Rückblick

Rückblick auf die 22. Handelsblatt Jahrestagung Pharma 2017

Die 22. Handelsblatt Jahrestagung Pharma fand in diesem Jahr erstmals in Berlin statt und stellte mit  37 Sprechern und 120 Teilnehmern ein Podium für den Austausch zwischen Pharmaindustrie, GKV, Politik und Wissenschaft dar. Die Jahrestagung bot mit den Bausteinen „Speakers` Corner“, den zahlreichen Podien und Debatten, den Pausen und der Abendveranstaltung unendliche Möglichkeiten miteinander ins Gespräch zu kommen und aktuelle Markttrends ausführlich zu diskutieren.

Insgesamt standen folgende drei Megatrends im Zentrum der Jahrestagung:

  • Der Paradigmemwechsel bei der Nutzenbewertung von Produktinnovationen hin zu der Frage: Wo liegt der Nutzen des Produktes für den Patienten? Mit dieser Frage einher erhöht sich der Anspruch an das Studiendesign neuer Produkte, insbesondere in Phase 1 und 2.
  • Die Personalisierung ist ein weiterer Megatrend. Dabei tritt die Frage nach der Behandlung einer Krankheit in den Hintergrund. Im Fokus steht die Frage: Wer bist du in Zusammenhang mit molekularen und genetischen Grundlagen der Patienten.
  • Die Digitalisierung der Industrie hin zu mehr digitalen Serviceangeboten, weg von der Pillenproduktion, ist ein dritter wesentlicher Trend. Unternehmen sammeln mehr Daten mit dem Ziel verschiedene Marktplayer zu vernetzen und damit das Gesundheitswesen effizienter zu gestalten.

Die Jahrestagung Pharma wurde von KEYNOTE-Sprecher, Stefan Rinn, Vorsitzender der Geschäftsführung, Boehringer Ingelheim Deutschland, mit dem Vortrag „Innovation am Standort Deutschland“ eröffnet. Rinn baute seinen Vortrag auf den folgenden sieben Thesen zum Innovationsstandort  Deutschland auf:

  • Höhere Lebenserwartung und Lebensqualität werden in Deutschland von verschiedenen Faktoren positiv beeinflusst, u. a. innovativen Arzneimitteln
  • Für viele Krankheiten gibt es noch keine (oder nur ungenügende) Behandlungsmethoden
  • Forschende Arzneimittelhersteller können zu Lösungen beitragen, aber verbunden mit langem F&E Prozess, hohen Ausfallraten, hohen Kosten
  • Richtiger Arzneimitteleinsatz heilt und erspart Folgekosten
  • Integrierte Wertschöpfungskette als Erfolgsfaktor –
    mangelnder Markterfolg im Heimatmarkt ist langfristig ein de-invest Signal
  • Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen (Beschäftigung, Steuern…) werden zunehmend erkannt, aber nur unzureichend anerkannt
  • Um die Herausforderungen zu meistern, bedarf es der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Ärzten, Kliniken, Krankenkassen und Herstellern!

Rinn berichtete, dass die Standortbedingungen in Deutschland für Boehringer Ingelheim von herrausragender Bedeutung seien, da das Unternehmen in seinem Heimatland sehr stark verwurzelt   und die Pharma Wertschöpfungskette von Boehringer Ingelheim in Deutschland noch komplett erhalten sei. Fast alle Produkte des Unternehmens stammten vom Forschungsstandort Deutschland.

Insbesondere lobte er den Standort Deutschland als Innovationsstandort und begründete dies mit den forschungsstarken Hochschulen und der guten Kooperation zwischen Hochschulen und Industrie.

Ein Manko sei die mangelnde Start-up Entwicklung in Deutschland sowie die, im Vergleich zu anderen Ländern, geringe steuerliche Forschungsförderung. Hier forderte Rinn Nachbesserung. „Wir sind noch schwach bei Start-ups, mehr steuerliche Foschungsförderung wäre hilfreich.“, so Rinn.

