Made in Germany goes Iran – Interview mit #hbIran Keynote-Speaker Tom Blades


Made in Germany goes Iran

Wie bekommt ein deutsches Unternehmen an Aufträge im Iran? Und was schätzen Iraner an Made in Germany? Tom Blades, Vorstandsvorsitzender bei Bilfinger, verrät seine Iran-Insights im Interview.

Herr Blades, wann waren Sie zum ersten Mal im Iran? Was sollte sich kein Iran-Besucher entgehen lassen?

Ich habe von 1984 bis 1986 im Iran gelebt. In diese Zeit fiel der Krieg mit dem Irak. Mein damaliger Nachbar war übrigens Volker Schlegel, den ich jetzt auf der Iran-Konferenz wiedersehe. Das Land verfügt über ein reiches kulturelles Erbe und ist auf der Welterbeliste der UNESCO vielfach vertreten. Ich empfehle einen Besuch der altpersischen Palaststadt Persepolis nahe der Stadt Schiras.

Der Iran wird eine der größten Raffinerien des Landes erweitern, Bilfinger wird dafür das gesamte Prozessleitsystem liefern. Wie kam es zu dem Auftrag?

Wir haben eine lange geschäftliche Tradition im Iran, nach dem Ende des Embargos knüpfen wir jetzt daran an. Auf der Iran Oil Show in Teheran hatten wir im Mai dieses Jahres intensiv über den möglichen Auftrag gesprochen. Im Juli konnten wir dann bereits die Verträge unterzeichnen. Wie immer bei Auftragsverhandlungen haben wir auch in diesem Fall alle Compliance-Aspekte sorgfältig geprüft. Wir gehen dabei nach einer umfangreichen Check-Liste vor.

Wie geht Bilfinger die Zusammenarbeit mit den iranischen Vertragspartnern an?

Partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Unsere Ansprechpartner auf iranischer Seite sind hochqualifizierte Fachleute. Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir werden das vereinbarte Prozessleitsystem in Deutschland planen, bauen und dann in den Iran verschiffen.

Werden iranische Arbeitskräfte an dem Projekt beteiligt sein?

Ja, im Zuge der Integration des Systems vor Ort. Das ist unseren iranischen Geschäftspartnern auch ein besonderes Anliegen. Der Iran verfügt über gut ausgebildete, motivierte Fachkräfte. Und diese wollen und sollen bei verschiedenen Modernisierungsprojekten sinnvoll eingebunden werden.

Auf der Handelsblatt-Konferenz Iran sprechen Sie zu dem Thema Made in Germany goes Iran. Welchen Stellenwert hat das Attribut Made in Germany am iranischen Markt?

Qualität made in Germany hat einen sehr hohen Stellenwert. Es ist ein Gütesiegel, das hält, was es verspricht. Rund 30 Prozent der industriellen Infrastruktur im Iran stammen laut Schätzungen aus deutscher Produktion. Das sind gute Voraussetzungen, auch wenn der internationale Wettbewerb hart ist.

Und wie schätzen Sie die zukünftigen Marktchancen der deutschen Industrie im Iran ein?

Uns muss bewusst sein, dass der Iran eine entwickelte Volkswirtschaft ist, die in hohem Maße auf Modernisierung im Bestand setzt. Dabei geht es um Effizienzsteigerung und Umwelttechnologie, aber auch um Wertschöpfungstiefe. Wir müssen dabei als Kooperationspartner auftreten.

 

Tom Blades ist Keynotespeaker bei der Handelsblatt-Konferenz IRAN am 6. und 7. Dezember in Berlin.