„Die Handelsblatt Jahrestagung Chemie ist ein wichtiger Stimmungsbarometer der Branche.“


Interview Dr. Waldschmidt und Dr. Eckensberger von der Hessen Trade & Invest GmbH, Wiesbaden über die Rolle des Wirtschaftsstandorts Hessen.

Als Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen versucht die Hessen Trade & Invest GmbH beste Ausgangsbedingungen für die Unternehmensentwicklung hessischer Unternehmen sowie internationaler Investoren am Standort zu schaffen und berät – insbesondere kleine und mittelständische – Unternehmen im Hinblick auf deren Entwicklungsmöglichkeiten, etwa der Inanspruchnahme von EU-Förderprogrammen. Die Handelsblatt Jahrestagung Chemie ermöglicht der HTAI einen guten Einblick in das Stimmungsbild der Branche – für einen Wirtschaftsförderer unverzichtbar. Wir haben uns mit Dr. Eckensberger und D. Waldschmidt über die Handelsblatt Jahrestagung Chemie und den Wirtschaftsstandort  Hessen unterhalten.

Wie schätzen Sie die Rolle Hessens als Industriestandort ein?

Dr. Rainer Waldschmidt: Hessen ist ein international ausgerichteter Industriestandort mit rund 350.000 Beschäftigten. Hier gibt es eine starke und moderne Industrie – die sich aus traditionellen Familienunternehmen und Weltmarktführern mit innovativen Produkten zusammensetzt. Das Land hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade vor dem Hintergrund des Brexit bis 2030 zu einer der modernsten Industrieregionen Europas zu werden. Dazu gehört auch die Verschmelzung von klassischer Industrie, Software und Dienstleistung.

Für welche Industriezweige ist es ein besonders attraktiver Standort?

Waldschmidt: Die Chemie- und Pharmaindustrie, der Automobilbau oder auch die Elektrotechnik sind in Hessen extrem innovationsstark und wertschöpfungsintensiv.

Dr. David Eckensberger: Wichtige Themenfelder sind dabei Gesundheit, Bioökonomie, Ressourceneffizienz oder die Materialwissenschaften. Aber auch Mobilität und Energie spielen eine wichtige Rolle.

Welche besonderen Vorteile bietet der Standort Hessen für Chemieunternehmen?

Waldschmidt: Aufgrund seiner strategischen Lage im Herzen Europas und seiner exzellenten Infrastruktur ist Hessen für Chemieunternehmen ein attraktiver Standort. Auch der Internationalisierungsgrad ist in der Metropolregion FrankfurtRheinMain so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Eckensberger: Unternehmen finden hier auch sehr gut ausgebildete Fachkräfte und haben zahlreiche Möglichkeiten, sich durch Branchencluster zu vernetzen und gemeinsame Projekte mit KMU durchzuführen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Chemiebranche?

Eckensberger: Das Thema Industrie 4.0 ist in der Chemiebranche längst angekommen. Effiziente Produktionsprozesse und Rohstoffströme lassen sich ohne Digitalisierung längst nicht mehr realisieren. Auch das Thema Predictive Maintenance fällt darunter und spielt für Chemieunternehmen eine wichtige Rolle. Hier ist Industrie 4.0 ein klarer Treiber.

RW: Daneben spielt die digitale Transformation von Arbeitsprozessen eine wichtige Rolle und wird von den Unternehmen in Hessen aktiv betrieben.

 Welche Technologien geben daneben derzeit den Trend an?

Eckensberger: Aus Sicht der Materialhersteller sind die additiven Fertigungsverfahren – der 3D-Druck – eine Chance auf neue Märkte. Auch Leichtbau oder gedruckte Elektronik sind für viele Unternehmen spannende Felder. Daneben spielt auch der notwendige Wandel einer erdöl- zu einer bio-basierten Wirtschaft eine große Rolle. Aber auch die personalisierte Medizin und die industrielle Biotechnologie bleiben wichtige Themen.

 Welche Förderoptionen können Unternehmen in Hessen in Anspruch nehmen?

Waldschmidt: Besondere Fördermöglichkeiten gibt es beispielsweise für Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen: KMU, die in Forschungs- und Entwicklungsprojekten miteinander und mir Hochschulen kooperieren, können signifikante Förderungen erhalten, um ihre innovativen Technologien noch besser vermarkten zu können (LOEWE-Förderlinie 3).

Eckensberger: Und natürlich können Unternehmen in Hessen auch die Fördermöglichkeiten des Bundes und der Europäischen Union in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation nutzen. Alle Varianten werden dabei erfolgreich von den Unternehmen in ihre F&E&I-Aktivitäten eingebunden.

 Wie unterstützen Sie Unternehmen dabei?

Waldschmidt: Die HTAI bietet eine strategische Verknüpfung von Standortmarketing, Außenwirtschaft, Investorenbetreuung, sowie Technologie- und Innovationsförderung. Wir bündeln das Wissen von Experten unterschiedlichster Fachrichtungen, vom naturwissenschaftlichen Fachmann bis hin zum Spezialisten für internationale Märkte oder EU-Förderprogramme. So werden die Unternehmen maßgeschneidert und fachübergreifend aus einer Hand betreut – von der Ideenfindung über die Antragstellung bis zum Projekt. Außerdem informieren wir alle hessischen Akteure mit zahlreichen Veranstaltungen und Medien und bieten so leichten Zugang zu neuen Themen.

 Was bewegt Sie, Teil der Handelsblatt Jahrestagung Chemie zu sein?

Waldschmidt: Auf der Tagung treffen sich Entscheider der Branche und stehen zwei Tage im intensiven Austausch miteinander. Dabei werden alle wichtigen Fragen adressiert und sehr angeregt und offen diskutiert. Daraus ergibt sich ein gutes Stimmungsbarometer der Branche – und dessen Kenntnis ist für einen Wirtschaftsförderer natürlich sehr gut.

Dr. Rainer Waldschmidt ist CEO der Hessen Trade & Invest GmbH und der Hessen Trade & Invest GmbH.
Dr. David Eckensberger ist Themenfeldleiter Industrial Technologies bei der Hessen Trade & Invest GmbH.

Bild: Carsten Ott