Arztinformationssystem: Besser informieren ja, steuern nein


Dr. Martin Zentgraf

Dr. med. Martin Zentgraf, Vorstandsvorsitzender, BPI

Die Rechtsverordnung zum Arztinformationssystem in der Schublade des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) wartet bereits seit Monaten darauf, verabschiedet zu werden. Hier und jetzt sei aber noch einmal an den Zweck des AIS erinnert: Es soll informieren!

Informationen über ein Arzneimittel, die dazu dienen, die (Therapie-)Wahl zu unterstützen, sind sinnvoll. Wir unterstützen, dass Ärzte noch besser über Arzneimittel aufgeklärt werden. Es braucht dazu ein ehrliches Informationsmodell, das nicht vorgibt, nicht einschränkt und vor allem die Nutzenbewertungsbeschlüsse nicht isoliert zum Leitfaden der Arzneimittelauswahl macht.

Wichtig ist dabei, dass die Informationen neutral präsentiert werden und die Verordnungsfreiheit des Arztes nicht beeinflussen. Eine Software aber, die hinterlegte Patientendaten mit einer Verordnung abgleicht, die allein auf Basis der frühen Nutzenbewertung Arzneimittelauswahl und Wirtschaftlichkeitsprüfung für Ärzte erledigt, dient dagegen dem Zweck: der Verordnungssteuerung! In der Folge würde die Versorgung der Patienten zukünftig automatisiert – patientenorientierte, individuelle Entscheidungen unmöglich.

Unterstützung „on demand“: Das Informationsmodell der Pharmazeutischen Industrie
Der BPI spricht sich für Arzneimittelinformationen aus, bei denen die Therapieentscheidung in den Händen von Arzt und Patient liegt. Dem Arzt muss dafür das vollständige „Kartenmaterial“ zur Verfügung stehen, um sich umfassend informieren zu können. Ein Arztinformationssystem braucht daher neben den Informationen über die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung auch wichtige Informationen aus ärztlichen Leitlinien. Nur so fließen die Erfahrungen der klinischen Praxis mit ein, die für eine adäquate patientenindividuelle Therapie unerlässlich sind. Dem Arzt muss zu jedem Zeitpunkt der gesamte Arzneimittelschatz zur Verfügung stehen und die Therapiefreiheit muss für jede Verordnung gewährleistet sein.

Das Modell, das wir als Industrie befürworten, ist eine praxisgerechte Abbildung nicht nur der G-BA-Beschlüsse, die ohne Zusatzkosten für den Arzt in vorhandene IT-Strukturen eigebettet werden. Die Arzneimittel werden alphabetisch aufgeführt, so dass der Arzt leicht navigieren kann. Der Mediziner bekommt alle für die Therapie nötigen Informationen, insbesondere die Leitlinien als Zusatzinformation der vorliegenden klinischen Evidenz und die Kennzeichnung aller Arzneimittel mit Erstattungsbetrag. Die Informationen erscheinen im einheitlichen Layout und es bedarf keiner zusätzlichen Dokumentationspflichten für den Arzt. Außerdem gibt es keinen Datenrückfluss an die Kassen, keine vorselektierte Liste und keine Codierungen. Der Arzt wird nicht gesteuert, sondern navigiert selbst. Alle Informationen stehen ihm immer und genau dann zur Verfügung, wenn er sie benötigt. Das Modell der Pharmazeutischen Industrie bietet „Unterstützung on demand“.

Ein Arztinformationsmodell der Pharmazeutischen Industrie kennt nur Gewinner: Der Patient, dem der gesamte Arzneimittelschatz für seine Behandlung zur Verfügung steht; der Arzt, der seinen Patienten individuell und ganzheitlich, mit Rücksicht auf Vorerkrankungen und Ko-Medikation behandeln kann; einzelne Krankenkassen, die nicht die Versorgung ihrer Versicherten abschneiden müssen; die Industrie, deren Medikamente da ankommen, wofür sie erforscht wurden. und nicht zuletzt die Politik, die den Patienten gegenüber ihr Versprechen hält, ihnen die bestmögliche Versorgung mit Arzneimitteln schnell zur Verfügung zu stellen.