Andreas Schneider von Stahlmarkt Consult: „Ein einheitliches europäisches Stahlpreisniveau ist noch nicht in Sicht“


Für die europäischen Flachstahlverarbeiter ist nach der Ilva-Übernahme durch Arcelormittal und Marcegalia erhöhte Wachsamkeit angesagt. „Die Konzentration am Flachstahlmarkt nimmt weiter zu. „Man muss sich schon ein wenig Sorgen machen“, sagte Experte Andreas Schneider von Stahlmarkt Consult im Gespräch mit Stahl Monitor.

Mittelfristig entsteht seiner Einschätzung nach durchaus ein bedrohliches Szenario für die europäischen Stahlverarbeiter. Ob es Arcelormittal allerdings gelingen wird, ein „europäisches“, also höheres Preisniveau durchzusetzen, ist aus Schneiders Sicht noch längst nicht ausgemachte Sache. Denn die osteuropäischen Länder bieten weiterhin häufig niedrigere Preise. „Künftig dürfte es für Stahlkunden in Deutschland jedenfalls schwieriger werden, günstigere Preise südlich der Alpen für sich selbst direkt zu nutzen oder wenigstens mit Verweis darauf gut zu verhandeln“, machte Schneider deutlich.

„Wahrscheinlich wird eine neue Preispolitik die am schnellsten zu spürende Folge der Ilva-Übernahme sein“, blickte Schneider in die Zukunft. Es werde aber zwei bis drei Jahre dauern, bis Lakshmi Mittal den Ilva-Komplex auf Vordermann gebracht haben wird, ist der Experte überzeugt.

Tendenziell preiserhöhend könnte sich künftig die Tatsache auswirken, dass derzeit 60 bis 70 Prozent des italienischen Flachstahlbedarfes durch Importe gedeckt werden. Marcegaglia hat sich wegen der sinkenden Ilva-Mengen zu einem wichtigen Importeur von Stahl aus Drittländern entwickelt und schnell auf Preisänderungen am Weltmarkt reagiert. Der italienische Markt war wegen seines hohen Importanteils ein wichtiger „Transmissionsriemen“ zwischen internationalen und europäischen Preisen, so Schneider.

Sollte es dann noch zu einem Zusammenschluss von Tata Steel und Thyssenkrupp kommen, dürfte sich der EU-Flachstahlmarkt noch weiter verengen, warnt der Experte. Dies gelte insbesondere für Autobleche. Denn Thyssenkrupp und Tata sind beide bedeutende Player am Markt für Autostähle. „Wenn hier künftig Alternativangebote fehlen sollten, wird es für die Automotive-Kunden deutlich bitterer“, blickt Schneider in die Zukunft.

Insgesamt sollte man aus Schneiders Sicht eine wichtige Entwicklung nicht aus den Augen verlieren: Dass die Konzentration auf EU-Seite umso gefährlicher wird, je mehr die Tür für Importe von außen geschlossen wird.
Andreas Schneider wird auf dem MBI Stahltag im Oktober in Frankfurt am Main auftreten und über die dann  aktuelle Marktsituation sprechen. Hören Sie live am 17. und 18. Oktober , welche Ausblicke er präsentieren wird, -Das Programm des MBI Stahltags finden Sie hier: http://www.mbi-infosource.de/fileadmin/user_upload/Stahl-Tag-2017_Programm_MBI-Infosource.pdf