Umfrage: Digitalisierung bleibt die größte Herausforderung für die Chemie-Branche


Wenn sich die Größen der Chemiebranche Anfang April zur 18. Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2017 treffen, wird die Digitalisierung das bestimmende Thema sein. Dass diese zukünftig die größte Herausforderung für die Chemiebranche sein wird, das ist auch das Ergebnis einer Umfrage, die EUROFORUM im Vorfeld der Handelsblatt Jahrestagung Chemie mit 50 Branchenexperten durchgeführt hat.

Welche sind zukünftig die größten Herausforderungen für europäische Chemieunternehmen?

Wie viele andere Branchen auch, steht die Chemiebranche vor der Herausforderung, den Schritt in die Digitalisierung zu meistern. Wertschöpfungsketten werden sich in Zukunft grundlegend verändern. Dieser Meinung sind über 50 Prozent der Befragten. Ebenfalls wichtig ist der wachsende Druck durch andere Märkte wie Asien. Nur vier Prozent glauben daran, dass Forschungs- und Entwicklungsausgaben steigen werden – ein Grund hierfür mag sein, dass Chemieunternehmen traditionell viel in diesen Sektor investieren.

Wie gut ist die deutsche Chemiebranche auf den digitalen Wandel vorbereitet?

Die Digitalisierung ist die große Herausforderung der vergangenen, aber auch der kommenden Jahre. Die Mehrheit der Befragten sieht noch einigen Verbesserungsbedarf, um die deutsche Chemiebranche auf den Wandel einzustellen. Die meisten geben ihr diesbezüglich nur eine mittlere Bewertung beim Grad der Vorbereitung. Dies zeigt sich am Auf einer Skala von 1-5 (1=überhaupt nicht vorbereitet / 5 = sehr gut vorbereitet) erhielt sie dementsprechend auch nur einen Durchschnittswert von 2,98. Gerade das Thema Industrie 4.0 ist für viele Unternehmen der Branche noch Neuland – hier besteht in den kommenden Jahren noch viel Aufholbedarf.

Insbesondere in welchen Bereichen werden wir im Zuge der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle sehen?

Die Digitalisierung bringt auch für der Chemiebranche neue Geschäftsmodelle mit sich. Im Zuge der Verbreitung von Industrie 4.0-Technologien sehen 56 Prozent der Befragten insbesondere eine Zunahme im Bereich „Demand-driven Business Planning“. Ebenso viele glauben, dass der Fokus der Unternehmen weg vom Produkt und hin zu Services gehen wird. Neue Wachstumsmöglichkeiten wird es nach Meinung von 52 Prozent der Befragten auch im Rahmen der Individualisierung von Produkten gegeben.

Für welche Unternehmensbereiche spielt die Digitalisierung die größte Rolle?

Die größten Veränderungen durch die Digitalisierung werden beim Supply Chain Management erwartet, da hier der gesamte Prozess vereinfacht und besser dargestellt werden kann. Mit 82 Prozent sieht die überwältigende Mehrheit in diesem Bereich die wichtigste Rolle für die Digitalisierung beim Supply Chain Management. Auch bei Logistik und Produktion werden Veränderungen erwartet, während nur wenige (22%) der Meinung sind, dass im F&E-Bereich die Digitalisierung verstärkt Einzug halten wird.

Wie können Chemieunternehmen trotz steigender Kosten ihren Erfolg auch zukünftig steigern?

Um ihre Wettbewerbsfähigkei zu sicherm sollten Chemieunternehmen ihre Wertschöpfungskettevon der bloßen Materialproduktion hin zu Systemlösungen als verlagern, sagen ganze 58 Prozent der Befragten . 44 Prozent glauben, dass Unternehmen dem hohen Wettbewerbsdruck mit Spezialisierung begegnen sollten und 42 Prozent sehen auch hier das größte Potential im Einsatz digitaler Technologien.

Befürchten Sie, dass es in den kommenden zehn Jahren zu einem Fachkräftemangel in der Chemiebranche kommen wird?

Seit einigen Jahren warnen Studien, dass es in der Chemiebranche zu einem großen Fachkräftemangel kommen wird, der den Chemiestandort Deutschland als Ganzes gefährden könnte. Viele Bewerber bringen nicht mehr die benötigten Fachkenntnisse mit. So sehen das auch die Praktiker: Mit 75,5 Prozent befürchtet die Mehrheit der Befragten, dass es in den kommenden zehn Jahren zu einem Mangel an geeigneten Fachkräften kommen wird, bzw. erlebt diesen schon heute. Nur ein Viertel äußerte sich optimistisch, dass sich die Lage infolge gezielter politischer Maßnahmen in diesem Zeitraum wieder entspannen wird.

Wie kann die Chemiebranche aus Ihrer Sicht einem drohenden Fachkräftemangel begegnen?

Damit man den Trend des Fachkräftemangels umkehren kann, sehen 50 % der Befragten die Notwendigkeit der Ausweitung von Weiterbildungsmaßnahmen, der Anwerbung von ausländischen Fachkräften oder in der stärkeren Bindung der bisherigen Fachkräfte an den eigenen Betrieb (beide 42 %). Nur 18 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es in Zukunft keinen Fachkräftemangel geben wird.
Viele der oben angesprochenen Themen erwarten Sie auch auf der 18. Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2017. Neben einigen Impulsvorträgen, zum Beispiel „Wandel und Wachstumspfade der Chemie“ oder „Wie können Unternehmens- und Personalentwicklungsziele durch digitales Lernen unterstützt werden?“, haben Sie auch die Möglichkeit die innovativen Geschäftsideen und Visionen von Start-Ups kennenzulernen. Sammeln Sie hier den Input, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.