Energieerzeugung der Zukunft – es geht um mehr als den Kohleausstieg


Interview mit Dr. Marie-Luise Wolff

Dr. Marie-Luise Wolff zählt zu den Befürwortern des Kohleausstiegs. Trotzdem gehört für die ENTEGA-Chefin und BDEW-Präsidentin zu einer wirkungsvollen Emissionsminderung deutlich mehr, als nur ein schnelles Ende der Braun- und Steinkohlekraftwerke.

Dr. Marie-Luise Wolff ist Vorsitzende des Vorstands der ENTEGA AG und Präsidentin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). In ihrer Keynote beim Handelsblatt Energie-Gipfel Januar 2019 in Berlin wird sie unter anderem über zentrale Fragen der zukünftigen Erzeugungslandschaft, wie Klimaschutz, Versorgungs- und Preissicherheit sowie Strukturwandel sprechen.

Interview Dr. Marie-Luise Wolff

Was erwarten Sie von der neu eingesetzten Kohle-Kommission?

Sie heißt ja nicht „Kohlekommission“, sondern „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“. Es geht also um mehr als den Kohleausstieg. Ich erwarte, dass von der Kommission ein tragfähiges Ergebnis in Sachen ´Energieerzeugung der Zukunft´ erarbeitet wird. Ein Ergebnis, das sowohl dem Strukturwandel, als auch der Versorgungssicherheit und natürlich ganz wesentlich auch den deutschen Klimaschutzzielen Rechnung trägt.

Frau Dr. Wolff, Sie plädieren für einen Kohleausstieg, der zu den Klimazielen passt. Was heißt das konkret?

Es geht nicht darum, irgendwelche Jahreszahlen zu nennen, es geht um Klarheit über den Weg, und damit auch um Investitionssicherheit. Bisher haben wir in Vieles gleichzeitig investiert, in Kohlekraftwerke-, erneuerbare Erzeugung, Gaskraftwerke etc., und wir haben damit Überkapazitäten geschaffen und Geld vernichtet. Das kann und wird unsere Branche nicht noch einmal tun. Die Fragen der zukünftigen Erzeugungslandschaft müssen jetzt viel schärfer und klarer gefasst werden, im Einklang mit Klimaschutz und Preissicherheit.

Durch einen Leak ist öffentlich geworden, dass die Bundesregierung ihre Klimaziele für 2030 sehr wahrscheinlich verfehlen wird. Kommt der Kohleausstieg zu spät?

Jedenfalls ist es jetzt Zeit zu handeln – nicht nur in Sachen Kohle. Zur wirkungsvollen Emissionsminderung gehört deutlich mehr: allen voran ein modernes, progressives Verkehrs- und Mobilitätskonzept. Der Gebäudebereich bietet ebenfalls noch enormes Potential. Hier muss die Bundesregierung zügig tätig werden.

Allein in NRW fallen nach Gewerkschaftsschätzungen durch den Kohleausstieg rund 50.000 Jobs weg. Kann ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren diese Lücke schließen?

Strukturwandel ist sicherlich keine eindimensionale Angelegenheit – damit hat man gerade in Nordrhein-Westfalen nach dem Ausstieg aus der Steinkohle und der gewaltigen Reduktion der Stahlproduktion ja eine gewisse Erfahrung. Der Ausbau der Erneuerbaren wird die wegfallenden Stellen sicherlich nicht eins zu eins ersetzen können. Auch hier setze ich auf die fundierte Arbeit der Kommission. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber grundsätzlich gab es volkswirtschaftlich schon schlechtere Voraussetzungen für einen Strukturwandel als sie angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland heute sind.