Fresh Energy: 112 % Ökostrom


Fresh Energy: 112 % Ökostrom

Christian Bogatu hat mit seinem Unternehmen Fresh Energy den Stromfressern den Kampf angesagt und verspricht seinen Kunden „112% Ökostrom“. Was es mit dieser außergewöhnlichen Zahl auf sich hat, verrät der Fresh-Energy-CEO im Interview.

Dr. Bogatu ist Mitgründer und CEO von Fresh Energy (www.getfresh.energy), dem ersten digitalen Stromanbieter Deutschlands, der Mehrwerte basierend auf Smart Meter Daten entwickelt. Bei Handelsblatt Jahrestagung DIGITALE ENERGIEWIRTSCHAFT im Juni 2018 in Bonn spricht er zum Thema „Von kWh zu Kilobytes: Datengetriebene Geschäftsmodelle für EVU“.

Herr Bogatu, was ist das Besondere am Konzept von Fresh Energy?

Fresh Energy bekämpft Stromfresser und bietet 112% Ökostrom. Was meinen wir mit 112%? Es wird oft darüber diskutiert, wer der ökologischste Anbieter ist, basierend auf der Nachhaltigkeit der Stromerzeugung. Das greift unserer Meinung nach noch viel zu kurz. Wir glauben: Der ökologischste Strom ist doch immer der eingesparte Strom. Bei Fresh Energy gibt es nicht nur Strom – wir sind ein Tech-Unternehmen. Unsere Technologie schafft die Voraussetzungen dafür, dass unsere Kunden ihren Verbrauch in Echtzeit im Blick haben und verstehen, wie, wann und womit sie Strom sparen können. Laut einer Studie* sparen Kunden allein durch die Live-Visualisierung des Stromverbrauchs durchschnittlich über 12% Strom – das kann jährlich deutlich über 70 Euro an Einsparungen für einen Zwei-Personen-Haushalt bedeuten. Daher die vielleicht ungewöhnlich klingende Formulierung, dass es bei Fresh Energy „112% Ökostrom“ gibt.
Bei uns kommt hinzu, dass der Verbraucher auch ein unmittelbares monetäres Interesse am Stromsparen entwickelt, da nur der tatsächliche Verbrauch monatlich abgerechnet wird. Wenn ich als Kunde also heute den Drucker ausmache anstatt ihn im Standby zu belassen, merke ich das sofort in meiner App und natürlich am Ende des Monats auf meiner Rechnung. Bei uns gibt es also nicht nur den ökologischsten, sondern auch den fairsten Strom. Zu hoch oder zu niedrig angesetzte Abschläge, die die Haushaltskasse monatlich unnötig belasten oder zu ärgerlichen Nachzahlungen bei der Jahresabrechnung führen, gibt es bei uns garantiert nicht. Damit diese Vorteile möglichst vielen Kunden zugutekommen, bieten wir unser Produkt auch anderen Stromanbietern am Markt als sogenannte White-Label Lösung an.

Und das bietet tatsächlich kein anderer an?

Wir liefern aktuell als Einziger die Kombination aus Stromtarif und einer Echtzeit-Visualisierung des Stromverbrauchs auf dem eigenen Smartphone, die so genau ist, dass der Stromkunde mittels der App sogar den Verbrauch einzelner Geräte überwachen kann. Dazu statten wir unsere Kunden mit einem sehr fortschrittlichen digitalen Stromzähler (Smart Meter) aus, der die Daten mithilfe des sogenannten Shunt-Messverfahrens auswertet. Das Ergebnis sind exzellente Messungen, die allen Prüfungen standhalten. Selbst kompliziertere Verbrauchssituationen wie z. B. das Einschalten einer LED-Leuchte mit wenigen Watt kann hier erfasst bzw. nachvollzogen werden. Bald schon werden zahlreiche weitere Anbieter am Markt ein ähnliches Produkt anbieten. Das unterstützen wir, wie gesagt, gern mit unserem Angebot, das wir auch direkt an Energieversorgungsunternehmen richten. Mithilfe unserer White-Label-Lösungen können andere Stromanbieter nicht nur die Kundenzufriedenheit erhöhen, sondern auch zusätzliche Umsatzpotenziale abseits vom reinen Energievertrieb ermöglichen.

Wie erfolgt die Analyse der Daten? Ist bei der Analyse der Datenschutz gewahrt?

Der Stromverbrauch wird im Smart Meter mit sehr hoher Frequenz abgetastet, sodass von Gleichströmen bis zu hohen Frequenzen korrekte Messergebnisse geliefert werden. Die verwendeten Messchips und die Messtechnik lassen behaupten, dass Fresh Energy einen der besten Smart Meter verwendet, der in der Tat Echtzeitwerte überträgt. Um höchste Datensicherheit zu gewährleisten, arbeitet Fresh Energy mit der Firma ISiCO, einem der erfahrensten Datenschutzexperten, zusammen. Die gesammelten Daten werden immer mit höchsten Sicherheits- und Datenschutzvorkehrungen auf Servern in Deutschland gespeichert. Eine Fernsteuerung des Zählers ist nicht möglich. Somit ist dieser Zählertyp nicht manipulierbar und es können über ihn auch keine gewollten oder ungewollten Schalthandlungen durchgeführt werden.

