Cybercluster

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Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden

von Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist heute in allen Bereichen der Gesellschaft von zentraler Bedeutung, u.a. im Gesundheitswesen, in der Produktion, in der Logistik, im Finanzwesen, in der Energieversorgung und auch in militärischen vernetzten Operationen.

Die digitale Transformation verändert bereits heute unser soziales, gesellschaftliches und berufliches Leben. Hierbei kommt der Frage der Cybersicherheit eine Schlüsselrolle zu. Eine vertrauenswürdige IT-Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren in unserer heutigen und zukünftigen digitalen Welt. Vertrauen und Sicherheit sind daher Kernbegriffe im Diskurs über Chancen und Risiken der digitalen Gesellschaft.

Die Beherrschbarkeit der IKT wird durch das außerordentliche Wachstum der Anzahl der Internetfähigen Geräte (rund 50 Milliarden vernetzter Geräte bis 2020), die immens hohen Datenmengen (laut IDC könnten bis 2025 ca. 163 Zettabyte an Daten anfallen) und der schnellen Entwicklung neuer, disruptiver Technologien (u.a. Softwaredefined Everything, Blockchain, künstlicher Intelligenz) immer schwieriger. Die Systeme werden durch Einsatz von künstlicher Intelligenz immer „intelligenter“ und autonomer.

Die Komplexität der IT-Systeme bedingt auch eine hohe IT-Bedrohungslage. Es vergeht kein Tag, an dem nicht über IT-Schwachstellen und Cyberattacken berichtet wird. Insofern ist es erforderlich an innovativen Lösungen für eine sichere, vertrauensvolle Gesellschaft zu forschen und diese in die Praxis umzusetzen. Da auch die Komplexität der IT-Sicherheitslösungen selbst immens steigt, muss die Sicherheit als „unsichtbarer“ integraler Bestandteil der digitalen Welt intrinsisch vorhanden sein. Zentrale Paradigmen sind hier Security-by-Design und Privacy-by-Design, bei denen Sicherheit und Datenschutz von Anfang an und über den gesamten Lebenszyklus mit Priorität berücksichtigt werden. Die Realität insbesondere im Bereich der Internet of Things (IoT) zeigt aber ein komplett anderes Bild der Wirklichkeit. Unter dem Kostendruck wird auf die IT-Sicherheit in IoTGeräten leider oft verzichtet.

Um die Kreativität und das Innovationspotential am besten zu entfalten und ferner eine zügige Umsetzung in Produkte zu unterstützen, müssen alle Akteure von der Forschung und  Entwicklung bis hin zur Wirtschaft, und auch öffentlichen Hand, effektiv und effizient zusammenarbeiten. Das gestaltet sich unter Umständen schwierig, da die involvierten Akteure unterschiedliche Interessen und Zielgrößen haben. So ist für die Wissenschaft u.a. die Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen in renommierten Zeitschriften eine Zielgröße, währenddessen für die Wirtschaft fertige Produkte mit Umsatz und Gewinn ausschlaggebend sind. Um die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen, ist es notwendig, dass die Forschung mit der Industrie und den Behörden entlang der gesamten Wertschöpfungskette eng kooperiert, um technische Innovationen und Konzepte zum Schutz von Daten, Software und Systemen unter Beachtung gesetzlicher und betriebswirtschaftlicher Rahmenbedingungen, ganzheitlich, integrativ und interdisziplinär zu verwirklichen.

„Die Komplexität der IT-Systeme bedingt auch eine hohe IT-Bedrohungslage. Es vergeht kein Tag, an dem nicht über IT-Schwachstellen und Cyberattacken berichtet wird.“

Auf dem Campus der Universität der Bundeswehr München ist ein neues bundesweit einzigartiges Cybercluster im Entstehen, inklusive eines neuen internationalen Master-Studiengangs „Cyber-Sicherheit“, der ab Januar 2018 startet. Das Ziel des Cyberclusters ist die Bündelung von Innovationskompetenzen aus Forschung und industriellen Partnern, und damit die Voraussetzung für exzellente Forschung. Dazu gehört neben dem neuen Personal mit 11 neuen W3-(entspricht Lehrstuhlinhabern) und 2 W1-(entspricht Juniorprofessuren) Professuren sowie einer Zielgröße von 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die entsprechende Infrastruktur in Form von Innovations- und Testlaboren, die eine Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung auf höchstem Niveau ermöglicht. Denn nur exzellente Forschung bedingt exzellente Lehre. CODE hat fünf Forschungsschwerpunkte: Cyber Defence, Smart Data (Big Data Analytics), Mobile Security mit den Schwerpunkten vernetztes Auto und vernetztes Flugzeug, e-Health sowie Schutz kritischer Infrastrukturen.

Innovation und Kreativität, gepaart mit Kooperation und Vertrauen sind die Schlüsselfaktoren für die Entwicklung von disruptiven, innovativen und vertrauenswürdigen (Sicherheits-) Lösungen. Bereits heute ist das Forschungsinstitut CODE der Nucleus eines „Raums des Vertrauens“, der Vernetzung von Experten für Cybersicherheit in Forschung, Wirtschaft, Industrie, Behörden, Militär sowie Verbänden, der so genannten „CODE-Community“.

Henry Ford sagte einst: „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein  Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Nun gilt es, aus der Zusammenarbeit einen Erfolg zu machen.

Prof. Dr. Gabi Dreo RodosekProf. Dr. Gabi Dreo Rodosek
Leitende Direktorin des Forschungsinstituts CODE
(Cyber Defence)

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Cyber Security und Datenschutz“, das Sie hier erhalten können.