Stromnetz trifft Digitalisierung | #HBEnergie-Experteninterview mit Axel Kießling


Titelbild: Stromnetz trifft Digitalisierung | #HBEnergie-Experteninterview mit Axel Kießling

Als Leiter Corporate Digital Transformation (Germany) beim Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO arbeitet Axel Kießling daran, unsere Stromnetze fit zu machen für die Zukunft. Dabei spielt die Analyse von Echtzeitdaten über Erzeugung und Verbrauch eine entscheidende Rolle.

Was die Digitalisierung für unsere Stromnetze bedeutet, verrät Ihnen Axel Kießling in seinem Vortrag beim Future Leader Program. Das Programm richtet sich an die zukünftigen Top-Entscheider der Energiebranche und zeigt auf, womit sich die Führungskräfte von morgen beschäftigen werden. Das Event ist Co-Located zu Deutschlands etabliertem Strategie-Gipfel, der „25. Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft“ und findet am 24. und 25. Januar 2018 in Berlin statt.

#HBEnergie-Experteninterview mit Axel Kießling

Herr Kießling, welche aktuelle Entwicklung stimmt Sie im Hinblick auf die Zukunft der Energiebranche besonders positiv?
Die Erzeugung aus den Erneuerbaren ist in den vergangenen Jahren einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Das ist sehr gut für die Nachhaltigkeit, erfordert aber für die Markt- und Systemintegration der Erneuerbaren Energien industrieübergreifende Ansätze. Daten als auch ein flexibles Angebots- und Nachfrageverhalten nach Strom werden hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Dies eröffnet die Chance für die Energiebranche, neue Wege der Zusammenarbeit mit anderen Industrien einzugehen, zum Beispiel die Einführung der Elektromobilität gemeinsam mit der Automobilindustrie zu gestalten. Auch der Endverbraucher, der vom Energiekonsumenten zum Prosumer wird, weil er Energie nicht nur verbraucht, sondern auch erzeugt, spielt eine maßgebliche Rolle bei dem Gelingen der Energiewende.

Welche Geschäftsmodelle haben aus Ihrer Sicht in den kommenden fünf bis zehn Jahren das größte Erfolgspotential?
Als Stromübertragungsnetzbetreiber werden unsere klassischen Aufgaben bleiben, also Planung, Bau und die Instandhaltung des Höchstspannungsnetzes, Sicherstellung des Gleichgewichts zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch und Gewährleistung eines funktionierenden Energiemarktes. Aber die Energiewende stellt uns vor neue Herausforderungen bei der Integration der Erneuerbaren. Um das Netz mit mehr Erneuerbaren sicher zu betreiben und die Netzkosten für die Volkswirtschaft stabil zu halten, werden Erzeugungs- und Verbrauchsdaten in Real-Time einen entscheidenden Beitrag leisten. Damit können wir die Auslastung der Netze erhöhen und die Erschließung neuer Stromflexibilitätspotentiale effizient gewährleisten.

Wird Digital Natives in (Energie-)Unternehmen genügend Gehör geschenkt?
Für TenneT kann ich das bejahen. Das zeigen schon unsere Pilotprojekte, die auch für die Energiebranche wegweisend sind, etwa unsere Blockchain-Projekte. Was die Branche insgesamt betrifft, denke ich, dass sich die Überzeugung, dass Digitalisierung Unternehmen einen entscheidenden Vorteil bei der Erreichung der Geschäftsziele bringen kann und nicht nur eine Modeerscheinung ist, langsam durchsetzt. Die Umsetzung braucht Zeit; Digitalisierung ist ein Prozess. Und dabei sollten die Mitarbeiter einbezogen werden. Und: Die Akzeptanz der Digitalisierung gelingt am besten, wenn erste Pilotprojekte beweisen, dass Probleme gelöst werden können. Das ist die beste Motivation. Nur mit langen theoretischen Konzepterarbeitungen gelingt Digitalisierung nicht.

Lassen Sie uns ein wenig „Bullshit Bingo“ spielen. Welche drei Plattitüden im Zusammenhang mit der Digitalisierung können Sie nicht mehr hören?
Die Digitalisierung ist für meine Branche nicht relevant.
Wir können mit der Digitalisierung noch warten, schauen wir mal ob andere Unternehmen Erfolg haben.
Digitalisierung betrifft nur die IT in einem Unternehmen.