Banking „Made in Europe“ muss sich nicht verstecken – Interview mit Dr. Johannes-Jörg Riegler


Titelbild: Interview mit Dr. Johannes-Jörg Riegler

Die Landesbanken haben ihre Hausaufgaben gemacht, sagt Dr. Johannes-Jörg Riegler. Im Interview erläutert der VÖB-Präsident und Vorsitzender des Vorstandes der BayernLB, welche Rolle die Landesbanken zukünftig spielen werden.

Herr Dr. Riegler, welche Herausforderungen sehen Sie in den kommenden Jahren auf die regionalen und öffentlichen Kreditinstitute zukommen?
Generell stehen alle Banken, unabhängig von Rechtsform und Eigentümern, vor den gleichen Herausforderungen: Die Negativ- oder Nullzinsphase, die Regulierung, der internationale Wettbewerb und der wachsende Digitalisierungsdruck. Diese vier Herausforderungen werden den Bankensektor über einen langen Zeitraum prägen.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Zukunftstrend im Finanzsektor?
Grundsätzlich war, ist und bleibt Banking nie Selbstzweck. Banken müssen kompetenter Dienstleister ihrer Kunden sein und sich an die veränderten Bedürfnisse der Kunden im Zuge von Digitalisierung anpassen. Darüber hinaus wird ein Geschäftsfeld der Zukunft Green Finance sein, also die stärkere Berücksichtigung nachhaltiger und ökologischer Aspekte bei Finanzierungen. Die öffentlichen Banken verfügen in der Finanzierung von ökologischen Infrastrukturprojekten über umfangreiche Expertise. Förderprogramme und die Teilung von Risiken in Form von öffentlichen Garantien ermöglichen oftmals langfristige Infrastrukturvorhaben überhaupt erst.

Welche Rolle werden Landesbanken zukünftig spielen?
Landesbanken sind integraler Bestandteil des Finanzmarktes Deutschland. Sie sind weder aus der Unternehmensfinanzierung (knapp 25 Prozent Marktanteil) noch aus dem Geschäft mit Kommunen wegzudenken, wo sie gemeinsam mit den Förderbanken für jeden 2. Euro zur Verfügung stehen. Die Landesbanken haben sich auf ihren Gründungsauftrag zurückbesonnen und sind heute starke Partner für die öffentliche Hand, private Unternehmen und die Sparkassen vor Ort.

In den letzten Jahren haben die Landesbanken ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben ihre Bilanzen und Risiken erheblich reduziert, gleichzeitig Eigenkapital aufgebaut und sich kosteneffizient am Markt positioniert. Alle Landesbanken haben die Stresstests von EZB und EBA bestanden. Sie haben also ein Testat für die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle erhalten. Gemeinsam mit belastbaren, langfristig gewachsenen und vertrauensvollen Kundenbeziehungen ist dies eine solide Ausgangslage für die Zukunft.

Wie kann die Regulierung Wettbewerbsfähigkeit unterstützen?
Regulierung war nach der Krise natürlich notwendig und richtig, ein „weiter so“ war ausgeschlossen. Nun sollte die Vielzahl an Regeln aber überprüft werden, mit dem Schwerpunkt inwiefern sie die Funktionsfähigkeit der Kreditwirtschaft unnötig und unbeabsichtigt einschränken. Regulierung muss Ziele – wie stabile Banken und Märkte – verfolgen.

Besonders plädiere ich diesbezüglich für globale Regeln ohne Wettbewerbsnachteile für Europa. Wir haben als Europäer allen Grund, unser Verständnis von Bankgeschäft selbstbewusst zu formulieren und unsere eigene, von Langfristigkeit geprägte Banking-Kultur zu leben. Banking „Made in Europe“ muss sich nicht verstecken.

Was wären Ihre persönlichen 3 Wünsche oder Handlungsempfehlungen, die Sie Sparkassen, Landesbanken und allen regionalen Instituten geben möchten?
Ich würde auf vier Handlungsempfehlungen erhöhen. Ich setze auf diese vier Punkte als Antworten auf die Herausforderungen im Bankgeschäft. Sparkassen, Landesbanken und regionale Institute sollten sich auf ihre Geschäftsfelder konzentrieren, in denen man Kunden Spitzenqualität liefern kann. Der Kunde muss im Mittelpunkt stehen, durch konsequente Digitalisierung von Services und Prozessen sowie durch persönliche Betreuung der Kunden vor Ort.

Die Bank muss Stabilität durch eine solide Kapitalausstattung, ein starkes Rating und eine ausgezeichnete Asset-Qualität in der Bilanz haben. Und die Effizienz einer Bank muss stimmen, welche nur durch strikte Kostendisziplin, Abbau von Komplexität und stabiles, risikobewusstes Ertragswachstum gegeben ist. Ich wünsche mir daher, dass die öffentlichen Banken viel Energie und Mut zu Veränderungen haben, damit der Bankensektor in 2018, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiterhin stark bleibt.

Vielen Dank für das Gespräch!


Diskutieren Sie mit.

Diskutieren Sie mit Dr. Johannes-Jörg Riegler und anderen namhaften Finanzexperten über die aktuellen Herausforderungen für die Kreditwirtschaft im Rahmen der 16. Handelsblatt Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen“, am 22. und 23. Februar 2018 in Berlin.


Über Dr. Johannes-Jörg Riegler:

rieglerDr. Johannes-Jörg Riegler ist seit dem 1. April 2014 Vorsitzender des
Vorstandes der BayernLB und seit 10. November 2016 Präsident des
Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB. Nach seinem Jura-Studium begann er seine berufliche Laufbahn in Kanzleien in Deutschland und den USA. 1993 wechselte er zur Deutschen Bank und war dort bis 2003 im In- und Ausland in verschiedenen Positionen im Risikomanagement tätig. Im Jahr 2003 übernahm Riegler die Position des Chief Risk Officer (CRO) bei der Westfalenbank (HVB-Gruppe). 2005 wurde er, ebenfalls als CRO, in den Vorstand der Nord/LB in Hannover berufen, ab 2013 war er dort bis zu seinem Wechsel zur BayernLB zudem stellvertretender Vorstandsvorsitzender.