Strategien für ein zukunftssicheres Data Management


Data Management Fujitsu NetApp

Big Data ist groß und wird noch größer. Wir haben uns mit Dr. Rolf Werner, Vorsitzender der deutschen Geschäftsführung und Head of Central Europe bei Fujitsu und Jörg Hesske, Geschäftsführer von NetApp Deutschland, unterhalten, wie Unternehmen ein zukunftssicheres Data Management strategisch angehen können.

Wie big ist Big Data aktuell? Und wie big wird Big Data noch? Haben Sie ein paar anschauliche Kennzahlen für uns, die das Datenwachstum in unserer Gesellschaft beschreiben?

Dr. Rolf Werner: Nicht zuletzt aufgrund des Internets der Dinge wächst das Datenvolumen weiter explosionsartig an. Unabhängige Analystenhäuser wie IDC prognostizieren in ihrer neuesten Studie mehr als 160 Zettabyte an generierten Daten im Jahre 2025 – also das Zehnfache an Daten, die bis zum Jahr 2016 generiert worden sind. Zur Verdeutlichung: Dies entspricht fast 500 Millionen Mal dem derzeitigen Film- und Serienangebot bei NETFLIX Die jährliche Wachstumsrate aller Daten zwischen 2015 und 2025 liegt insofern bei guten 30 Prozent. Im Jahr 2025, so prophezeit die Studie, wird die Welt tatsächlich in ein regelrechtes Datenzeitalter eingetreten sein: Demnach sollen drei Viertel der Weltbevölkerung vernetzt sein. Der durchschnittlich vernetzte Mensch wird dann pro Tag stolze 4800-mal in irgendeiner Form mit vernetzten Geräten interagieren. Big Data ist groß und wird noch größer. Unser Anliegen ist daher, das stetig wachsende Datenvolumen in die methodischen Bahnen eines effektiven Datenmanagements zu lenken und über Jahre hinweg weiter wachsende IT-Infrastrukturen mit ganzheitlichen Lösungen zu vereinfachen.

Woran hapert es, dass Big Data oftmals nicht zu Smart Data wird?

Jörg Hesske: Häufig werden Daten blindlings in sogenannten Silos gespeichert bzw. archiviert und erst hinterher beginnen die Überlegungen, wie man sie vielleicht nutzen kann. Doch das ist der falsche Ansatz. Wenn ein Konzept zur smarten Datenarchivierung erstellt wird, sollte bereits im Vorfeld überlegt werden, welche Fragen später mit Hilfe der Daten beantwortet werden sollen. Darauf aufbauend kann dann bestimmt werden, welche Daten (automatisiert) wie abgelegt werden, um sie später effizient auswerten zu können. Das eigentlich „Smarte“ sind dann die Menschen, die die richtigen Fragen stellen, um hilfreiche Auswertungen zu bekommen und die Ingenieure, die den Maschinen die richtigen Algorithmen zur Verfügung stellen, um diese Fragen beantworten zu können.

Wie up-to-date Ist Deutschland Ihrer Meinung nach beim Thema Big beziehungsweise Smart Data? Gibt es bestimmte Branchen/Bereiche, in denen die ungenutzten Potentiale besonders signifikant sind?

Dr. Rolf Werner: Themen wie Digitalisierung und Big Data sind in aller Munde. Wir sprechen mittlerweile nicht mehr von einem Hype, sondern wir stecken mitten in diesem globalen Prozess der Digitalen Transformation – und das branchenübergreifend. Der Prozess ist enorm schnell. Jedoch haben derzeit nur wenige Firmen eine umfassende Digitalisierungsstrategie oder einen genauen Plan, wie ihre Unternehmens-IT künftig aussehen soll. Dabei müssen sich die IT-Verantwortlichen die Frage stellen, ob ihre IT agil genug ist und ob sie den sehr dynamischen Businessanforderungen entspricht. Weiterhin ist bei vielen Unternehmen – und insbesondere bei Einrichtungen der Öffentlichen Hand – die Cloud-Strategie noch ungeklärt. Welche Daten kommen in welche Cloud und welche bleiben im eigenen Haus? Sollen beispielsweise Prozesse mit Hilfe von Deep Learning automatisiert werden? Oder liegen Konzepte vor, wie Mitarbeiter in Transaktionen integriert werden? Dies sind Fragen, die wir aufgrund des stetig wachsenden Datenvolumens mittels einer effektiven Datenmanagement-Strategie gemeinsam mit unseren Kunden beantworten und im Rahmen des Unternehmens-IT-Konzepts strategisch umsetzen wollen. Deutsche Unternehmen sind hier kulturell bedingt häufig noch sehr abwartend – und dies, obwohl sie die Potenziale von Smart Data und die Notwendigkeit, diese zu nutzen, erkannt haben. Hier besteht in der Tat teilweise Nachholbewarf im internationalen Vergleich.

