Patientennutzen im Fokus


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Alexander Beyer
Geschäftsführer der gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH

Mit der Telematikinfrastruktur (TI) vernetzt die gematik das deutsche Gesundheitswesen digital und sektorenübergreifend. Das stärkt die Qualität, erhöht die Transparenz und verbessert die Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung. Medizinische Daten können künftig zwischen Praxen und Krankenhäusern schnell und vor allem sicher ausgetauscht werden. Der Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologie sorgt für höchstmögliche Sicherheit in der Datenübertragung.

Viele Patienten werden heute von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen, in Krankenhäusern, von Physio- und Psychotherapeuten sowie anderen Heilberuflern betreut. Dabei kommt es immer wieder zu Informationsbrüchen an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung oder zwischen den unterschiedlichen Institutionen: Wichtige, für die medizinische Behandlung notwendige Informationen liegen dadurch oftmals gar nicht oder nur lückenhaft vor.

Um dem steigenden Bedarf nach einer einrichtungs- und fallübergreifenden elektronischen Patientenakte gerecht zu werden, gibt es bereits verschiedene Lösungsansätze, die ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt haben. Um diese über die TI bundesweit zur Verfügung stellen zu können, müssen diese technisch einheitlichen Standards entsprechen und von der gematik zugelassen sein. Das hat der Gesetzgeber in §291a Sozialgesetzbuch V rechtlich verankert.

Elektronische Patientenakte: interoperabel und sicher
Basierend auf ihrem gesetzlichen Auftrag arbeitet die gematik gemeinsam mit ihren Gesellschaftern unter anderem auch intensiv daran, die erforderlichen Voraussetzungen für eine bundesweit verfügbare elektronische Patientenakte zu schaffen. Ziel ist es, Ende 2018 zulassungsbereit für Industrieunternehmen zu sein.

Im Fokus steht dabei eine einfache Handhabung durch Versicherte und Heilberufler. So sollen etwa Ärzte aus der Oberfläche ihres Primärsystems auf die Akten aller Patienten einheitlich zugreifen können. Das stellt sicher, dass alle für eine medizinische Behandlung relevanten Informationen schnell und zuverlässig vorliegen, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Doppeluntersuchungen können vermieden und Informationen zur Behandlungshistorie mit geringem Aufwand genutzt werden. Das wird Versorgungsprozesse optimieren und die Transparenz der Patienten über die eigene Behandlung erhöhen.

Als freiwillige Anwendung stärkt die elektronische Patientenakte das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Patienten. Erstmalig erhält der Patient Einblicke, welche Daten über ihn gespeichert sind. Er bekommt zudem Kenntnisse darüber, wer auf seine Daten zugreift. Der Patient kann darauf vertrauen, dass die gematik bei der elektronischen Patientenakte die gesetzlichen Vorgaben des Datenschutzes und der Datensicherheit umsetzt.

Datenhoheit liegt beim Patienten
Um die Patientenrechte und -souveränität zu wahren, entscheidet der Versicherte eigenverantwortlich, ob überhaupt und welche medizinischen Daten gespeichert oder gelöscht sowie von wem diese gelesen und genutzt werden dürfen. Die Datenhoheit liegt stets in der Hand des Versicherten. Als „mündiger Patient“ soll er seine Rechte gegenüber allen beteiligten Akteuren selbständig vertreten und durchsetzen können. Erst mit dem Einverständnis des Versicherten erhält der Heilberufler Einsicht in die elektronische Patientenakte.

Eine bundesweit verfügbare elektronische Patientenakte wird dazu beitragen, das Gesundheitswesen effizienter und nachhaltiger zu gestalten und zugleich den Schutz sensibler medizinischer Daten sicherzustellen.