Innovationen für über 50 Mio. Sparkassen-Kunden – Interview mit Bernd Wittkamp


Innovationen für über 50 Mio. Sparkassen-Kunden – Interview mit Bernd Wittkamp

Der Sparkassen Innovation Hub ist die Ideenschmiede der Finanzgruppe. Hier tüfteln Bernd Wittkamp und sein Team an neuen Produkt- und Service-Lösungen. Dabei arbeiten die Innovationsexperten nach dem Konzept des „Minimum Viable Products“. Was es damit auf sich hat, berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung der Star Finanz in diesem Interview.

Was ist das Sparkassen Innovation Hub?

Der Sparkassen Innovation Hub ist eine von Sparkassen und Verbundpartnern neu gegründeter Bereich der Star Finanz. Seit Anfang 2017 ist er die zentrale Anlaufstelle für FinTechs, die Kontakt zur Sparkassen-Finanzgruppe suchen. Ziel ist es, gemeinsam mit FinTechs, Partnern, Experten und Kunden innovative Produkt- und Service-Ideen prototypisch zu entwickeln und mit Kunden zu testen, um für die über 50. Mio. Kunden der Sparkassen-Finanzgruppe neue innovative Lösungen anzubieten.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung neuer Ideen und Produkte vor?

Wir glauben, dass die Produkte und Ideen der Sparkassen von morgen nur dann erfolgreich sind, wenn von Anfang an die Bedürfnisse unserer Kunden im Vordergrund stehen. Entsprechend fokussieren wir uns auf eine nutzerzentrierte Entwicklung neuer Produkte und Services. Mehrere interdisziplinäre Teams arbeiten dafür in kurzen agilen Sprints an einer Idee und binden mehrere Nutzer aktiv in die Entwicklung mit ein. Ideen kommen dabei aus vielen Ecken, z.B. durch unser Marktscreening, von Partnern, Mitarbeitern aus dem Hub, Endkunden oder unserem jährlichem Hackathon der Symbioticon. Alle Ideen werden diskutiert und bewertet. Wir nutzen dann neue Arbeitsmethodiken wie Design Thinking, um Ideen anfassbar und bewertbar zu machen. Wichtig ist, dass wir in kurzer Zeit dahin kommen, eine Idee schnell zu entwickeln und zu testen, um herauszufinden was die richtigen nächsten Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen Produkt sind.

Auf der Webseite des Sparkassen Innovation Hub ist zu lesen, dass sie sich bei dem Konzept der ‚Minimum Viable Products‘ verschrieben haben. Was genau bedeutet das und wie kann der Nutzer davon profitieren?

Das Minimum Viable Product basiert auf der Idee, dem Nutzer so schnell wie möglich ein für ihn wertvolles Produkt bereitzustellen ohne von Beginn an schon den kompletten Funktionsumfang anzubieten. Es wird nicht gewartet, das zu 100 % alle Funktionen entwickelt werden, sondern dem Nutzer ein von den Funktionen reduziertes Produkt angeboten, dass im Umfang dem Kunden aber bereits einen Mehrwert bietet. So wird sichergestellt, dass man das Produkt schnell auf den Markt bringt, vom Feedback der Nutzer lernt und das Produkt gemeinsam weiterentwickelt. Ziel ist es, nur Funktionen zu entwickeln, die dem Nutzer wirklich helfen und deren Bedürfnisse adressiert.

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Zukunftstrends im Finanzsektor?

Neben der weiteren Zusammenarbeit zwischen Banken und Sparkassen mit Fintechs und Open Banking im Kontext von PSD2 und API-sierung von Banking und Payment werden die Themen Payment (Mobile und Voice) und Data Analytics wichtige Trends für die Finanzindustrie sein. Data Analytics ist dabei eine Grundvoraussetzung, um den Kunden in Zukunft Services für ihre individuellen Bedürfnisse anbieten zu können. Auch muss hier das Thema Blockchain genannt werden, mit dem neue und innovative Finanzdienstleitungen entstehen werden.

Welche Technologien werden den Finanzsektor in den nächsten 5 Jahren besonders nachhaltig beeinflussen?

Entscheidend im Banking ist nicht mehr die Infrastruktur, sondern das Bedienen der individuellen Kundenbedürfnisse. Die EU-Richtlinie PSD2 ebnet den Weg für neue Ökosysteme. Technologische Innovationen verändern die Art und Weise, wie Menschen, Unternehmen und Institutionen ihre Beziehungen organisieren. Drei strategische Technologien werden diese Entwicklung treiben und den Finanzsektor nachhaltig beeinflussen: Artificial Intelligence, Machine Learning und Blockchain.

Vielen Dank für das Gespräch!


Diskutieren Sie mit.

Diskutieren Sie mit Bernd Wittkamp und anderen namhaften Finanzexperten über neue Produkt uns Service-Lösungen im Finanzsektor, im Rahmen der 16. Handelsblatt Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen“, am 22. und 23. Februar 2018 in Berlin.


Über Bernd Wittkamp:

wittkampBernd Wittkamp, Jahrgang 1965, ist seit Januar 2001 Geschäftsführer der Star Finanz und seit 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung. In seiner Position verantwortet er die Bereiche Personal und Facility Management, Sparkassen Innovation Hub sowie die Unternehmensentwicklung. Nach seinem Abitur in Köln studierte Bernd Wittkamp Betriebswirtschaft an der Universität Köln und schloss das Studium 1992 als Diplom-Kaufmann ab. Ein Jahr später begann er seinen beruflichen Werdegang in der Ensign GmbH im Bereich Marketing und Vertrieb. Zwei Jahre später folgte der Wechsel zur B/W Werbeagentur in Düsseldorf. Zwischen 1999 und 2001 war Bernd Wittkamp bei SK Online, der Gesellschaft für Telekommunikationsdienste in Köln.Als Abteilungsleiter verantwortete der diplomierte Kaufmann hier zwei Jahre lang die Bereiche Vertrieb, Marketing und Finanzen.