Der Kampf um den Kulturwandel zahlt sich aus


Der Kampf um den Kulturwandel zahlt sich aus

Timo Eggers’ Appell an die Energiebranche ist eindeutig: habt den Mut einen konstruktiven Kampf um den Wandel eurer Unternehmenskultur zu führen. Bei Quantum sind basisdemokratische Entscheidungsstrukturen bereits fester Bestandteil des kollegialen Miteinanders und die Erfahrungen durchweg positiv.

Timo Eggers arbeitet im Bereich der Unternehmensentwicklung bei Quantum. Bei Handelsblatt Jahrestagung DIGITALE ENERGIEWIRTSCHAFT im Juni 2018 in Bonn spricht er zum Thema „Abenteuer-Geschichten aus der Energiewelt von morgen – ein Energiedienstleister (ver-)sucht sein Glück im Wandel“.

Herr Eggers, wie können agile Arbeitsmethoden (z. B. SCRUM) der Energiebranche bei der Entwicklung neuer Produkte helfen?

Die Energiebranche kommt aus guten Gründen aus einer sehr perfektionistischen (n-1-Sicherheit!), sehr langfristig orientierten Ingenieurskultur, mit starkem Fokus auf die (technologische) Lösung von Daseinsvorsorge und Versorgungssicherheit. Dies wird in einigen Bereichen auch weiterhin wichtig bleiben.
Nun leben wir in einer Zeit, in der Wandel schneller und radikaler denn je stattfindet. Die Energiewirtschaft steht vor der Aufgabe, sich quasi selbst neu zu erfinden. Um im Wettbewerb mit neuen, zum Teil branchenfremden Anbietern bestehen zu können, brauchen Energieunternehmen innovative Produkte und Dienstleistungen für eine digitale, dezentrale und dekarbonisierte Energiewelt. Das wiederum bedingt, dass Unternehmen nahezu aller Branchen miteinander kooperieren, um so in kürzerer Zeit mehr Ideen gemeinsam mit Nutzern auszuprobieren, zu lernen und während der gesamten Produktentwicklung offen für Veränderungen zu bleiben. Das ist in so starker Ausprägung ein absolutes Novum für die Energiewirtschaft. Das Arbeiten nach agilen Werten kann dabei helfen, dass dieser permanente, schnellere Lernzyklus im Unternehmen systematisch passiert.
Das „sich-verpflichten-auf-agile-Werte“ bedeutet aber auch eine nicht zu unterschätzende Transformation der Unternehmenskultur hin zu mehr Offenheit, Fokus, Selbstverpflichtung, Respekt und Mut. Der Lohn dieses nicht einfachen Weges, sind bessere Produkte und Dienstleistungen, die ihren Problemlösungswert schneller beim Kunden entfalten, verbunden mit einer neuen Qualität der Zusammenarbeit in echten Teams.

In Ihrem Workshop geht es auch um basisdemokratische Entscheidungsstrukturen. Gleichen solche Ansätze nicht einer kleinen Revolution?

Absolut richtig. Als 2016 die Frage im Raum stand, ob wir nicht einen Betriebsrat gründen sollten, haben wir uns bewusst dagegen und für die Software „Liquid Feedback“ entschieden. Das Tool ermöglicht uns einen strukturierten und vor allem transparenten Diskussions- und Entscheidungsprozess, an dem alle Mitarbeiter anonym und gleichberechtigt teilnehmen können. Die „ZEIT“ hat das Liquid Feedback einmal als „Basisdemokratie übersetzt in Programmiersprache“ bezeichnet und da liegt vor allem im klassischen Unternehmenskontext das Wort Revolution natürlich auf der Hand.

Bei der Quantum ist eine solche Revolution im klassischen Sinne, bei der bekannter Weise die Köpfe rollen, bislang ausgeblieben. Die wenigen Diskussionen, die in diesem Tool geführt wurden, waren allesamt vernünftig, ausgewogen und auch wertschätzend. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir ohnehin schon seit mittlerweile zehn Jahren in einer sehr offenen und entwickelten Unternehmenskultur mit regelmäßigen Team-Coachings und -Trainings leben. Es mag natürlich auch in der Energiebranche noch Unternehmen geben, die es für revolutionär halten, dass Mitarbeiter in einer offenen Diskussions- und insbesondere Entscheidungskultur, unabhängig von ihrer hierarchischen Stellung für Ideen argumentieren, werben und überzeugen (müssen). Aus unserer Sicht lohnt sich der Mut jedoch, einen konstruktiven Kampf um den Kulturwandel zu führen. Er könnte in Zukunft den unternehmerischen Fortbestand ermöglichen oder zumindest erleichtern.

Welche Vorteile können für die Konsumenten entstehen, wenn der Energiedienstleister agil arbeitet?

Es gibt so einen Spruch, dass kaum ein neues Produkt den ersten Kundenkontakt überlebt. Agil arbeitende Unternehmen wissen das und liefern deswegen möglichst schnell wertstiftende Mini-Produkte an potenzielle Nutzer aus, entweder um schnell und somit mit geringen Kosten zu scheitern oder um im nächsten Anlauf die Nutzerprobleme besser zu verstehen und zu lösen.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Welches Kollaborations-Tool ist Ihre Empfehlung für den Einstieg in eine agile Arbeitsumgebung?

Eine für möglichst viele sichtbare, weiße Wand, ein paar Klebelinien und jede Menge Post-its reichen, als analoges Tool, aus unserer Sicht schon aus, um die Grundwerte agiler Zusammenarbeit erlebbar zu machen. Dazu vielleicht noch ein digitales Tool wie Slack für eine schnelle und offene interne Kommunikation, jenseits von E-Mail mit Hierarchie- Signaturen, Anhang-Gräbern und (B)CC-Verteilern. Das wäre schon ein guter Einstieg. Zu guter Letzt: Lassen Sie sich unbedingt professionell mit externer Unterstützung helfen.

Smarte Energiewelt – Die Zukunft der Branche ist digital

In allen Industrien werden neue (digitale) Produkte gesucht und gefunden. Es gibt erstklassige Learnings aus den unterschiedlichsten Branchen. Die Handelsblatt Tagung übersetzt die globalen Trends in die Businesswelt der Energiewirtschaft. Digitale Vordenker zeigen wie Kulturwandel funktionieren kann.

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