Digitalisierung ist die Basis für die Energieversorgung von morgen


Digitalisierung ist die Basis für die Energieversorgung von morgen

Für den Polarstern-Gründer Florian Henle dient die Digitalisierung eines Energieunternehmens keinem Selbstzweck; sie ist vielmehr das Fundament für die künftige Energieversorgung. Ein ideales Testfeld ist in seinen Augen Mieterstrom.

Florian Henle ist Gründer & Geschäftsführer des Energieversorgers Polarstern. Bei Handelsblatt Jahrestagung DIGITALE ENERGIEWIRTSCHAFT im Juni 2018 in Bonn spricht er zum Thema „Innovative Produktentwicklung im Kontext digitaler Geschäftsmodelle und Smart Grids“.

Herr Henle, wie schätzen Sie zurzeit den Digitalisierungsgrad der Energiebranche ein?

Der Markt ist im Umbruch. Es gibt Energieversorger, die sehr weit sind und andere die noch per Brief und Fax kommunizieren. Das macht es in der Zusammenarbeit oft schwer. Die Unternehmensgröße hat auf die digitale Reife wenig Einfluss, vielmehr sind es die Organisationsstruktur und die Mentalität in den Unternehmen. Oft sind kleinere und jüngere Unternehmen in ihrem Digitalisierungsgrad weiter, weil sie nicht intern gegen verkrustete Strukturen und Widerstände kämpfen müssen. So oder so wird im Energiemarkt bisher nur ein Bruchteil der digitalen Möglichkeiten genutzt.

In welchen digitalen Geschäftsmodellen sehen Sie das größte Potenzial?

Einzelne Digitalisierungsstrategien sind erfolglos. Digitalisierung ist die Basis für die Energieversorgung von morgen. Sie erfasst alles, von der Erzeugung über die Steuerung bis hin zur Kommunikation und den Vertrieb. Betrachtet man den Einfluss auf die verschiedenen Energiebereiche der Versorgung, dann sehe ich im Management von Flexibilitäten eines der größten Potenziale. Es stützt die Netze, steigert die Effizienz in der Versorgung, vernetzt Branchen, Partner und Energieverbraucher untereinander. Das macht es zu einem enorm mächtigen Geschäftsfeld.

Wieso ist die Organisationsstruktur so wichtig für die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Mittel, um effizientere Prozesse zu ermöglichen und bessere Produkte anzubieten. Die sich durch die Digitalisierung ergebenden Chancen müssen genutzt werden. Das setzt eine kundenfokussierte Denkweise und iterative Prozessoptimierungen voraus. Und dahinter stehen wiederum flexible, lernfähige und schnelle Organisationsstrukturen. Die Organisationsstruktur ist quasi das Fundament, auf dem digitale Entwicklungen beruhen.

Wie lange brauchen Smart Grids, um eine entscheidende Rolle auf dem Markt einzunehmen?

Das hängt von vielen politischen Entscheidungen ab, etwa wann tatsächlich der angekündigte Smart Meter Rollout erfolgt. Und auch das ist nur ein erster Schritt. Wann das gesamte öffentliche Netz intelligent gesteuert wird, kann ich schwer beurteilen. Aber wir sprechen hier sicherlich von mehreren Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten. Im Mieterstrom spielen Smart Grids heute schon eine wichtige Rolle. Der Bereich der dezentralen Energieversorgung von Gebäuden ist ein Testmarkt für die großen Entwicklungen. Auch deshalb ist es für die Energieversorger und andere Unternehmen ein so interessantes Tätigkeitsfeld.

Was ist aus Ihrer Sicht ein gelungenes Beispiel für einen innovativen Produktansatz, der für Energieunternehmen als Vorbild dienen kann?

Mieterstrom ist definitiv so ein Vorbild für den Energiemarkt der Zukunft. Hier werden schon heute Lösungen angeboten, die im regulierten Markt noch nicht so einfach möglich sind. Zum Beispiel die Integration und die direkte Zuordnung unterschiedlicher Erzeuger und Verbraucher oder die Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Mobilität. Und auch die angesprochene Nutzung von Flexibilitäten.

Smarte Energiewelt – Die Zukunft der Branche ist digital

In allen Industrien werden neue (digitale) Produkte gesucht und gefunden. Es gibt erstklassige Learnings aus den unterschiedlichsten Branchen. Die Handelsblatt Tagung übersetzt die globalen Trends in die Businesswelt der Energiewirtschaft. Digitale Vordenker zeigen wie Kulturwandel funktionieren kann.

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