Insgesamt müssten 15 Jahre Forschungszeit angesetzt werden bis ein Produkt beim Kunden ankommt. Die Ausfallrate bei der Innovationserfoschung liege bei 95%. Zusätzlich scheitertete von fünf Produkten eines am AMNOG-Verfahren.

Für diese gesamten Forschungsprozesse müsse die Industrie das Geld zurück verdienen. Rinn stellte klar, das GKV-System müsse bezahlbar bleiben. Aber es müsse auch Anreize für die Phramaindustrie geben, die langwierigen Forschungsprozesse weiterzuführen. Insgesamt stellte Rinn fest, dass die Arzneimittelkosten pro neuem Projekt stiegen und gleichzeitig die Zahlungsbereitschaft der Gesundheitssysteme abnähme. Rinn forderte,  das Kästchendenken aufzugeben und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen und Herstellern.

Ein weiteres Highlight der Konferenz war die Debatte „Sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für Generika auf Biosimilars übertragbar?“ mit Dr. Andreas Eberhorn, Hexal; Dr. Stefan Simianer, AbbVie und Prof. Dr. Christoph Straub, Barmer, unter Moderation von  Prof. Dr. Jürgen Wasem, Universität Duisburg-Essen.

Herr Prof. Dr. Straub lehnte eine Regulierung in Sachen Biosimilars grundsätzlich ab. Um in der frühen Phase der Biosimilars den Wettbewerb in Schwung zu bringen, brauche man nicht nach dem Gesetzgeber zu schreien. Dr. Andreas Eberhorn sprach sich klar für eine Regulierung aus, jedoch über regionale Zielvorgaben. Es sollte seiner Meinung nach anstatt der 5-6 Globalplayer eine größere Herstellervielfalt auf dem Markt geben. Herr Dr. Simianer hält die bisherige Regulierung für ausreichend. Ebenso sei die Zulassung für Biosimilars problematisch, da die Risikoeinschätzung im Verhältnis zu dem Originär-Präparat problematisch sei. Ein Vergleich von Biosimilaren und Generika sei unzulässig, da Biosimilare, Similare und keine Generika seien. Herr Prof. Dr. Straub sprach sich klar dafür aus, die Therapiebegleitung und -entscheidung für Biosimilars in die Hand des Arztes zu legen. Apotheker sollten ein Produkt nicht von sich aus austauschen können.

Das Antikorruptionsgesetz war ein weitere Themenschwerpunkt der Jahrestagung. Oberstaatsanwalt Alexander Badle von der Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen ZBVKG stellte in seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion klar, dass das Antikorruptionsgesetz eine Normenklarheit für alle beteiligten Player im Gesundheitsmarkt gebe. Marktteilnehmer wie Sanitätshäuser und Krankenhäuser hätten jetzt Rechtssicherheit, dass neue Strafrecht sei klar und verständlich. In seiner täglichen Praxis seien alle Fragen mit der Gesetzesbegründung lösbar.

Herr Dr. Stephan Meseke, Leiter der Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen, GKV-Spitzenverband, machte in der Diskussion darauf aufmerksam, dass die neuen Straftatbestände des Antikorruptionsgesetzes Lücken ließen, die nachjustiert werden müssten. Apotheker seien z.B. raus aus der Strafbarkeit, es sei denn, es handele sich um eine Verordnung eines Arztes. Die berufsrechtliche Unabhängigkeit wurde auf Grund des Patientenschutzes ebenfalls gestrichen.

Mehr zu den Diskussionen, Debatten und Vorträgen der Handelsblatt Jahrestagung Pharma finden Sie auch unter #hbpharma und in dem gerade erschienenen Whitepaper auf www.pharma-jahrestagung.de mit Kurzbeiträgen einiger namhafter Sprecher der Konferenz.

2018 trifft sich die Pharma-Community am 19. und 20. Februar 2018 in Berlin im Hotel Pullman Schweizerhof. Informieren Sie sich unter www.pharma-jahrestagung.de stets über die Programmentwicklung.

Pressefotos zum kostenlosen Download finden Sie unter:

http://bit.ly/pharma2017

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