Till Reuter Kuka Roboter

Roboter sind keine Jobkiller, sondern Helfer — Dr. Till Reuter, KUKA

Roboter können zwar in Windeseile riesige Datenmenge durchforsten, aber am Schnürsenkelbinden – also etwas, was jedes Kind schon im Kindergarten lernt – scheitern sie. An diesem Beispiel veranschaulicht Dr. Till Reuter, CEO des Industrieroboterherstellers KUKA, dass es nun gilt, die Eigenschaften von Mensch und Maschine optimal zu kombinieren. Im #HBCsuite-Interview spricht Reuter außerdem über den Stand der Spracherkennung und er verrät, welchen Roboter sich Angela Merkel von ihm gewünscht hat. 

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KUKA-CEO Dr. Till Reuter im Interview

Dr. Reuter, der Macher des SXSW Hugh Forrest benennt die “Fear of a Robot Future” als eines der größten Themen, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss. Teilen Sie seine Ansicht? Und was können wir gegen diese Angst machen?

Till Reuter: Zunächst einmal geht es bei diesen Ängsten in Wirklichkeit meist gar nicht um die Roboter selbst, sondern ganz allgemein um die Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI). Diese Fortschritte sind in manchen eng begrenzten Bereichen in der Tat beeindruckend, zum Beispiel beim autonomen Fahren. Es gibt Fähigkeiten, in denen die KI oder die Robotik dem Menschen tatsächlich überlegen ist, und umgekehrt. Roboter sind zum Beispiel sehr gut bezüglich Genauigkeit und konstanter Qualität der Ausführung. Sie können langweilige, unergonomische und gefährliche Tätigkeiten besser ausführen als der Mensch. KI ist besser im Durchforsten riesiger Datenmengen. Umgekehrt sind Menschen besser als Roboter bei sehr filigranen Tätigkeiten. Zeigen Sie mir zum Beispiel mal einen Roboter, der Schnürsenkel binden kann, was jedes Kind schon im Kindergarten lernt. Und Menschen können besser als jedes KI System Informationen reflektieren und Zusammenhänge basierend auf Kausalitäten herstellen, und nicht nur auf Basis bloßer statistischer Korrelationen. Maschinen haben auch kein Bewusstsein und keine Motivation.
Letztlich geht es darum, die komplementären Eigenschaften von Mensch und Maschine optimal zu kombinieren. So können Roboter sehr wohl den Menschen bei der Ausübung seines Berufs unterstützen und beispielsweise gesundheitsschädliche oder repetitive Aufgaben übernehmen. Ich denke, das ist eine Frage der Aufklärung. Oft mache ich die Erfahrung, dass Menschen Vorbehalte gegen Roboter haben, bis sie bei uns im Werk waren und mit ihnen in Berührung gekommen sind. Dann verstehen sie und sehen die Roboter als das was sie sind: Helfer.

Haben Roboter das schlechte Image als Jobkiller zu Unrecht?

Till ReuterDas Wirtschaftssystem hier in Deutschland basiert auf Wachstum. Dieses Wachstum sichert unsere Arbeitsplätze und unseren Wohlstand. Anstatt die Produktion aus Kostengründen in Schwellenländer zu verlagern, können wir durch flexible, roboterbasierte Automatisierung auch direkt bei uns zu wettbewerbsfähigen Konditionen und in hoher Qualität produzieren. Und wo produziert wird, entstehen Arbeitsplätze.
Es gab in der Geschichte immer wieder Ereignisse, die solche Ängste mit sich brachten. Die Einführung des Computers ist da ein gutes Beispiel. Viele fürchteten damals eine große Jobverlust-Welle. Wie wir heute wissen, war aber genau das Gegenteil der Fall. Allerdings wird Weiterbildung eine wichtige Rolle spielen, da sich die Berufsbilder natürlich wandeln werden.

Schlüssel für eine effiziente Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ist eine einfache Kommunikation. Früher ging es oft darum, die Sprache der Maschine zu erlernen, um sie zu bedienen. Wie weit ist die Spracherkennung bei Industrierobotern?

Till Reuter: Mittlerweile haben wir tatsächlich die Grenze der normalen Programmierung erreicht, speziell im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion. Die nächste Herausforderung ist eine natursprachliche Kommunikation, um dem Roboter zu erklären, was zu tun ist. Auch wenn die Spracherkennung schon recht weit ist, ist sie momentan im industriellen Kontext noch nicht verbreitet. Was aber bei unseren Robotern gut funktioniert, ist das „Programmieren“ durch vormachen oder wie wir es nennen „teachen“. Dabei führt man den Roboter einmal in seiner Bewegung. Er merkt sich das und führt die Aufgabe dann beliebig oft mehrmals hintereinander aus.

KUKA entwickelt Industrieroboter seit mehr als 40 Jahren. Auf Ihrer Webseite erwähnen Sie vergangene Quantensprüngen in der Entwicklung. Welches wird der nächste Quantensprung sein?

Till Reuter: Man kann schon jetzt beobachten, wie Roboter mehr und mehr vom industriellen ins private Umfeld vordringen. Da es hier „chaotischer“ zugeht, kommen ganz andere Anforderungen auf die Roboter und deren Programmierung zu als im industriellen Umfeld. Menschen lösen viele Aufgaben ganz selbstverständlich. Sie erkennen Gegenstände und kommen in einer unstrukturierten Umgebung zurecht. Roboter werden in Zukunft auch mit Hilfe Künstlicher Intelligenz noch flexibler einsetzbar und natürlichsprachlich programmierbar. Roboter im Haushalt, die nicht nur eine, sondern mehrere Aufgaben übernehmen können, und ähnlich selbstverständlich genutzt werden wie das Smartphone, das wäre meines Erachtens ein großer Fortschritt.

Und welche Ihrer Aufgaben dürfte Ihnen ein Roboter gerne abnehmen?

Till Reuter: Möglichst viele. Angela Merkel wünschte sich von mir einen Roboter, der Zitronen auspressen kann, Günther Oettinger möchte einen, mit dem er im Alter mobil macht. Ich möchte am liebsten ein System, das dies alles vereint und es mich im Alter möglichst lange davor bewahrt auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

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