Worauf sich Energieversorger vorbereiten müssen – Deloitte blickt in die Zukunft


Hilmar Franke, Director bei Monitor Deloitte

Das Schlagwort „Energiewende“ ist in aller Munde und die damit verbundene Transformation des Energiesektors ist in vollem Gange. Doch welche Trends prägen den deutschen Strommarkt genau? Welche Entwicklungen sind für die drei Hauptsegmente der Wertschöpfungskette – Erzeugung, Netze, Endkundengeschäft – bis 2030 zu erwarten? Und welche Implikationen ergeben sich daraus für Versorgungsunternehmen?

Antworten auf diese Fragen liefert die Deloitte Strommarktstudie 2030.

Das traditionelle Versorgungsgeschäft ist auch weiter stark unter Druck. Zwar haben die großen Akteure wichtige Anpassungen vorgenommen (man denke nur an die tiefgreifenden Portfoliorestrukturierungen der jüngsten Vergangenheit), doch sind die Herausforderungen des Marktes nicht kleiner geworden.

Als einer der wichtigsten Treiber im Erzeugungsbereich ist die politisch getriebene Dekarbonisierung zu nennen. Bedingt durch den weiteren Abbau von Überkapazitäten und den zur Erreichung der Klimaschutzziele wohl unerlässlichen Anstieg der CO2-Bepreisung ist eine weitere Erholung der Großhandelspreise zu erwarten – eine Größenordnung von 50-60 EUR/MWh in 2030 scheint durchaus realistisch. Die jüngste Fusionswelle im Bereich der fossilen Großerzeugung wird sich fortsetzen, auch da sich das vertikal integrierte Geschäftsmodell zunehmend als obsolet herausstellt. Die Bedeutung zentraler, konventioneller Erzeugung für die Systemstabilität bleibt trotz oder gerade wegen des Ausbaus Erneuerbarer auch weiterhin bestehen. Erneuerbare Erzeugung wird dank sinkender Stromgestehungskosten zunehmend profitabel. Dies zeigt sich auch in den niedrigen und weiter sinkenden Preisen der mit der EEG-Novelle 2017 eingeführten Ausschreibungen. Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Großhandelspreise könnte künftig die Vermarktung von Wind- und PV-Kapazitäten über den Handelsmarkt die lukrativste Vertriebsform werden.

Das Netzgeschäft wird geprägt vom Zusammenspiel aus Ausbauanforderungen im Hochspannungsbereich einerseits und dem Bedarf an neuen Einnahmequellen aufgrund verschärfter regulatorischer Anforderungen andererseits. Die Netzbetreiber sind durch die geplante Absenkung der Eigenkapitalverzinsung unter Ergebnisdruck. Gleichzeitig bleibt der Netzausbau zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit unabdingbar. Durch Netzausbaumaßnahmen, aber auch durch die Erschließung neuer Einnahmequellen aus nicht-reguliertem Geschäft können Versorger dem Ergebnisdruck entgegenwirken. Netzbetreiber sind zudem zunehmend daran interessiert, neue Infrastruktursysteme wie Kommunikations-, Daten- und Verkehrsinfrastruktur für sich zu erschließen.

Im Endkundengeschäft sehen sich Versorger neuen Kundenerwartungen gegenüber: Eine aktuelle Deloitte-Befragung von mehr als 1.000 repräsentativen Stromkunden zeigt deutlich, dass Kunden nach einem positiven Kundenerlebnis und nach Konsistenz über alle Kanäle hinweg verlangen – und zwar unabhängig vom Alter. Auch Befragte über 50 zeigen Interesse an digitalen Kundenschnittstellen wie E-Mail, Web-Portal und mobilen Apps. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden; um agiler, technologieorientierter und kundennäher arbeiten zu können, bedarf es eines Um- oder Neubaus bestehender Strukturen. Deloittes Kalkulationsmodelle zeigen, dass durch einen Neubau zwar die Servicekosten drastisch gesenkt werden können, ein solcher jedoch auch mit hohen beachtlichen Investitionskosten verbunden ist. Wettbewerbsfähige Servicekosten scheinen demnach zu einer Frage der Größe zu werden, was der Konsolidierung von Unternehmen im Vertriebsgeschäft neuen Schub verleiht.

Was bedeuten diese Entwicklungen nun für die Versorger? Die Unternehmen müssen ihr Geschäftsmodell und ihre Investitionsentscheidungen neu priorisieren und ihr Betriebsmodell noch klarer konfigurieren. So werden in Zukunft beispielsweise schlankere Geschäftsmodelle für unterschiedliche Marktrollen an Bedeutung gewinnen.

Hilmar FrankeHilmar Franke
Director bei Monitor Deloitte

Die komplette Strommarktstudie 2030 steht hier zum Download bereit.

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