Heute den Werkstoffhandel von morgen gestalten


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Heute den Werkstoffhandel von morgen gestalten

Eine der größten Herausforderungen im Bereich der Materials Services, also dem Handel mit Werk- und Rohstoffen und der Erbringung damit verbundener Anarbeitungs- und Supply-Chain-Services, ist die sukzessive Digitalisierung. Dabei gilt es, regelmäßig die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen und die eigenen Produkte konsequent weiterzuentwickeln. Dies betrifft nicht nur die Bereiche, die bisher in den Unternehmen verfolgt werden, sondern schließt auch die Schaffung neuer Geschäftsmodelle und -kanäle mit ein. Dafür sollte man den transformativen Prozess als Chance entlang der gesamten Wertschöpfungskette sehen.

Neue Wege, neue Zielgruppen

Vernetzte Zusammenarbeit, sowie interaktive Prozesse, gehören bei Materials Services schon heute in immer mehr Bereichen zum Alltag. Hierbei stehen vor allem die Kunden und ihre individuellen Bedürfnisse im Zentrum. Für sie müssen passgenaue digitale Lösungen entwickelt werden, die die bisherigen Formen der Zusammenarbeit einfacher machen und sinnvoll ergänzen. Ein Beispiel: Im Dezember 2015 ging bei thyssenkrupp Materials Services das Portal für Bestandskunden an den Start – seitdem ist es in vielen europäischen Märkten für die dortigen Kunden verfügbar. Die Vorteile aus Sicht von thyssenkrupp: Unmittelbarer Online-Zugriff auf Rahmenverträge und Bestände, das Herunterladen von Dokumenten und die direkte Einsicht in Produktkataloge – alles in Echtzeit, 24/7. Anfang2017 wird das Portal über eine volle E-Commerce-Funktionalität verfügen und einen zusätzlichen Vertriebsweg bieten.

Das durch das Internet zunehmend veränderte Informations- und Beschaffungsverhalten eröffnet überdies Chancen für die Erschließung neuer Kundengruppen. Seit Anfang des Jahres können daher erstmals Endkunden in ausgewählten europäischen Ländern Werkstoffe über den neuen Online-Shop „materials4me“ bestellen. Mehr als 15.000 Produkte sind dort bereits verfügbar. Das Potenzial zeigt sich in den USA: Der Shop „OnlineMetals“ besteht seit 2007 und bietet heute rund 65.000 Produkte an.

Sicher sind es gerade die neuen Portal- und Shop-Lösungen, die die digitale Entwicklungsarbeit nach außen hin sichtbar machen. Die Dimensionen der digitalen Transformation bei Materials Services sind aber weitaus größer. Denn die Business Area führt entlang der gesamten Wertschöpfungskette überall dort digitale Prozesse ein, wo sie das Angebot und die Abläufe nutzerfreundlicher und effizienter gestalten. Ein weiteres Beispiel von thyssenkrupp ist das Service-Center für Flachstahl und NE-Metalle in Stuttgart, bei dem derzeit das Pilotprojekt „Paperless Production“ läuft, welches anschließend in der gesamten Unternehmensgruppe ausgerollt werden soll. Ziel ist, die Dokumentation des Produktionsprozesses sowie die Vermessung des gefertigten Materials vollumfänglich digital zu erfassen und zu steuern. Auch hier werden unsere Kunden profitieren: Unter anderem können sie zukünftig in Echtzeit Auskunft über die Parameter der bestellten Waren erhalten. Gleichzeitig steigen die digitale Verfügbarkeit und Auswertbarkeit der Daten. Der hohe Vernetzungsgrad mit anderen Systemen erhöht die Produktivität, Qualität und Prozesssicherheit.

Teamwork 4.0

Die Implementierung einer digitalen Strategie erfordert ein hohes Engagement der Mitarbeiter – begleitet von einem umfassenden, nachhaltigen Change-Prozess. So kann ein Team aus Experten und entsprechend qualifizierten Kollegen die Prozesse bereichsübergreifend vorantreiben. Im Mittelpunkt: Der Austausch und Transfer von Wissen und Know-how. Hierbei sind nicht nur die externen Kommunikationsprozesse mit Kunden, Lieferanten und Partnern entscheidend. Ebenso spielt der interne Austausch, der immer interaktivere Möglichkeiten eröffnet, eine wichtige Rolle. Ein Social Intranet kann dafür verschiede Wege bieten: sowohl relevante Informationen und Anwendungen, als auch die Möglichkeit, sich über ein neues Kollaborationstool direkt level- und bereichsübergreifend miteinander zu vernetzen, sein Wissen zu teilen sowie Ideen und Lösungsansätze auszutauschen.

Die Digitalisierung, insbesondere die engere Vernetzung und der Ausbau des Datenaustauschs über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, eröffnet Kunden wie Lieferanten und Mitarbeitern neue, effektivere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Zugleich stellt man die Weichen für den erfolgreichen Handel und Service mit Roh und Werkstoffen von morgen – mit neuen und optimierten Geschäftsmodellen, Absatzkanälen und Service-Dienstleistungen.


Handelsblatt Journal Industrie 4.0

Den vollständigen Artikel von Hans-Josef Hoß (Mitglied des Bereichsvorstands der Business Area Materials Services der thyssenkrupp AG) finden Sie im aktuellen Handelsblatt Journal „Industrie 4.0 – Smart – Agile – Connected“, das Sie hier herunterladen können.