Arzneimittelforschung ist heute Teamarbeit


Dr. Michael von Poncet

Dr. Michael von Poncet, Medizinischer Direktor und Mitglied der Geschäftsführung Janssen Deutschland

Neue Medikamente haben unsere Lebensqualität und Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert. Eine HIV-Diagnose war vor einigen Jahren noch ein Todesurteil. Heute können die Patienten dank moderner Therapien Jahrzehnte lang nahezu beschwerdefrei mit ihrer Erkrankung leben.

Die Sterberate bei Herz- und Gefäßkrankheiten ging zwischen 1999 und 2009 um ein Drittel zurück. Und Hepatitis C, die bis vor kurzem nur schwer und langwierig behandelbar war, kann in über 90 Prozent der Fälle in meist wenigen Monaten geheilt werden.

Ebola Virus

Weltweit arbeiten Forscher an Impfstoffen und Therapien gegen das Ebola-Virus.

Trotz erheblicher Fortschritte werden die Herausforderungen jedoch nicht kleiner: Von den rund 30.000 bekannten Krankheiten ist bisher nur ein Drittel gut behandelbar. Ausbrüche wie jüngst von Zika und Ebola führen uns deutlich vor Augen, dass wir längst noch nicht für alles eine Lösung haben. Der Bedarf an innovativen Medikamenten und Therapien ist also weiterhin ungebrochen.

Wie aber finden wir neue Wirkstoffe oder Therapieansätze? Viele Menschen haben das Bild des einzelnen genialen Forschers im Kopf, der wie einst Alexander Fleming oder Konrad Röntgen quasi im Alleingang eine sensationelle Entdeckung macht. Doch auch, wenn es ein bisschen schade um die schönen Heldengeschichten ist: Diese Zeiten sind vorbei. Unser Wissen ist seit (und dank) jenen Entdeckern exponentiell gewachsen. Jedes wissenschaftliche Fachgebiet ist heute hoch spezialisiert. Gleichzeitig sind die Disziplinen enger denn je miteinander vernetzt. Dieser Komplexität kann sich kein Unternehmen im Alleingang stellen.

Forschung funktioniert heute am besten in Kooperation

Pharmaunternehmen sollten sich zunehmend stärker vernetzen, austauschen und mit externen Partnern zusammenarbeiten – mit Forschern, Hochschulen, Start-ups, Biotechnologieunternehmen oder Investoren. Denn nur wer die Kompetenzen vieler bündelt, kann aus einer vielversprechenden Idee schnellstmöglich eine marktreife Therapielösung entwickeln und den Patienten zugutekommen lassen.

In einer Studie von PwC gaben 96 Prozent der befragten Führungskräfte aus der Pharmabranche auch an, dass ihre Unternehmen mit Partnern zusammenarbeiten wollen. Tatsächlich entwickelt laut eigenen Angaben aber nur rund ein Drittel  innovative Produkte und Dienstleistungen bereits gemeinsam mit Partnern. Hier besteht also Potenzial zu stärkerer Vernetzung.

 

Geburtshelfer und Paten für frische Ideen

Bei Janssen haben wir bereits zahlreiche, erfolgreiche Erfahrungen mit weltweiten Forschungs-Kooperationen. Dafür haben wir das Netzwerk von Johnson & Johnson Innovation aufgebaut, das die besten Ansätze identifiziert und für den Patienten nutzbar macht. Eine Sache, die wir dabei gelernt haben: Zusammenarbeit funktioniert am besten auf Augenhöhe und wird noch intensiver, wenn die Beteiligten tatsächlich räumlich zusammen kommen. Deshalb kommen in unseren speziell dafür eingerichteten Innovationszentren weltweit unsere Experten mit (potenziellen) Kooperationspartnern zusammen. Gemeinsam kombinieren sie Ressourcen, Ideen und Technologien, um Innovationen den Weg zu ebnen.

Gerade Biotechnologie-Start-ups bereichern die Pharmaforschung mit frischen Ideen und Innovationsgeist. Individuelle Förderung durch erfahrene Partner vor Ort hilft oftmals, das Potenzial zu entfalten. Das leisten wir gerne. Wir stellen zum Beispiel Labore und Materialien zur Verfügung, wenn wir von einer Idee oder einem Team überzeugt sind. Wir unterstützen Start-ups dabei, die langen Entwicklungsphasen samt klinischen Studien zu durchlaufen, bis ein Produkt im besten Falle sogar zur Marktreife gelangt.

Dabei sind wir weniger daran interessiert, einfach nur Lizenzen einzukaufen. Wir halten uns an das Motto unseres globalen Forschungschefs Paul Stoffels: „Keep the innovation with the innovator“. Wir möchten nicht Teile rauskaufen, sondern ein vielversprechendes Molekül gemeinsam mit der Leidenschaft und dem Know-how des Entwicklers fördern.

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Johnson & Johnson hat verschiedene innovative Akzelerator- und Inkubator-Modelle aufgebaut – für die größtmögliche Nähe zu Start-ups und Forschungspartnern.

Die nächste große Idee kann von überall kommen. Unsere Aufgabe ist es, sie aufzuspüren und ihre Entwicklung zu ermöglichen. Letztendlich spielt es keine große Rolle, wo sie ihren Ursprung hatte. Was wirklich zählt, ist die Entstehung eines Medikaments, welches Menschen heilt, Leiden lindert oder Lebenszeit schenkt. Es erfüllt uns mit Stolz, mit den besten Partnern zusammen an den Therapien von morgen zu forschen.