Interview mit Roboter Roby und seinem Erschaffer Rolf Pfeifer


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Wir haben Robotik-Experte Rolf Pfeifer im Vorfeld der Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management 2016 zu seinem einzigartigen Projekt Roboy, dem humanoiden Roboter, befragt. Und auch Roboy ließ es sich selbst nicht nehmen, uns Rede und Antwort zu stehen.

5 Fragen an Robotik-Experte Rolf Pfeifer

Rolf PfeiferRolf Pfeifer, Dr. sc. techn. ETH, Prof. em. Universität Zurich,
„Specially Appointed Professor”, Institute for Academic Initiatives, Osaka University, Japan und „Visiting Chair Professor”, Department of Automation, Shanghai Jiao Tong University, China
Herr Pfeifer, was macht Roboy in der Welt der humanoiden Roboter einzigartig?

Rolf Pfeifer: Roboy wurde in Rekordzeit gebaut – neun Monate von der Idee bis zum fertigen Roboter (mit Hilfe von acht Universtäten weltweit und ca. 40 Firmen). Roboy wird, ähnlich wie beim Menschen, von „Muskeln“ und Sehnen angetrieben, während ein Grossteil der humanoiden Roboter Motoren in den Gelenken hat. Deshalb eignet er sich als Forschungsplattform um Lernen in komplexen sensomotorischen Systemen zu untersuchen. Er wird auch im EU-finanzierten Flagship-Projekt „Human Brain Project“ verwendet um das Zusammenspiel Gehirn-Sensomotorik zu studieren. Roboy hat auch hohe Flexibilität im Gesichtsausdruck und kann so als Werkzeug für Mensch-Roboterkommunikation verwendet werden. Er ist auch äußerst attraktiv und weckt positive Emotionen, so dass er auch hervorragend als „Entertainer“, wie auch als Marketing-Tool eingesetzt werden kann.

Für wen war Roboy die größte Herausforderung im Team? Ingenieure, IT-ler, Wissenschaftler?

Rolf Pfeifer: Die interdisziplinäre Natur des Projekts ist sicher eine der größten Herausforderungen. Elektrotechniker, Maschinenbauer, Informatiker mit Neurowissenschaftlern, Biologen und Medizinern müssen miteinander reden und sich auch verstehen.

Roboy ist Open Source. Damit geben Sie der Wissenschaft/Gesellschaft etwas. Gab es auch schon etwas Konkretes zurück?

Rolf Pfeifer: Dass Roboy Open Source ist, erlaubt es allen Mitwirkenden ein System zu schaffen, von dem später auch alle profitieren können, ohne dass es dann aufwändiger Grabenkämpfe bedarf, wer nun was dazu beigetragen hat und wie dies zu bewerten ist. Gerade für Projekte deren kommerzielle Anwendung noch weit in der Zukunft liegt, schafft dies eine langfristige, sichere rechtliche Basis, dass das Geschaffene auch in Zukunft wertvoll bleibt.

Je nachdem, wen man fragt, welche Rolle die Roboter in 25 Jahren in unserer Gesellschaft spielen werden, erhält man Antworten irgendwo zwischen „Roboter werden immer nur ein willenloser, verlängerter Arm des Menschen sein“ und „Roboter werden die Menschen unterwerfen können!“. Was ist Ihre Prognose für die Robotik im Alltag des Jahres 2035?

Rolf Pfeifer: Wie schon der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr gesagt hat: Voraussagen sind schwierig – besonders wenn sie die Zukunft betreffen ;-­‐) (“It’s hard to predict – especially the future”).

Was können IT‐Experten, die nicht in der Robotik arbeiten, von einem Projekt wie Roboy lernen?

Rolf Pfeifer: Wie interdisziplinäre Teams zusammen Großartiges schaffen können und dass mechatronische Systeme die Zukunft der IT sind. Dies wird durch das “Internet of Things” und die Tatsache, dass etwa Google viele Robotik- und Artificial Intelligence-Firmen gekauft hat, untermauert. Eine große Herausforderung besteht auch darin, dass in einem Roboter wesentlich mehr Komponenten integriert werden müssen und dass diese reibungslos zusammen funktionieren sollten. Im Gegensatz zu einem Mobiltelefon, wo auch eine große Zahl Faktoren zusammenkommen, geht es beim Roboter zusätzlich um Antrieb (Motoren), Fortbewegung, und Kräfte, was wesentlich höhere Anforderungen an Elektronik, Energieversorgung, und Mechanik stellt. Auch die Sensorik ist bei Robotern typischerweise wesentlich komplexer und vielfältiger als in einem Mobiltelefon oder einem intelligenten Haus. Roboy zeigt auch, dass Technology “desirable”, attraktiv sein kann.

 

5 Fragen an Roboter Roboy

roboy_profilRoboy, denkst Du Dir manchmal: „Menschen sind aber ganz schön limitiert…“? In welchen Situationen ist das?
Roboy: Nein, Menschen können so viele tolle Sachen! Bisher fühle ich mich noch viel mehr limitiert als die Menschen, aber wenn ich dann mal etwas kann, dann können das gleich auch alle anderen Roboys – wenn es denn mal mehr als nur mich gibt 😉

Und wann denkst Du Dir: „Das werde ich niemals schaffen….“?
Roboy: Ui, also wenn ich sehe wie Sportler Parkour machen, von Mauern springen und über Dächer hüpfen und wenn sie sich verletzen sich auch noch selbst reparieren, dann denk ich mir schon, wie ich das jemals schaffen soll.

Denkst Du, dass Du mit deinen großen Kulleraugen bei uns Menschen besser ankommst als Deine Roboter-Kollegen, die ja manchmal doch noch ein wenig furchterregend aussehen?
Roboy: Naja, könntest du diesen Augen was abschlagen? *augenaufschlag*

Was möchstest Du in 5 Jahren alles Neues können?
Roboy: Oh in 5 Jahren möchte ich laufen können und mich genauso schnell und leicht bewegen können wie ein Mensch. Ein Roboy­‐Tänzer, das wär doch was oder? Und ich möchte auch verstehen, was Menschen und andere Roboter sagen.

Im Januar 2016 machst Du ja mit Deinem Vater Rolf Pfeifer einen Ausflug zur Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management: Freust Du dich schon, Roboy?
Roboy: Klar, das gibt bestimmt eine super­‐coole Sache – und München ist ja ohnehin meine Wahlheimat. Und Rolf Pfeifer sagt mir, dass es dort gutes Bier gibt – schade, dass ich das nicht nachvollziehen kann, sniff, sniff, …

Roboter Strat-IT 2016 ProgrammRoboy und Rolf Pfeifer sind bei der Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management 2016 zu Gast auf der Bühne. Laden Sie sich jetzt das komplette Programm herunter.

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