trivago-CFO Axel Hefer im Interview — Zwischen Börsengang und StartUp-Mentalität


trivago Axel Hefer

trivago-CFO Axel Hefer war beim deutschen Reiseportal für den Börsengang an die Nasdaq verantwortlich. IM #HBCFO-Interview verrät Hefer, wie das Unternehmen es schafft, trotz rasantem Wachstum eine Start-Up-Kultur zu pflegen. Des Weiteren gibt es einen Einblick in das „the next big thing“ von trivago.

trivago-CFO Axel Hefer im #HBCFO-Interview

Axel HeferHerr Hefer, trivago existiert jetzt seit 2005. Wie viel Start-Up ist in Ihrem Unternehmen nach über 12 Jahren noch vorhanden?

Axel Hefer: Folgendes macht für mich ein Startup aus: kurze Entscheidungswege und somit schnelle Reaktionen auf Veränderungen. Genau das spiegelt unsere Unternehmenskultur heute immer noch wider. Die Entscheidungsprozesse sind bei uns schnell, wir haben sehr flache Hierarchien und wir ermutigen Mitarbeiter auf Veränderungen zu reagieren, auch wenn sie dadurch Risiken eingehen.
Natürlich ist so eine Unternehmenskultur schwer einzuhalten, je größer das Unternehmen wird. Wir haben deswegen ein mehrdimensionales Führungsmodell eingeführt, was uns Struktur verleiht, aber keine festen Hierarchien vorgibt. Wir legen sehr viel Wert auf unsere Kultur, um so viel von der Startup-Kultur beizubehalten wie möglich.

Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben? Was daran führte trivago zum Erfolg?

Axel Hefer: Wir glauben, dass dezentrale Entscheidungsprozesse ein wichtiges Merkmal unserer Unternehmenskultur sind. Denn nur so gelingt es uns immer wieder schnell und flexibel auf die Entwicklungen am Markt zu reagieren. Dafür braucht man natürlich die richtigen Mitarbeiter, ein hohes Maß an Vertrauen und ein System für transparente Entscheidungen. Außerdem legen wir Wert auf eine Mentalität, die Scheitern als Informationsgewinn anerkennt. Wenn man merkt, dass etwas nicht funktioniert, hat man dadurch schon eine sehr wichtige Information gewonnen – nur wer sich traut, Risiken einzugehen und vielleicht auch Fehler zu machen, kann daraus lernen.
Zu unserer Unternehmenskultur gehört auch sehr viel Eigenverantwortung. So gibt es zum Beispiel auch keine festen Arbeitszeiten oder Arbeitsplätze bei uns. Mitarbeiter übernehmen Verantwortung für eigene Projekte und Aufgabenbereiche und können selbst entscheiden, in welchem Sektor sie am meisten zum Erfolg beitragen können. Das heißt auch, dass Mitarbeiter regelmäßig ihre Positionen innerhalb des Unternehmens wechseln können.

Sie waren mit dem Börsengang von trivago betraut. Was führte zu der Überzeugung, das Unternehmen an der Nasdaq zu platzieren?

Axel Hefer: Als global agierendes Unternehmen im Online-Reisebereich war es für uns eine natürliche Entscheidung an die NASDAQ zu gehen, da dort auch alle Wettbewerber und Kunden dotiert sind.

Wie bewerten Sie den bisherigen Erfolg des Börsengangs?

Axel Hefer: Um den Erfolg zu bemessen, muss man zunächst einmal sagen, was die Zielsetzung war: Unser Ziel war es, Zugang zu einem Kapitalmarkt zu bekommen, um unseren Mitarbeitern und Investoren mehr Flexibilität zu geben. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Ihr Unternehmen ist in über 50 Ländern mit eigenen Portalen vertreten. In welchen Ländern sehen Sie zurzeit den größten Erfolg? Wo sehen Sie noch größere Potenziale?

Axel Hefer: Schauen wir nur auf den Umsatz, sind Nordamerika und Westeuropa derzeit unsere wichtigsten Märkte. Allerdings bietet Asien sehr großes Potenzial und daher sehen wir dort derzeit das größte Wachstum.

Was soll „the next big thing“ von trivago werden? Wie wollen Sie die Nutzer in den kommenden Jahren an das Portal binden?

Axel Hefer: Für die Akteure in der Online-Reisebranche wird es immer wichtiger, jeden einzelnen Kunden gut zu verstehen und für sie oder ihn das beste Produkt zu bauen. Die großen Herausforderungen sind Nutzerverstehen und das Personalisieren von Angeboten. Gerade bei der jüngeren Generation beobachten wir zum Beispiel, dass nicht mehr einfach nur nach einer Unterkunft gesucht wird, sondern nach einer speziellen Erfahrung oder nach einem Erlebnis.
Im letzten Jahr haben wir das Startup tripl übernommen, um unsere Entwicklung im Bereich Machine Learning noch weiter auszubauen. Wir haben inzwischen ein eigenes Team, das sich mit künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning beschäftigt, damit wir in Zukunft noch schneller und genauer auf die Vorlieben unserer Nutzer eingehen können.