Digitalisierung treibt Umbau der Energiesysteme an | #hbenergie-Expertenbeitrag von Norbert Schwieters (PwC)


Digitalisierung treibt Umbau der Energiesysteme an | #hbenergie-Expertenbeitrag von Norbert Schwieters (PwC)

Norbert Schwieters, Partner, Global Energy, Utilities & Mining Leader, PwC AG WPG

Wind-, Solar- und Wasserkraft werden bis 2040 die Energieerzeugung weltweit dominieren. Davon ist die Mehrheit von 350 internationalen Energieexperten überzeugt, die für die Studie Delphi Energy Future 2040 befragt wurden. Die Studie wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) initiiert. Sie macht deutlich, dass die Digitalisierung den radikalen Umbau der Energiesysteme überhaupt erst möglich macht.

Delphi Energy Future 2040 wagt den Blick über den Tellerrand: Die Studie nimmt die langfristigen Veränderungen im Energiesektor weltweit unter die Lupe und zeigt Szenarien über die Zukunft der Energiesysteme auf. Sie geht damit viel weiter als sonst übliche Untersuchungen, die sich meist auf einzelne Aspekte oder Länder beschränken. Delphi Energy Future 2040 stellt mögliche Entwicklungen in der Zukunft dar, die Unternehmen, aber auch die Politik bei ihren Planungen berücksichtigen können. Denn gerade auch Energieversorger und Stadtwerke stehen vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle in einem von Unsicherheit und Wandel geprägten Umfeld schon jetzt zukunftstauglich aufzustellen.

Energie wird in Zukunft dezentral erzeugt

Geht es nach der Einschätzung von Energieexperten werden sich die Energiesysteme bis 2040 grundlegend verändern: Die bisher stark zentral organisierte Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen wird von einem dezentralen System auf Basis erneuerbarer Energien abgelöst. Obwohl sich die Energienachfrage verdoppeln wird, geht das Interesse an Strom, Kohle und Gas stark zurück. Die Experten gehen davon aus, dass die Energiewende nicht auf Deutschland beschränkt bleibt. Ein wichtiger Meilenstein ist das Umdenken in China und Indien, denn auch diese Länder werden in Zukunft konsequent auf umweltfreundliche Energien setzen. Die Sogwirkung ist enorm: China wird sich als weltgrößter Exporteuer und Entwickler nachhaltiger Lösungen etablieren.

Massiver Schub durch Speichertechnologien

Auch in einem weiteren Punkt ist sich eine Mehrheit der Energieexperten einig: Die Energiewende wird sich in Zukunft nicht nur auf den Stromsektor konzentrieren, sondern auch den Wärmemarkt und den Transportsektor erfassen. So sorgen neue und bessere Speichertechnologien für einen massiven Schub der Elektromobilität. Die Reichweite von Elektrofahrzeugen wird sich deutlich vergrößern. Umgekehrt könnten sie in Zukunft sogar als Speicher für die Energienetze dienen.
Diese Transformation der Energiesysteme wird überhaupt erst ermöglicht durch die Digitalisierung. Sie ist die Basis dafür, dass Netze intelligent gesteuert werden können und Haushalte sowie Unternehmen durch digitale Messsysteme ihren Strombedarf gezielt steuern können. Damit lassen sich Angebot und Nachfrage auf dem Energiemarkt besser in Einklang bringen. Ein Thema, das mit der zunehmenden Bedeutung erneuerbarer Energien immer stärker in den Fokus rücken wird. Denn die Schwankungen bei der Energieerzeugung werden zunehmen.

Daten gewinnen an Bedeutung

Neue Informations- und Kommunikationstechnologien verändern die Energiesysteme ähnlich stark wie die erneuerbaren Energien selbst. In Zukunft lassen sich Akteure und Systeme miteinander vernetzen. Daten werden zu einem entscheidenden Instrument, um die dezentralen Energiesysteme in Zukunft zu steuern. Die für die Studie befragten Energieexperten erwarten zudem, dass sich ähnlich wie an den Börsen auch im Energiesektor vollautomatisierte Systeme für den Handel mit Strom etablieren werden.

Die Erfolgsfaktoren für Unternehmen im Energiesektor werden in Zukunft andere sein als heute: Entscheidend ist eine hohe Kompetenz, mit Daten umzugehen, sie zu managen und auszuwerten. Das bedeutet eine große Chance für die IT-Branche, die massiv in die Energiewirtschaft drängt. Unternehmen aus diesem Sektor sind in der Lage, große Datenmengen zu verarbeiten und auszuwerten. Deswegen sind sogar 60 Prozent der befragten Energieexperten überzeugt, dass die größten Player in der Energiewelt im Jahr 2040 aus dem Bereich der IT-Industrie stammen werden. Und sie rechnen auch mit einer neuen Rollenverteilung in der Energiewelt von morgen: Viele kleine Produzenten stellen Strom dezentral her, IT-Unternehmen managen die Stromnetze, während die Aufgabe der klassischen Energieversorger auf technische Funktionen wie den Netzbetrieb beschränkt bleibt.

Cyberkriminalität gefährdet Versorgungssicherheit

Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung der verschiedenen Akteure und Systeme im Energiesektor wird ein weiteres Thema wichtig: die IT-Sicherheit. Denn die Gefahr von Datenmissbrauch durch Cyberkriminalität nimmt zu. Ein Angriff auf die Energienetze könnte im schlimmsten Fall die Versorgung lahm legen. Daher muss der Umbruch im Energiesektor mit einem hohen Maß an Datensicherheit verbunden sein. Die datengeschützte Vernetzung wird zu einem Schlüsselfaktor, damit die Transformation im Energiesektor zu einer Erfolgsgeschichte wird und auch das Vertrauen aller Beteiligten findet. Hier sind die Regulierungsbehörden gefragt: Sie müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, damit IT-Sicherheit auch in einer digitalisierten Energiewelt gewährleistet ist.

Newsletter Energiewirtschaft 02/2016

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