Kooperation der Mitarbeiter als Schlüssel für die Digitalisierung der Energiewirtschaft


Kooperation der Mitarbeiter als Schlüssel für die Digitalisierung der Energiewirtschaft

Energieversorgungsunternehmen im doppelten Transformationsprozess

Ein Gastbeitrag von Franziska Blazejewski

Die Energieversorgungsunternehmen befinden sich durch Digitalisierung und Energiewende in einem doppelten Transformationsprozess. Für dessen erfolgreiche Bewältigung sind sie auf das Innovationspotenzial und das Engagement ihrer MitarbeiterInnen angewiesen.

Es gibt in den Unternehmen der Energiewirtschaft kaum noch Bereiche, die ohne Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien auskommen – wie ein Mitarbeiter eines deutschen Stadtwerkes im Interview betont: „dass das genauso dazugehört wie Luft und Boden und Kapital, dann ist das genauso ein Kriterium, was das Überleben des Unternehmens sichert. Also ohne IT geht es eigentlich nicht mehr.“ Der Digitalisierungsprozess ist in vollem Gange und das ist vor dem Hintergrund des energiepolitischen Transformationsprozesses und der massiven Veränderungen in diesem Sektor auch dringend notwendig. Der Bruch mit bewährten Wirtschaftsgrundlagen, dezentrale Erzeugungsstrukturen und Schwankungen bei der Stromeinspeisung, Stromhandel, Kundenakquise und -pflege sowie die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, wie unternehmens- und haushaltsnahe Dienstleistungen zeigen die rasant gewachsene Komplexität von Geschäftsprozessen auf. Gerade die traditionellen Energieversorger stehen vor der Herausforderung, mit diesen Veränderungen innovativ umzugehen.

Am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus-Senftenberg untersuchen wir, mit welchen personalpolitischen Herausforderungen dieser doppelte Transformationsprozess einhergeht. Erste Befunde zeigen, dass die Implementierung von abteilungs- und unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsprozessen (systembasierter Workflow) an den Schnittstellen voraussetzungsvoll ist und die Kooperation aller Beteiligten erfordert. Durch den Einsatz von IKT ist es außerdem in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß möglich, die Arbeitsprozesse durch Standardisierung und Transparenz zu optimieren. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, hängt es doch von den Beschäftigten ab, ob sie die erforderlichen „Daten“ liefern und eine Digitalisierung ihrer Arbeitsprozesse akzeptieren oder boykottieren. Dabei geht es nur vordergründig um die sachgemäße Benutzung der Anwendungen durch die MitarbeiterInnen. Viel entscheidender ist die Kooperation für die Systemstabilität: Denn die Anwendungsplattformen, auf denen die digitale Verwaltung und Koordination von Geschäftsprozessen basiert, müssen kontinuierlich verfügbar und auf dem neuesten Stand sein – eine Aufgabe, die nicht von der IT-Abteilung alleine bewältigt werden kann. Die Benutzer selbst müssen die Software-Updates testen, inhaltlich an notwendigen Anpassungen mitarbeiten und Anwendungsprobleme erkennen und kommunizieren. Dies erfordert die Bereitschaft zur aktiven Beteiligung von allen Mitarbeitern.

Über die Autorin:

Franziska Blazejewski, M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Sie promoviert über den Wandel der Arbeitsorganisation und der Arbeitsanforderungen bei kommunalen Energieversorgern.
Weiterführende Informationen zu der vorgestellten Forschungsarbeit finden Sie auf der Lehrstuhl-Homepage der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.