Beteiligungskapital als Wachstumsmotor: Ergebnisse einer neuen Studie


Beteiligungskapital

Die Bedeutung von Beteiligungskapital in Deutschland wächst stetig: Allein im letzten Jahr wurden rund 1.200 Unternehmen mit 5,3 Milliarden Euro Beteiligungskapital finanziert. 2014 lag die Investitionshöhe sogar bei 7,4 Milliarden Euro und erreichte damit den  Höchststand seit den Anfängen der Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Dabei ist der Beteiligungsmarkt vor allem ein Mittelstandsmarkt. 93 % der mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter oder setzten weniger als 100 Millionen Euro um.

Beteiligungsgesellschaften sind als Sparringspartner im Unternehmen nicht nur Kapitalgeber, sondern auch Experten in Managementfragen und bei der Vermittlung von Kontakten. Sie unterstützen Unternehmen bei der Realisierung ihrer Ideen in fertige Produkte, beim Wachstum und der Expansion, sie regeln Gesellschafternachfolgen und sichern die Zukunft von Restrukturierungsfällen.  Die Bedeutung von Beteiligungskapital für die Entwicklung der finanzierten Unternehmen untermauert eine aktuelle Studie von Otto Küsters & Company (OKC) und AFC Management Consulting in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), die die Entwicklung  beteiligungsfinanzierter Unternehmen in Deutschland im Zeitraum von 2006 bis 2011 untersucht.  Befragt wurden 46 in Deutschland aktive Beteiligungsgesellschaften. Diese lieferten Daten über insgesamt 555 Portfoliounternehmen, die im Studienzeitraum erstmals mit Beteiligungskapital finanziert wurden.

Portfoliounternehmen mit deutlich mehr Wachstum

Die Studie zeigt, dass sich beteiligungsfinanzierte Unternehmen im Schnitt deutlich besser entwickeln als dies bei Unternehmen im Bundesdurchschnitt der Fall ist. Blickt man auf die Indikatoren Umsatz, Beschäftigtenzahl und Eigenkapitalquote, zeigt sich eine enorme Steigerung bei den Portfoliounternehmen. Der Umsatz wächst bei beteiligungsfinanzierten Unternehmen circa doppelt bis dreimal so stark wie bei der entsprechenden gesamtwirtschaftlichen Referenzgruppe. Beim Beschäftigungswachstum stechen die beteiligungsfinanzierten Unternehmen mit Raten zwischen 9 % und 17 % ebenso deutlich heraus. Mit Eigenkapitalquoten zwischen 38 % und 41 % schneiden die Unternehmen mit Beteiligungskapital an Bord gegenüber der Vergleichsgruppe (27 % – 31 %) besser ab und auch die Wettbewerbsfähigkeit der mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen auf ausländischen Märkten liegt hoch. Im Untersuchungszeitraum machten die Exportquoten ein stetiges Wachstum von 41 % im Jahr 2006 auf 51 % im Jahr 2012 deutlich.

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Abbildung 3: Durchschnittliches Umsatzwachstum der Unternehmen

Entgegen dem oftmals in den Medien aufgestellten Heuschreckenbild von Beteiligungsgesellschaften macht die Studie deutlich, dass  beteiligungsfinanzierte Unternehmen im untersuchten Zeitraum ein konstant steigendes Beschäftigungswachstum von 9 % im Jahr 2007 auf 17 % im Jahr 2012 (Median), vorweisen. Damit liegen beteiligungsfinanzierte Unternehmen weit über dem Bundesdurchschnitt, in dem das Beschäftigungswachstum im Untersuchungszeitraum zwischen 0,4 und 2 % schwankte.

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Durchschnittliches Beschäftigtenwachstum der Unternehmen

Eigenkapitalbasis gestärkt

Eine hohe Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens ist ausschlaggebend für dessen finanzielle Stabilität und Wachstum. Die bilanzielle Eigenkapitalquote der beteiligungsfinanzierten Unternehmen liegt in den Studienergebnissen mit Werten zwischen 38 % und 41 % in jedem Jahr höher als die des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts (27 % – 31 %). Wird Mezzanine-Kapital  mit berücksichtigt, liegt die Eigenkapitalquote sogar zwischen 44 % und 46 %. Interessant ist auch die Entwicklung der Eigenkapitalquote zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Während sich bei der Eigenkapitalquote im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein deutlicher Rückgang feststellen lässt, bewegen sich die Eigenkapitalquoten bei den beteiligungsfinanzierten Unternehmen auf konstant hohem Niveau.

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Durchschnittliche Eigenkapitalquote im Vergleich

Investitionsentscheidungen und Unterstützungsleistungen der Beteiligungsgesellschaften

Die insgesamt überdurchschnittliche Entwicklung der beteiligungsfinanzierten Unternehmen lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Einer ist natürlich das zusätzliche Beteiligungskapital. Daneben spielt auch der hohe Anspruch der Beteiligungsgesellschaften an potenzielle Portfoliounternehmen eine entscheidende Rolle. Beteiligungsgesellschaften investieren in erster Linie in Unternehmen, die durch überdurchschnittliches Wachstumspotenzial herausstechen. Das wichtigste Entscheidungskriterien ist nach Einschätzung der in der Studie befragten Gesellschaften in erster Linie das Managementteam, insbesondere dessen Branchenerfahrung, die Unternehmerpersönlichkeit sowie die kaufmännische und technische Kompetenz. Erst dahinter folgen  Alleinstellungsmerkmale von Produkt oder Dienstleistung, die Marktentwicklung oder die Wettbewerbsposition eines Unternehmens.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Unterstützung der finanzierten Unternehmen durch die Beteiligungsgesellschaften als Gesellschafter. Ist eine Investition getätigt, hat man mit einer Beteiligungsgesellschaft über mehrere Jahre einen aktiven Partner an Bord, der das Unternehmen durch sein Know-How und Netzwerk aktiv unterstützt und gemeinsam mit dem Management zu mehr Erfolg führt. Gleiche Interessen und klar definierte Ziele weisen dabei den Weg.

Autorin:

Ulrike HinrichsUlrike Hinrichs
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK)