Ohne IT kein „digital“! | Expertenbeitrag von Edgar Aschenbrenner


Expertenstatement Edgar Aschenbrenner

Der Wandel der IT von der Service„ Bude“ zum Wegbereiter neuer Geschäftsmodelle – und wie man damit das Bermuda-Dreieck durchkreuzt, ohne unterzugehen

von Edgar Aschenbrenner
Vor gut einem Jahr habe ich eine Studie entdeckt, deren Ergebnisse auf die Offensichtlichkeit für einen grundlegenden Wandel unserer Branche hinweisen: Roland Berger wollte von Top-Entscheidern wissen, welche Chancen die Digitalisierung für sie bringe. Mit dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Befragten aus der Energiewirtschaft dem Thema große und sehr große Chancen attestierten – das waren so viele wie in keiner anderen Branche.

Das ist die eine Erkenntnis. Die andere besteht darin, dass ohne IT keine Digitalisierung gelingen wird. Zumindest bei E.ON ist diese Erkenntnis angekommen. Das geht soweit, dass mittlerweile sogar die Bezeichnung Service-Einheit offiziell in Frage gestellt wird. Stattdessen heißt es lapidar: IT ist Business.
Anders formuliert: IT ist nicht mehr nur Word, Excel und „nice-to-have“, sondern unverzichtbarer Teil des Kerngeschäfts mit Energie und Energielösungen; oder, um mit Worten unseres E.ON-Vorstands zu sprechen „Herzschlag des Unternehmens“.

Neuer Netzanschluss in nicht einmal sieben Minuten Das klingt nicht nur gut in der Theorie, sondern ist bereits in der Praxis angekommen. Eines meiner Lieblingsbeispiele hierfür ist ein aktuelles Projekt, welches wir erst kürzlich bei Kunden in Norddeutschland abgeschlossen haben: Diese können – zum Beispiel bei einem Wohnungsumzug oder Hausbau – online einen neuen Anschluss ans Energienetz einschließlich Kostenkalkulation in weniger als sieben Minuten bestellen. Zudem können sie bereits nach wenigen Tagen über den neuen Anschluss verfügen – anstatt wie bislang einige Wochen darauf zu warten!

Was noch möglich ist, zeigt ein Modellprojekt in Italien, wo wir einen „virtuellen Checkpoint“ eingeführt haben, an dem Kunden online ihre Rechnungen, den Status ihrer Zahlung sowie ihren Verbrauch überprüfen können. Zudem gibt es Apps fürs Smartphone mit zusätzlichen Service-Funktionen.

Vieles muss anders werden – die drei Eckpfeiler einer modernen IT

Mit der klassischen Aufstellung allerdings wird die IT den gestiegenen Anforderungen und ihrer neuen Rolle nicht gerecht. Damit es – um die Herzschlag-Metapher noch einmal aufzugreifen – nicht zu Rhythmusstörungen kommt, müssen die Rahmenbedingungen, die IT-„Architektur“, komplett überdacht und neu gebaut werden. Wir haben dabei drei Eckpfeiler defi niert, die vereinfacht formuliert, wie folgt lauten:

  1. Service-Verträge, die sich nicht in erster Linie an IT-Kennzahlen ausrichten, sondern am Erfolg des Business; das heißt, am Beitrag der IT zu positiven Kundenerlebnissen.
  2.  Verlagern von unternehmenseigenen Rechenzentren in die Cloud.
  3.  IT-Entwicklung und -Betrieb arbeiten Hand in Hand.

1. Services für das Business und für die Kunden

Unsere Service-Verträge messen sich nicht mehr zuerst an technischen Kennzahlen, sondern überprüfen, inwiefern das Business mit unseren Leistungen seine Ziele erreichen und zu positiven Kundenerlebnissen beitragen kann.

2. Daten in die Cloud

Mit einer Mischung aus Public Cloud und Private Cloud (für sensible Daten) lösen wir unsere bestehenden eigenen E.ON-Rechenzentren in den kommenden Jahren schrittweise ab. Eine „IT ohne eigenes Rechenzentrum“ – vor wenigen Jahren noch undenkbar – wird somit Realität. Dadurch können wir innerhalb kurzer Zeit Rechner-Kapazitäten erweitern lassen – ein unschätzbarer Vorteil, wenn es darum geht, neue, digitale Produkte schnell auf den Markt zu bekommen.

3. Miteinander statt getrennt voneinander arbeiten

Unter dem Kunstwort „DevOps“ verbirgt sich das Prinzip der engen Zusammenarbeit zwischen Software-Entwicklung (“Development”) und IT-Betrieb (“Operations”). Wenn wir von DevOps reden, meinen wir damit die Mitarbeiter beider Bereiche, die ihre Zusammenarbeit intensivieren und klassische Bruchstellen zwischen Anwendungsentwicklung und ITBetrieb im Unternehmen überwinden. Hinzu kommt eine enge Abstimmung mit dem Business: Wer den Anspruch an sich selber erhebt, Business zu sein, der muss das Business nicht nur verstehen, sondern auch intensiv mit den Fachbereichen kooperieren.

Ein Ausweg aus dem Bermuda-Dreieck

Mit einer solchen Mischung aus Service-Orientierung am Kunden und am Business, neuer Kultur der Zusammenarbeit und innovativen Lösungen lässt sich in der Tat das „Bermuda“- Dreieck aus Kosten, Qualität und Innovation durchfahren, ohne unterzugehen. Spannend aber bleibt es allemal …

Über den Autor:

Edgar Aschenbrenner ist Chief Information Officer der E.ON SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der E.ON Business Services GmbH.Edgar Aschenbrenner ist Chief Information Officer der E.ON SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der E.ON Business Services GmbH.


Den Beitrag von Edgar Aschenbrenner finden Sie auch in der Januar-Ausgabe des Handelsblatt Journal Energiewirtschaft, das Sie HIER gratis herunterladen können.

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