Der CFO als Transformator seiner Organisation


von Natalie Knight

Aktuelle Diskussionen unter Finanzchefs drehen sich häufi g darum, wie sie in ihrem Unternehmen zum direkten Geschäftserfolg beitragen können und welche Rolle sie als Partner des operativen Geschäfts einnehmen – besonders vor dem Hintergrund, dass ständige Veränderung in Firmen mittlerweile Normalität ist und Aufgaben einzelner Funktionen neu definiert werden.

Wenn Finanzvorstände Werte schaffen wollen, die weit über das reine Zahlenwerk hinausgehen, sollten sie sich daher als „Optimus Prime“ ihrer Organisation sehen. Optimus bedeutet „der Beste“ und Prime kommt vom lateinischen Wort für „Erster“ – Charakteristika, die sehr wertvoll sind, um hohe Leistung im ganzen Unternehmen voranzutreiben. „Optimus Prime“ ist jedoch auch der Name des Helden in der Science-Fiction Roboterserie „Transformers“ – eine positive Figur, die einschreitet, um allem Übel den Kampf anzusagen. Er zeichnet sich durch seine hervorragende Führungskompetenz, seine Entscheidungsstärke und seinen starken moralischen Kompass aus. Klingt nach einem guten CFO, oder?

Raus aus der funktionalen Komfortzone

Im heutigen von Disruption geprägten Geschäftsumfeld können und sollen Finanzvorstände proaktive „Transformatoren“ oder auch Veränderungsmanager in ihren Unternehmen sein. Dabei geht es nicht nur um Veränderungen in der eigenen Finanzorganisation; hier ist es ohnehin die Verantwortung des CFO, voranzugehen und seine Teams dazu zu motivieren, über den Tellerrand hinaus zu schauen, wenn es darum geht, effizienter und erfolgreicher zu sein. Vielmehr ist entscheidend, dass Finanzexperten aus ihrer funktionalen Komfortzone kommen, um ihrem Unternehmen dabei zu helfen, sich ganzheitlich zu verändern. Das beginnt damit, die Organisation zu unterstützen, neue Fähigkeiten aufzubauen – sowohl bei digitalen Initiativen, künstlicher Intelligenz oder groß angelegten Prozessoptimierungen können Finanzvorstände viel Erfahrung einbringen. Dies gilt besonders für umfassende Transformationsprogramme, die Leistungserwartungen völlig neu defi nieren und das Selbstverständnis des Unternehmens grundlegend verändern.

Der europäische Molkereikonzern Arla Foods befi ndet sich mitten in einem großen Transformationsprozess. Anfang dieses Jahres hat das Unternehmen unter dem Namen Calcium ein ehrgeiziges Programm angekündigt, welches das Geschäft erheblich verändern und in den nächsten zweieinhalb Jahren eine EBIT-Verbesserung von mindestens 400 Millionen Euro erbringen wird. Damit möchte Arla Foods nicht nur seinen Genossenschaftsmitgliedern, den Landwirten, einen wettbewerbsfähigen Milchpreis zahlen, sondern auch seine Position als einer der weltweit führenden Anbieter von natürlichen, nahrhaften und nachhaltigen Lebensmitteln festigen. Der Finanzbereich ist ein Kernstück des Programms, denn echter Wandel gelingt nur, wenn das Finanzressort eine Führungsrolle bei der Erreichung der gesteckten Ziele übernimmt.

Transparenz schaffen und Veränderung vorantreiben

In einer zunehmend unübersichtlicheren Welt ist es von größtem Wert, sich zu orientieren, Unwichtiges von Wichtigem zu unterscheiden und Trends zu identifi zieren. Führungskräfte spüren den Druck der immer komplexer werdenden Aufgabe, die richtigen Entscheidungen zu treff en. Ursache hierfür sind die enorme Informationsfl ut und die Matrix der Systeme, aus denen wir diese Informationen beziehen. Daher wird es zunehmend schwieriger, wirkliche Werttreiber herauszufi ltern; jeder sehnt sich nach Transparenz und konkreten, leicht zu verarbeitenden Handlungsempfehlungen. Als Unternehmensfunktion mit dem umfassendsten Verständnis der Wertschöpfungskette und des Wettbewerbsumfelds sowie der sich schnell ändernden Variablen in beiden Bereichen kann die Finanzabteilung hier ihre Stärke ausspielen. Damit können Finanzexperten für eine durchgängige Transparenz sorgen, aussagekräftige Vorhersagen treff en und sicherstellen, dass das Unternehmen den richtigen Fokus hat.

Diese besondere Rolle wird durch die Einführung neuer Technologien nochmals gestärkt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Fähigkeit des Finanzressorts, zuverlässige Zukunftsprognosen zu erstellen, sprunghaft verbessert, sowohl im Bereich des externen Data Mining als auch beim Einsatz leistungsfähiger Datenanalysen für die Erstellung von Szenarien. In den meisten Firmen dürfte die Finanzabteilung mehr Automatisierungs- und KI-Lösungen zur Kostensenkung sowie Effi zienz- und Qualitätssteigerung implementieren als der Großteil der anderen Unternehmensbereiche. Damit erhalten Finanzmanager eine strategischere, kreativere und umfassendere Sicht auf Herausforderungen und ungenutzte Geschäftspotenziale. Mit diesen Erkenntnissen spielen CFOs eine noch wichtigere Rolle in Strategiediskussionen und werden zu zentralen Treibern von Veränderungen im gesamten Unternehmen.

Rolle des CFO wird neu definiert

Diese Entwicklung führt dazu, dass die Bedeutung der Finanzfunktion im kommenden Jahrzehnt weiter steigen wird. Damit einhergehend wird auch das Rollenverständnis des Finanzbereichs neu defi niert – von Fachleuten, die in den Rückspiegel schauen, hin zu Partnern des operativen Geschäfts, die eine vorausschauende Perspektive ermöglichen. Für Finanzvorstände liegt darin die Chance, als „Optimus Prime“ die Transformation und das Wachstum nicht nur des Unternehmens, sondern auch ihrer eigenen Rolle hin zu noch wertvolleren Partnern voranzutreiben.

Natalie Knight, Chief Financial Offi cer Arla Foods