LUST AUF ELEKTROMOBILITÄT

TAG DER STRATEGEN

Oliver Zipse, Vorstandsmitglied BMW AG
Andrea Rexer, Leiterin des Ressorts Unternehmen und Märkte, Handelsblatt

Als ein global aufgestelltes Unternehmen präsentierte BMW-Produktionsvorstand Oliver Zipse seine Marke auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel 2018.

Seit mehr als 25 Jahren mit erfolgreicher Produktion und eigener Wertschöpfungskette in den USA, neuerdings der erste Mehrheitseigner eines Joint Ventures in China, in Europa der Marktführer bei Elektroautos und in Deutschland Musterknabe mit Top-Rentabilität und ohne Abgasskandal. Entspannt zurück lehnen wird sich BMW angesichts der vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Automobilindustrie konfrontiert ist, aber ganz und gar nicht, sagt Vorstandsmitglied Oliver Zipse.

„1992, also lange bevor über Zölle und Handelsbeschränkungen diskutiert worden ist, haben wir uns auf den Weg in die Vereinigten Staaten gemacht. Wir glauben: Wenn Sie in einem großen Wirtschaftsraum erfolgreich sein wollen, müssen Sie dort auch mit einer eigenen Produktion vertreten sein.“ In dieser Rolle sei man Arbeitgeber, Ernährer von Familien, Partner der Politik und vieles mehr. Den gleichen Weg, eine lokale Wertschöpfungsstruktur aufzubauen, sei BMW auch in China gegangen – mit wachsendem Erfolg.

Beim Blick auf den Heimatmarkt stehen momentan die drohenden Fahrverbote im Mittelpunkt. BMW habe sich schon 2007 Gedanken über ein solches Szenario gemacht und sich gefragt, welche individuelle Mobilität man in Städten brauche. „Als Antwort haben wir den i3 konzipiert, der übrigens seit fünf Jahren jedes Jahr mehr Marktvolumen erzeugt als im Vorjahr.“ BMW wünsche sich eine technologie bezogene Diskussion, die darauf abzielt, dass Menschen in Städten mobil bleiben können. Diesel-Nachrüstungen lehnt Zipse als rückwärtsgewandte Maßnahme ab und auch Fahrverbote seien nicht die richtige Antwort für die Innenstädte. Sein Unternehmen setze stattdessen auf einen schnellen Flottenaustausch.

Hinzu kommt: „Die Lust auf Elektromobilität ist schon da.“ Die Marken BMW und Mini hätten 2018 rund 140.000 reine Elektroautos und Plug-in-Hybride abgesetzt. „Das ist kein Start einer Diskussion – wir sind schon mittendrin.“ Und es geht weiter: 2019 komme ein elektrifizierter Mini, 2020 ein iX3, 2021 der i4. Dabei müsse man als Unternehmen stets angebotsfähig bleiben und eine Kostenstruktur haben, die das erlaubt. „Mit der nächsten Generation der Elektromobilität haben wir einen Fahrzeug-Komponentensatz, der in allen Belangen wettbewerbsfähig ist und alle Architekturen bedienen kann.“

Den steigenden Anteil an elektrifizierten Modellen wird BMW nicht in separaten Werken bauen, denn die meisten Fertigungsschritte unterschieden sich nicht vom konventionellen Fahrzeugbau. Bliebe die Frage nach den Batterien. Wie steht BMW zu der Diskussion um eine eigene, zumindest aber europäische Zellfertigung? „Ein Antriebsstrang besteht nicht nur aus der Zelle. Er besteht aus Leistungselektronik, Hochvoltspeicher, Motor etc. Und wir machen alles bis auf die Zellen selbst“, unterstreicht Oliver Zipse. Eine eigene Zellfertigung wäre für einen relativ kleinen Hersteller wirtschaftlich unverantwortlich. Aber BMW kenne – auch dank seiner neuen Batterieforschungsfabrik – die Technologien und Eigenschaften sehr genau und habe sich eine umfassende Built-to-print-Fähigkeit erarbeitet. Über ein Konsortium sei BMW an der Batteriezellefertigung von Northvolt in Norwegen beteiligt. Und über die Zellen der nächsten Genration habe BMW einen Vertrag mit Marktführer CATL abgeschlossen. „Die Fabrik dafür wird in Deutschland stehen.“

Auto-Gipfel 2018 – Executive Summary: Statements, Diskussionen und Videos im Überblick

Auto-Gipfel 2018 – Executive Summary: Statements, Diskussionen und Videos im Überblick
Zum Gipfeltreffen der Automobilbranche kamen über 600 Automobilexperten aus der ganzen Welt – darunter Hersteller und Zulieferer, Technologie- und Energiekonzerne sowie Politiker und Verbände – Anfang Dezember 2018 nach Wolfsburg. Vom 03. bis 05. Dezember diskutierten die versammelten Branchengrößen Strategien, Konzepte und Technologien für das Automobil von morgen und die zukünftige Ausrichtung der Autoindustrie.

Die Highlights des Handelsblatt Auto-Gipfels 2018 haben wir für Sie in einem interaktiven Nachbericht zusammengefasst.

JETZT DOWNLOADEN