Die bekanntesten deutschen Firmeninsolvenzen der letzten 10 Jahre


Man stopping domino effect on wooden table

Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist deutschlandweit in den letzten Jahren stetig gesunken und hat 2016 ein Rekordtief erreicht. Trotzdem tauchen immer wieder namhafte Firmen in aktuellen Insolvenzbekanntmachungen auf. Auch die bekanntesten Insolvenzfälle der letzten Dekade laufen entweder noch oder bleiben, dank ihrer interessanten Verläufe und eindrucksvollen Zahlen, weiterhin in Erinnerung.
Doch welche Insolvenzen der letzten Dekade sind die bekanntesten in Deutschland?

Deutsche Firmeninsolvenzen erreichen Rekordtief

Laut einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Bürgel belief sich die Anzahl der Firmeninsolvenzen im Jahr 2016 auf 21.789 Fälle und erreichte somit den niedrigsten Stand seit 1994. Trotzdem werden Insolvenzverfahren immer komplexer, so dass Insolvenzrechtler, Gläubiger und Schuldner sich weiter intensiv über die aktuellen Entwicklungen informieren müssen. Aktuelles Beispiel dafür ist die Mode- und Textilbranche, in der sich im letzten Jahr u.a. für Unternehmen wie Steilmann, Sinn-Leffers, Promod Deutschland, Zero Clothing und Rudolf Wöhrl der Gang zum Insolvenzgericht nicht vermeiden ließ. Auch die Agrarwirtschaft blieb 2016 nicht verschont, denn mit KTG Agrar und German Pellets eröffneten zwei große deutsche Agrarunternehmen ebenfalls ihre Insolvenzverfahren. Weitere Fälle aus anderen Branchen sind zudem die Großbäckerei Kronenbrot, die Schnigge Wertpapierhandelsbank oder der Reiseportalbetreiber Unister.
Einige Insolvenzfälle, die die deutsche Wirtschaft bereits vor 2016 bewegt haben oder es noch immer tun, zeigen die folgenden Beispiele:

Großdruckerei Schlott

Im Jahr 2011 wurde für die Schlott Gruppe AG, die sich vorher bereits in einem intensiven Restrukturierungsprozess befand, das Insolvenzverfahren beantragt. Unter Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Siegfried Beck wurden anfangs drei Unternehmensbereiche verkauft, beispielweise jener, der für den Druck der Fussballzeitung Kicker zuständig war. Die Übernahme erfolgte, u.a. durch Burda. Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Bernd Rose übernahm einen Teil des Unternehmens mit seiner neu gegründeten Rose Druck GmbH. Der Schlott Hauptsitz in Freudenstadt wurde Ende 2011 komplett ausverkauft und stillgelegt.

Textilhersteller Schiesser

Im Februar 2009 wurde für den Unterwäsche-Konzern das Insolvenzverfahren eröffnet. Im Dezember des gleichen Jahres hatte die Firma, nach Absetzen des verlustreichen Lizenzgeschäftes, wieder Aussicht auf schwarze Zahlen. Nach einer zunächst geplanten und dann gescheiterten Übernahme von Wolfgang Joop und seinem Unternehmen Wunderkind, wurde Schiesser an das israelische Unternehmen Delta Galil verkauft. Durch das so eingebrachte Kapital konnten die Schulden in Höhe von circa 58 Mio. Euro beglichen werden.

Schlecker Drogeriemärkte

Die Drogerie-Riese meldete vor fünf Jahren Insolvenz an. 27.000 Beschäftigte waren von der Firmenpleite betroffen, die Forderungen der Gläubiger beliefen sich auf rund eine Milliarde Euro. Bis heute warten ehemalige Mitarbeiter auf neue Jobs und Gläubiger auf ausstehende Zahlungen – der Prozess wird sich noch Jahre ziehen. Aktuell sollen, nachdem nichts anderes mehr bleibt, die Markenrechte von Schlecker verkauft werden. Es scheint jedoch schwer zu fallen, einen Käufer für diese zu finden.

Praktiker Baumarkt

Die Praktiker AG verkündete im Juli 2013 die Eröffnung ihres Insolvenzverfahrens. Bereits zwei Monate später startete Insolvenzverwalter Christopher Seagon aus Mangel an Investoren zur Erhaltung des Unternehmens die vollständige Liquidation. Einzelne Filialen wurden unter anderen Marken, u.a. Bauhaus, weitergeführt – der Großteil des Filialnetzes wurde jedoch geschlossen. Praktiker-Tochter Max Bahr wurde nach einem gescheiterten Verkauf an die Globus Handelskette Ende 2013 zerschlagen. Da für ausländische Praktiker-Filialen verschiedene neue Investoren und Betreiber gefunden wurden, bleibt die deutsche Praktiker-Konzernzentrale bis heute bestehen.

Arcandor (Karstadt/Primondo/Quelle)

Im Juni 2009 erhielt das Amtsgericht Essen den Insolvenzantrag für die Arcandor AG und deren Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle. Horst Piepenburg wurde als Insolvenzverwalter bestimmt und trat bereits einen Monat später wieder von dieser Aufgabe zurück – Grund waren Unstimmigkeiten mit Arcandors größtem Aktionär Sal. Oppenheim. Daraufhin folgte der Verkauf von den Unternehmensbereichen Thomas Cook und Quelle. Nachdem die Warenhauskette zunächst an den deutschen Investor Nicolas Berggruen verkauft wurde, erfolgte im August 2014 die Übernahme durch Signa Holding. Einzelne deutsche Filialen wurden von anderen Unternehmen erworben. Die Karstadt Premium GmbH, die das Berliner KaDeWe, den Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg umfasste, wurde umfirmiert und ein Großteil der Anteile ging an die thailändische Central Group.

Prägt die Digitale Transformation zukünftige Insolvenzen?

Der Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart lässt zunächst auf eine positive Entwicklung der Insolvenzfälle in der deutschen Wirtschaft schließen. Trotzdem stellt sich für die Zukunft eine entscheidende Frage: Werden deutsche, besonders mittelständische, Unternehmen den Anschluss an die weiter fortschreitende Digitale Transformation verpassen? Sollte dies der Fall sein, so würde sich der daraus entstandene Digitalisierungsrückstand maßgeblich auf die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland auswirken. Dementsprechend gilt es für Insolvenzverwalter und Restrukturierer, die digitale Entwicklung deutscher Unternehmen weiterhin genau im Blick zu behalten.


Treffen Sie das Who is Who der Insolvenzverwalter und diskutieren Sie aktuelle insolvenzrechtliche Themen im Expertenkreis bei der 9. Handelsblatt Jahrestagung Symposium Insolvenzrecht am 26. und 27. September 2017 in Düsseldorf.

Zur Anmeldung