Interview mit Dr. Felix Kratz, Managing Partner bei Baumgartner & Co. Business Consultants GmbH


Dr. Felix Kratz

Welche Führungsmethode leitet für Sie erfolgreiche Transformation ein?

Zunächst muss das Ziel der Transformation klar sein. Z.B. „Was versteht die jeweilige Bank oder Sparkasse zu diesem Zeitpunkt für sich genau unter „Digitalisierung“? Führungskräfte, die selber zweifeln, können Mitarbeiter nicht anzünden. Hier muss –notfalls auch durch entsprechende Auswahlprozesse- konsequent angesetzt werden. Daneben geht es um Sinn-und Strategievermittlung, die wirklich bei den Mitarbeitern ankommt. Sie zu mobilisieren erfordert neue Methoden der Strategiekommunikation und Partizipation, die neugierig machen und Ängste nehmen.

Mit welchen Motivationskonzepten können Sie die interne Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter steigern?

Haben wir früher pauschal vom „Mitarbeiter“ gesprochen, trennen wir heute gedanklich verschiedene Zielgruppen, um mit Führung effizienter Wirkung zu erzielen. Wir unterscheiden beispielsweise den sogenannten Unternehmensbewohner, der zwar zufrieden, aber nicht übermäßig motiviert ist, vom wirklich motivierten Mitarbeiter. Diese Zielgruppen müssen unterschiedlich angesprochen werden und auch im Rahmen neuer Anreizsysteme und Führungsinstrumente unterschiedlich geführt werden.
Ein gutes Konzept, um alle Gruppen, Führungskräfte, Mitarbeiter, auch Personal- und Betriebsräte, in den aktuellen Veränderungsprozessen mitzunehmen, ist ein begleitender, mit Nachdruck verfolgter, „Werteprozess“ im Gesamthaus. Hier gibt es in Deutschland inzwischen gute Erfolgsbeispiele. Er klärt auch die wichtige Vorbildfrage von Vorstand und Führungskräften und bietet vielfältige Möglichkeiten zur Partizipation aller Mitarbeiter.

Können Sie uns in wenigen Worten einige Strategien für moderne Führung aufzeigen?

Für mich zentrale Aspekte sind: Konsequenz der Führung steigern. Einfachere Führungsinstrumente, die wirksam und mit höherer Akzeptanz angewendet werden. Neue Kommunikationsformen. Horizontale Vernetzung, zB durch unser außerordentlich erfolgreiches Format „Führung im Dialog“, in dem unter externer Moderation Führungskräfte neue Wege der Führung diskutieren und erproben. Mitarbeiter auch emotional über konsequentes Wertemanagement abholen. Vielfältige Wege der Partizipation, Mitarbeiter in Innovationsprozesse neuartig einbinden, zB unter Nutzung digitaler Tools.

Haben sie eine spezielle Sparkassenstrategie in der Tasche?

Es geht um 3 große Handlungsfelder. Ich nenne es die 3k-Strategie. Tatsächlich ist es eine Transformation, die parallel abläuft. Erstes K:Kosten. Es ist unverzichtbar, dass alle Effizienz- und Kostenpotenziale auf den Prüfstand kommen
Zweites K: Kunde. Hier geht es um das künftige Geschäftsmodell, dem flexiblen Folgen der sich verändernden Kundenbedürfnisse mit überlegenen Produkten und Dienstleistungen.
Drittes K: Kultur. Nur mit Führungskräften und Mitarbeitern, die die Veränderung annehmen und als Chance begreifen, kann eine Bank oder Sparkasse im Markt bestehen. Dies ist derzeit nur eingeschränkt der Fall. Die Entwicklung auf der Markt- uns Kundenseite verläuft künftig mit höherer Taktrate, deutlich schneller als früher. Wir müssen und können unsere Führungskräfte und Mitarbeiter jetzt hierauf vorbereiten, aber die Zeit wird schon knapp. Künftige Werte sind ua. Veränderungsbereitschaft, Mut, Übernahme von Verantwortung, Vertrauen und Wertschätzung.

Dr. Felix KratzDr. Felix Kratz ist Managing Partner bei Baumgartner & Co. Business Consultants GmbH und wird bei der 15. Handelsblatt Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken“ zum Thema „Anders führen. Aber wie?“ referieren.