmehr werden Mobilitätsangebote individuell und je nach Zweck ausgewählt. Insbesondere im urbanen Raum sollte dies in den kommenden Jahren im Stadtbild deutlicher – auch durch eine Reduzierung der Fahrzeugdichte – sichtbar werden. Dabei werden die verschiedenen Angebote besser verzahnt und vernetzt sein als heute. Diese Entwicklung ist bereits in der Planung. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben beispielsweise bereits eine Digitalisierungsstrategie vorgestellt, die neben dem Umsteigen auf Elektromobilität integrative Lösungen für die Verbindung von Shared Services und ÖPNV vorsieht. Parallel wird der Anteil an Elektromobilität und zukunftsfähiger Mobilität wesentlich höher sein als heute. Mobilität wird vermutlich in jeder Hinsicht flexibler funktionieren als bisher: Nicht nur die Form der Angebote, sondern auch die Verkehrsinfrastruktur muss sich auf intelligentere Weise der jeweils aktuellen Verkehrslage anpassen.

3. Was unterscheidet Drivy von Unternehmen wie Turo und Snappcar?
Unsere moderne Technologie. Drivy ist die einzige Casharing-Plattform für private und gewerbliche Fahrzeughalter in Deutschland, die Fahrzeuge mit der Drivy Open-Technologie ausstattet: Einer sogenannten Telematik-Box, die es ermöglicht, das Fahrzeug bei der Anmietung über die App zu öffnen. Der gesamte Check-In, die Unterzeichnung des Mietvertrags und der abschließende Check-Out erfolgen digital über die App. So ist eine persönliche Fahrzeug-Übergabe nicht mehr notwendig, was Halter und Fahrer Zeit spart und mehr Flexibilität bietet. Das macht Drivy als Plattform vor allem für gewerbliche Anbieter so attraktiv.

4. Welche Besonderheiten gibt es auf dem deutschen Carsharing-Markt im Vergleich zu anderen Ländern?
Anders als in anderen europäischen Ländern, in denen Drivy aktiv ist, war das Auto für die Deutschen lange Zeit ein Statussymbol, mit dem sie sehr sorgsam umgegangen sind und das sie ungern aus der Hand gegeben haben. Doch hier hat in den letzten zehn Jahren bereits ein starker Wandel stattgefunden. Insbesondere für Städter und jüngere Generationen hat ein Auto als Statussymbol immer weniger Bedeutung. Auch die Themen Sicherheit und Vertrauen, die natürlich für alle unsere Nutzer eine große Rolle spielen, werden in Deutschland noch höher gewichtet. Doch unsere transparente Kommunikation, die gute Absicherung durch unser Versicherungsmodell mit der Allianz, unser guter Kundenservice und die enge Beziehung zu unserer Community, deren Feedback und Verbesserungswünsche wir regelmäßig einholen und ernstnehmen, hat dazu geführt, dass unsere Nutzer Vertrauen zum Carsharing mit Drivy gefasst haben und sich bei uns sicher fühlen. Bei einer Umfrage unter unseren Nutzern in Deutschland haben 96 Prozent angegeben, dass sie mit Drivy zufrieden sind und das Carsharingmodell anderen Autobesitzern weiterempfehlen würden. 97 Prozent haben unsere Plattform als sicher und vertrauenswürdig bewertet.

5. Wie werden sich die Dieselfahrverbote auf das Carsharing-Angebot auswirken?
Die Dieselfahrverbote haben auf das Angebot bei Drivy keine spürbare Auswirkung, da auf unserem Marktplatz nur wenige Fahrzeuge angeboten werden, die von den Diesel-Fahrverboten betroffen sind. Hier kommen uns auch unsere bereits seit Jahren eingeführten strengen Qualitätskriterien für die Nutzung der Drivy Open-Technologie zugute und die immer größere Nutzung der Open-Box, die mit der Zeit zum Standard bei Drivy-Autos in Großstädten gehören soll. Die Open-Telematik können wir nur für Fahrzeuge freigeben, die weniger als 8 Jahre alt, weniger als 100.000 Kilometer gefahren sind und die bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen. Allein durch die Altersbeschränkung schließen wir also Fahrzeuge mit älteren Abgasnormen, sprich: Dieselfahrzeuge, die von den Fahrverboten betroffen sind, aus. Da Drivy ein Online-Marktplatz ist, auf dem viele verschiedene sowohl private wie auchzunehmend gewerbliche Anbieter ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen und wir keine eigene homogene Flotte besitzen, ist das Angebot auf Drivy sehr vielfältig und heterogen. Maßnahmen wie das Diesel-Fahrverbot können Drivy als Plattform deshalb nicht maßgeblich beeinflussen. Es gibt immer noch zahlreiche andere Alternativen. Darüber hinaus konzentrieren wir uns auf die Förderung von Anbietern mit Elektro- und Hybridfahrzeugen, da unser Grundsatz lautet, nachhaltige und zukunftsfähige Mobilitätsangebote zu unterstützen.