Und wenn das Datenmanagement meines Unternehmens aktuell up-to-date ist: Wie lange kann ich auf diese Strategie vertrauen? Wie lang oder kurz ist der Innovationszyklus im Data Management?

Jörg Hesske: Wir sprechen dann von einem zukunftssicheren Datenmanagement, wenn beispielsweise die IT-Infrastrukturen eines Unternehmens auf die exponentiell steigenden Anforderungen schnell reagieren können. Dies benötigt eine Data Fabric, um digitale Informationen unabhängig von Bereitstellungsmodellen wie Public-, Private-, Hybrid-, und Hyperscale-Clouds vorzuhalten und als Ideengeber für das produktive Geschäft zu nutzen. Diese Flexibilität ist ein gewichtiger Wettbewerbsvorteil, ebenso wie unternehmensweit – oder sogar global – aufgesetzte Prozesse, die sowohl Partner als auch andere Eco-Systeme integrieren. Eine so gestaltete und mit Technologie unterfütterte Datenstrategie bleibt lebendig und damit up-to-date. Wenn wir uns die Innovationszyklen anschauen, gibt es Unterschiede gemäß der Implementierungshürde und disruptiven Qualität. Beispielsweise stellt sich derzeit die die Frage nach der Gestaltung von künftigen Datenplattformen, wobei neue Technologien wie Micro Services oder Blockchain eine Rolle spielen. Solch grundlegende strategische Ansätze sind viele Jahre prägend. Dagegen sind die Innovationszyklen auf Prozessebene, also für bereits eingeführte Technologien, deutlich kürzer.

Smarten Daten müssen auch die richtigen Fragen gestellt werden. Wie kann ich sicherstellen, dass in meinem Unternehmen Fragen positionsübergreifend gestellt werden? Also: Wie kriege ich „Smart Data-Kultur“ in mein Unternehmen?

Dr. Rolf Werner: Um eine Smart Data Kultur in Unternehmen zu entwickeln, sollte vorher die Frage nach der künftigen Gestaltung einer digitalen Unternehmens-IT beantwortet werden. Wie soll sie eigentlich aussehen? Welche Aufgaben übernehmen dabei die Menschen? Sollen sie den kreativen, sozialen und kommunikativen Part übernehmen, während beispielweise Maschinen die Umsetzung überlassen wird? Wir sprechen hier von einer langfristigen Automatisierung von Prozessen, die jederzeit angepasst werden können. Dabei sollen Menschen keine Angst haben, sondern bereit sein, neue Einsatzbereiche für sich zu entdecken und spannende Aufgaben zu übernehmen. Künftig wird neben der einfachen deterministischen Welt eine komplexe Welt der Maschinen vorhanden sein. Beide Welten werden miteinander kommunizieren und Entscheidungen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten treffen. Entscheidungen ohne solide Datenbasis aus dem Bauch heraus werden damit der Vergangenheit angehören. Die Zukunft wird daher mittels smarter Daten datengetrieben sein. Daraus ergibt sich automatisch eine Smart Data-Kultur.

Wie funktioniert die Smart-Data-Partnerschaft von NetApp und Fujitsu? Welche Expertise greift da Hand in Hand?

Jörg Hesske:  Gemeinsam entwickeln Fujitsu und NetApp seit fast 20 Jahren in enger Partnerschaft branchenübergreifende gemeinsame Angebote für unsere Kunden. Die NetApp Lösungen wie SolidFire, FAS und All-Flash A-Series sind eine perfekte Ergänzung zum Portfolio von Fujitsu – vor allem um bei verschiedenen Datenmanagement-Anforderungen die richtige Technologie anbieten zu können. Die Kombination von Servern, über Storage und Netzwerkkomponenten bis hin zu Komplettlösungen wird durch ganzheitliche Service-Angebote sowie durch die Anbindung an die Fujitsu Cloud (Hybrid IT) ergänzt. Das jüngste Beispiel der langjährigen Kooperation ist die neue konvergente Infrastrukturlösung „NFLEX“, die aus Fujitsu Servern und NetApp Data Management besteht. Zur Verbesserung der Produktqualität und zur Auslieferung neuer Produkte führen wir – Fujitsu und NetApp – gemeinsame Engineering-Aktivitäten durch. So profitieren unsere Kunden von einem kompetenten Team und komplementärem Know-how.

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