Smart Meter fristen in Deutschland noch ein Schattendasein. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Das Problem ist vielschichtig: Erstens wissen die meisten Kunden in Deutschland gar nicht, dass sie selber entscheiden können, ob sie einen Smart Meter in ihrem Haushalt einsetzen möchten. Zweitens sind vielen Verbrauchern die Vorteile, die echte Smart Meter bieten, nicht bewusst und assoziieren damit nur Mehraufwand und Zusatzkosten. Hinzu kommt noch der geplante Smart Meter-Rollout, im Rahmen dessen bei der Mehrheit der Stromkunden keine echten Smart Meter eingebaut werden. Und letztlich ist es wohl auch so, dass viele Stromnetzbetreiber in Deutschland die vielen Vorteile von Smart Metern nicht erkennen und den geplanten Smart Meter-Rollout daher nicht als Chance begreifen. Aber der Reihe nach:
Der mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossene Smart Meter-Rollout in Deutschland legt stufenweise die Umstellung auf sogenannte moderne Messeinrichtungen (mME) und intelligente Messsysteme (iMSys) – also Smart Meter – bis 2032 fest. Bis zum Jahr 2032 sollten alle Privathaushalte erstmals mit einer mME ausgestattet werden – die Kosten dafür müssen die Verbraucher teilweise mittragen. Die mMEs unterscheiden sich von herkömmlichen Stromzählern fast nur dadurch, dass die Anzeige des Stromverbrauchs nicht mehr über ein Zählwerk erfolgt, sondern über ein digitales Display. Sie entsprechen nicht den technischen Möglichkeiten und nutzen leider die Potenziale des Smart Meterings in keinster Weise aus.
Laut einer von uns initiierten Umfrage wünschen sich 72 Prozent der Befragten ausdrücklich einen besseren Überblick über ihren Stromkonsum. Smart Meter könnten das grundsätzlich bieten. Die meisten dieser Nutzer werden aber – bei den Geräten, die laut Gesetzgeber im Rahmen des Smart Meter-Rollouts verbaut werden – enttäuscht werden. Denn diese modernen Messeinrichtungen vermögen es nicht, die gemessenen Daten für den Konsumenten oder auch den Stromanbieter in irgendeiner Form nutzbar zu machen. Doch die modernen Smart Meter, die wir bei unseren Kunden einbauen, machen für den Verbraucher Sinn und bieten zahlreiche Vorteile.

Werden Stromanbieter in Zukunft weiterhin Geld mit Strom machen oder wird der Hauptverdienst mit datengetriebenen Dienstleistungen erfolgen?

Es klingt ja schon paradox: Wir unterstützen unsere Kunden dabei, weniger Strom zu verbrauchen, obwohl ein Stromanbieter eigentlich ja mehr verdient, je mehr Strom verbraucht wird. Bei Fresh Energy haben wir eine ganz andere – nachhaltige Strategie. Zunächst einmal bietet eine Abrechnung über einen fortschrittlichen Smart Meter für den Verbraucher so viele Vorteile, dass allein hierdurch ein klarer Wettbewerbsvorteil und daher eine sehr gute Marktperspektive besteht. Wer Strom spart, zahlt weniger – und zwar sofort. Das ist eine neue Dimension der Stromabrechnung. Wir bieten also jetzt schon nicht nur Strom, sondern auch einen besseren Service. Zudem arbeiten wir gerade an weiteren tollen Angeboten für unsere Kunden. Wie gesagt, wir sind ein Tech-Unternehmen und haben uns zum Ziel gesetzt, die besten Dienstleistungen mit höchster Sicherheit und Datenschutz anzubieten. Sie dürfen also gespannt sein, was wir in den nächsten Monaten an tollen Möglichkeiten anbieten. Dazu zählen zum Beispiel Tipps und Tricks, wie unsere Kunden noch mehr Strom sparen können, aber auch weitere tolle Dienstleistungsangebote, wie das automatische Nachfüllen von Spülmaschinen-Tabs, je nach tatsächlichem Verbrauch. (Anm.: Durch das Auslesen von Stromdaten lässt sich der Bedarf von bestimmten Verbrauchsmitteln überwachen und steuern). Natürlich aber immer nur dann, wenn die Kunden daran ein Interesse entwickeln und uns die explizite Zustimmung geben. Wir glauben, dass nur diese klare Ausrichtung auf den Kunden letztlich über den Erfolg eines Stromanbieters entscheiden wird.

* Quelle: Armel, Gupta, Shrimali, & Albert, 2012

Smarte Energiewelt – Die Zukunft der Branche ist digital

In allen Industrien werden neue (digitale) Produkte gesucht und gefunden. Es gibt erstklassige Learnings aus den unterschiedlichsten Branchen. Die Handelsblatt Tagung übersetzt die globalen Trends in die Businesswelt der Energiewirtschaft. Digitale Vordenker zeigen wie Kulturwandel funktionieren kann.

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