Singapurs Vision: Unterwegs in die Zukunft der intelligenten Mobilität (von Loh Ngai Seng)

So könnte die Verkehrsarchitektur der modernen Stadt der Zukunft aussehen: Transportwege – beispielsweise für autonome Fahrzeuge – auf unterschiedlichen Ebenen unter der Erde sorgen für Sicherheit, Effizienz und Lebensqualität.

Der Wohlstand einer Stadt ist untrennbar mit einem funktionierenden Verkehrssystem verknüpft. Ist das Straßennetz gut ausgebaut, fließen Waren und Dienstleistungen reibungslos, was wiederum die Konjunktur ankurbelt. Prosperierende Städte kämpfen allerdings mit anhaltenden Staus und einer zunehmend verschmutzten Umwelt – eine Belastung für Pendler wie auch für die Infrastruktur. Singapur ist sich dieser Herausforderungen bewusst. Da 12 % unserer Fläche bereits für Straßen genutzt wird, sind wir in besonderem Maße gefordert, zukunftsweisende Mobilitätslösungen zu entwickeln, die den Menschen auch langfristig eine hohe Lebensqualität sichern und gleichzeitig Platz und Ressourcen optimal nutzen.

Unsere Vision des Verkehrssystems der Zukunft basiert auf einem Mix aus öffentlichen, geteilten und je nach Bedarf aktivierten Verkehrsmitteln, die für jeden so zugänglich, günstig und bequem sind, dass Singapurer damit ohne großen Aufwand überallhin gelangen können und ein eigenes Auto dadurch überflüssig wird. Drei Felder des Fortschritts stehen dabei im Vordergrund: das Internet der Dinge, die neuen Möglichkeiten der Datenanalytik und die Forschungen rund um autonome Fahrzeuge.

Internet der Dinge für das Verkehrsmanagement

Schon heute zeichnet sich ab: Innovative Anwendungen für das Internet der Dinge (englisch: Internet of Things, kurz IoT) im Bereich der Mobilität werden unsere Verkehrsnetze noch besser digital verknüpfen und bieten Verkehrsplanern eine Reihe von Echtzeitdaten, die ein sicheres, zuverlässiges und effektives Management des Straßenverkehrs ermöglichen. CRUISE, das sich auf das derzeit von der Landesverkehrsbehörde (LTA) entwickelte CoopeRative UnifIed Smart Traffic SystEm bezieht, nutzt künstliche Intelligenz, Simulation und Prognosen zur Analyse umfangreicher Datensätze, um den Verkehrsfluss zu optimieren sowie Staus und andere Ereignisse zu bewältigen. Die gesammelten und analysierten Informationen werden verwendet, um Rot- und Grünphasen der Ampeln dynamisch der aktuellen Verkehrslage anzupassen, den Verkehrsfluss optimal auszusteuern oder Bussen und Rettungsfahrzeugen Vorfahrt einzuräumen. CRUISE wird das bestehende Verkehrsleitsystem GLIDE (oder das Green-Link Determining System) von LTA schrittweise ersetzen, beginnend mit Testphasen ab 2020.

Nützliche Infos zur urbanen Mobilität der Zukunft liefert das Magazin ‚SingaPur‘. Free Download.

Datenanalytik lenkt Pendlerverhalten

Verbesserte Datenanalytik unterstützt außerdem dabei, die Verlässlichkeit und Nutzung des öffentlichen Verkehrsangebots zu steigern. Der Einsatz der Zustandsüberwachung und Datenauswertung erlaubt Anbietern öffentlicher Verkehrsmittel, vorausschauend Wartungen und Reparaturen durchzuführen, um Störungen vorzubeugen, bevor sie die Pendler beeinträchtigen. Dies hilft uns, den reibungslosen Betrieb unserer Züge zu gewährleisten, die Wartungskosten zu senken und die rechtzeitige Erneuerung der Anlagen zu ermöglichen.

Die Echtzeitanalyse von Datensätzen aus unterschiedlichen Verkehrsquellen kann zudem wertvolle Erkenntnisse über das Reiseverhalten von Pendlern liefern, um daraus effektivere Verkehrsstrategien und -dienstleistungen zu entwickeln. So hat das Public Transport Council beispielsweise mithilfe von Datenanalysen zum Pendlerverkehrsverhalten ein differenziertes Tarifsystem entwickelt, um die Belastung während der morgendlichen Stoßzeiten zu verteilen. Im Rahmen dieses Programms erhalten Bahnpendler einen Rabatt von bis zu 50 Cent, wenn sie vor 7:45 Uhr einchecken. Seit der Einführung im Dezember 2017 ist die Zahl der Pendler, die noch vor der hektischen Stoßzeit am Morgen zur Arbeit fahren, um 12 % gestiegen.

Autonomes Fahren

Eine wichtige Rolle wird in diesem Zusammenhang auch das autonome Fahren spielen. Indem die Fähigkeiten von IoT und Datenanalytik miteinander kombiniert werden, können die Flotten autonomer Fahrzeuge beispielsweise mit Standortintelligenz ausgestattet und so in die Lage versetzt werden, ihre Fahrzeugposition nach dem Pendlerbedarf auszurichten. Kleinere, autonome Shuttles lassen sich per Mobiltelefon herbeirufen und bringen Pendler von deren Haustür bis zum nächstgelegenen Bahnhof. Seit 2015 sind in Singapur zahlreiche Testläufe mit autonomen Fahrzeugen durchgeführt worden. Die positiven Ergebnisse machen zuversichtlich: Anfang der 2020er Jahre werden wir in drei Bezirken autonome Linienbusse und autonome On-Demand-Shuttles für den öffentlichen Verkehr einsetzen.

Die Zukunft hat begonnen

Die Anwendungen von IoT, Datenanalytik und Technologien für autonomes Fahren führen uns vor Augen, wie sich das Verkehrssystem gravierend verbessern ließe und wie die Zukunft dann aussähe. Pendler könnten aus einem breiten Spektrum unterschiedlicher Fortbewegungsarten wählen, um von A nach B zu kommen: von Bahn und Bussen bis hin zu Ride-Hailing und autonomen Shuttles. Wenn öffentliche, aktive und gemeinsame Verkehrsmittel die bevorzugte Wahl für Pendler werden, werden die Straßen sicherer, sauberer und weniger verstopft. Nutzen wir diese Technologien richtig, erhalten wir zudem die Chance, unsere urbanen Strukturen neu zu konzipieren und zum Positiven zu verändern. Denn mit einem effizienteren Transportnetz und weniger Fahrzeugen im Eigenbesitz könnte die Anzahl der Parkplätze reduziert werden. Die Straßen müssten nicht mehr so breit sein. Es entstünde wieder mehr Raum für Grünanlagen, Erholungs- oder Gemeinschaftsflächen.

Die Transportrevolution nimmt bereits Gestalt an. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Industrie, um diese spannende, nachhaltige und pendlerorientierte Vision für die Zukunft der Mobilität zu entwickeln.

 

 

Loh Ngai Seng
Permanent Secretary, Ministry of Transport
Chairman, Committee on Autonomous Road Transport for Singapore (CARTS)

 

 

 

 

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