Jahrestagung 2019

Grusswort

Es ist Zeit zu handeln.

In der Energie- und Klimapolitik haben sich die Vorzeichen geändert: Nach einer Phase, in der der Staat der wesentliche Akteur der Energiewende war und die Branche die Veränderung eher verlangsamen wollte, ist es nun genau umgekehrt. Politische Maßnahmen laufen nur langsam an, langwierige Diskussionen sorgen dafür, dass die Kraft für einen echten Neuanfang fehlt.

Noch immer hinkt Deutschland im Klimaschutz hinterher. Der Netzausbau kommt nicht voran. Zwar hatte die Große Koalition Sonderausschreibungen für je vier Gigawatt Onshore-Windenergie und Photovoltaik in Aussicht gestellt, aber vor der Sommerpause ist damit nicht zu rechnen. Und dass die Arbeit der „Strukturwandelkommission“, die ein Konzept für den Kohleausstieg erarbeiten soll, in den kommenden Monaten reibungslos abläuft, ist kaum zu erwarten. Statt die Digitalisierung zu beschleunigen, hält die Politik an überholungsbedürftigen Konzepten wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und einer komplizierten Strompreisregulierung fest.

All diese Entwicklungen bremsen die Weiterentwicklung der Branche in einer Zeit, in der Europa stärker unter geopolitischen Druck gerät. Staatliche Symbolpolitik hilft da nicht – sie hindert.

Doch es gibt auch einen positiven Trend: Technologie und veränderte Kundenbedürfnisse lösen Politik als wesentlichen Motor von Veränderungen zunehmend ab. Dank datengetriebener Geschäftsmodelle können Unternehmen heute Nachfrage und Angebot in nie dagewesener Weise zusammenbringen. Nun ist es an den Anbietern zu handeln.

Daher konzentriert sich der Handelsblatt Energie-Gipfel auf die Chancen, die sich aus den Entwicklungen bei Technologien und Kundenbedürfnissen ergeben. Wir wollen den politischen Aspekt aus der Perspektive diskutieren, wie regulatorische Hemmnisse sinnvoll und sozialverträglich abgebaut werden können, damit noch mehr Dynamik in der Branche entsteht.

Wir freuen uns auf spannende und kontroverse Diskussionen hierzu mit Ihnen auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel.

Klaus Stratmann Prof. Marc Oliver Bettzüge

Klaus Stratmann, stv. Leiter Hauptstadtbüro, Handelsblatt
Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, Direktor, Energie wirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln