Deshalb ist Neuro-Robotik eine Riesenchance für Innovationen


Neuro-Robotik

Neuro-Robotik als Kombination aus Neurowissenschaften, Robotik und Künstlicher Intelligenz gilt als eine der spannendsten Disziplinen in der IT.  Erfahren Sie, welche immensen Innovationspotentiale in Neuro-Robotik stecken und welche Schritte die deutsche Wirtschaft im Bereich der KI vornehmen muss, um nicht noch einmal von der ausländischen Konkurrenz überrollt zu werden.  

Erfahren Sie auf der Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management im Januar 2019 in München, wie Sie als CIO den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens durch wegweisende Technologien wie Neuro-Robotik mitbestimmen können.

Interview zur Neuro-Pobotik mit Prof. Alois C. Knoll
(Lehrstuhlinhaber für Echtzeitsysteme und Robotik, TU München)

Was ist Neuro-Robotik?

Prof. Alois C. Knoll, Lehrstuhlinhaber für Echtzeitsysteme und Robotik an der TU München betont, dass sich der Robotik durch die Neuro-Robotik ganz neue Chancen bieten, die man bisher nicht auf dem Schirm hatte.

In der Neuro-Robotik werden Roboter durch möglichst genaue Modelle der Vorgänge in Hirnen von biologischen Vorbildern abgebildet. Roboter sind brain derived und nicht nur brain inspired. Die Forschung hofft, daraus neue Intelligenzleistung zu ermöglichen und so zu einer  neuen Flexibilität und einer neuen Art der Robotik kommen, die im Stande ist, weitaus mehr als Standardindustrieroboter zu leisten. Neuro-Robotik erlaubt es Robotern, in einem closed loop zu arbeiten: Wahrnehmung, Kognition und Aktion erfolgen in einem Zyklus. Durch Ihre Leistungen sind sie nützlich für uns Menschen, können mit uns kommunizieren und neue Märkte, die bislang noch nicht absehbar sind, können in Angriff genommen werden.

Neuro-Robotik – Humanisierung der Arbeitswelt

Für Professor Knoll ist die Frage nach den Risiken der Neuro-Robotik ein typsich deutsche, er bevorzugt es, die Chancen zu sehen. Denn Assistenzsysteme können Aufgaben, die kein Mensch gerne macht, komplett übernehmen oder zumindest menschenfreundlicher gestalten. Neuro-Robotik ermöglicht also die Humanisierung der Arbeitswelt. Wurden in den 70er Jahren Roboter in die Automobilfertigung eingeführt, um mechanische Leistungen zu automatisieren, können durch Neuro-Robotik auch kognitive Leistungen automatisiert werden.

Risiken der Neuro-Robotik

Risiken gibt es laut Professor Knoll immer, es gehe darum, diese in der Neuro-Robotik zu minimieren. Da man die Entwicklung eh nicht aufhalten sondern bestenfalls steuern könne, sei es nun wichtig, einen  gesamtgesellschaftlichen Dialog anzustoßen, da dieser noch nicht stattfinde. Dieser Dialog könnte viele der Horrorszenarien, die im Umlauf sind, zurechtrücken.

So können Unternehmen von der Neuro-Robotik profitieren

Das Human Brain Project von Professor Knoll richtet sich einerseits an die Wissenschaft, da Hirnforscher durch die Virtualisierung von Hirnforschung effektiver und produktiver werden, aber auch an Industrie und Gesellschaft. So können zum ersten Mal Robotersysteme gebaut werden, die aus der Hirnforschungs-Technik abgeleitet werden. Es ergeben sich weiterhin Chancen für Unternehmen, die eigene Produktion zu rationalisieren: Denn Arbeitskräfte — zum Beispiel in der Automobilproduktion — werden älter und brauchen Unterstützung. In diesem Fall bedeutet die Rationalisierung auch Unterstützung der älter werdenden Belegschaft durch Neuro-Robotik. Gleichzeitig eröffnet Leistungssprung durch Neuro-Robotik riesige Chancen für neue Produkte. So gibt es eine Vielzahl an Dienstleistungen, die intelligente System übernehmen können. Diese Modelle können mit Hilfe von Neuro-Robotik wesentlich schneller entwickelt und auf den Markt gebracht werden.

Herausforderungen für die KI

Für Professor Knoll gilt es nun, in der KI-Forschung das Momentum, welches man durch die Entwicklung der Rechentechnik (Machine Learning, Deep Learning) erreicht habe, zu erhalten, gleichzeitig aber auch in die Breite zu gehen. Es gilt nun, sich zu fragen: Was gibt es noch an Techniken, die durchs Studium des Gehirns implementiert werden können? Man habe in dem Bereich erst an der Oberfläche gekratzt. Ein weiteres großes Thema ist die Kombination von KI und IoT und Kommunikationstechnik, durch die eine Menge an Produkten, die man bislang noch gar nicht kennt, auf den Markt gebracht werden könnte.

KI: Fragen, die sich Deutschland stellen muss

Aktuell wird der Aufschwung der KI vor allem durch die „Big Five“ [Apple, Alphabet, Microsoft, Facebook und Amazon (Handelsblatt Premium)] in den USA getrieben, die beliebig viel Kapital haben, um Lösungen gerade für Big Data und damit auch angepasste KI-Lösungen auf den Markt zu drücken. Ähnliches gilt für China, wo Unternehmen ungestört von ausländischer Konkurrenz agieren.

Hierzulande muss man sich nun schleunigst Fragen stellen: Wie kann Deutschland seine Wettbewerbsposition halten? Und wie kann man KI nutzen, um auf spezifische Probleme zu reagieren. Für deutsche Unternehmen gibt es viele Herausforderungen, wie zum Beispiel im Bereich der Plattform-Ökonomie, wenn auf einmal ein chinesischer Stahlhersteller der größte Konkurrent ist. Wie können deutsche Unternehmen zukünftig ihre Produktion durch KI steuern? Und welche Produkte kann man in Deutschland mithilfe von KI rausbringen.

KI-Lösungen für den Mittelstand entwickeln

Gerade im Bereich der KI in der Industrie gibt es riesige Chancen für Deutschland, da es fundamentale Unterschiede zur KI in Sozialen Netzwerken oder bei Google gibt. Hier  gilt es Herausforderungen zu formulieren und deutsche, mittelstandsrelevante Lösungen zu entwickeln. Zum Beispiel will nicht jeder Betrieb seine Daten auf eine Cloud zu legen und dann Google drauf arbeiten zu lassen. Nicht jeder Betrieb hat riesige Petabytes oder Zettabytes an Datenvolumen, sondern mmöchte auch aus kleineren Datenmengen Rückschlüsse ziehen können. Diese Fragen sind für Professor Knoll mittlerweile hoch relevant, damit Deutschland nicht noch einmal überrollt von der ausländischen Konkurrenz überrollt wird.