Moderne Unternehmensführung: Allianzen statt Größe

bouee unternehmensführung

Klassische Unternehmen und innovative Startups zu agilen Firmen formen:

Die Digitalisierung ist – neben den wichtigsten makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen – die größte Herausforderung für Unternehmen. Bislang erfolgreiche Geschäftsmodelle kollabieren. Noch nie kamen so viele neue Produkte und Dienstleistungen so schnell auf den Markt wie heute. Die Forschung übertrifft mittlerweile die kühnsten Spekulationen früherer Science Fiction und das Tempo dieser Entwicklungen nimmt noch zu. Klassisch organisierte Unternehmen müssen sich deshalb darauf einstellen, dass Stabilität dem permanenten Wandel weicht. In der Geschäftswelt wird dieses Phänomen unter dem Akronym „VUCA“ (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität) zusammengefasst.

Was also tun, wenn die Welt um uns herum „VUCA“ wird? Der dynamische Wandel bestätigt, dass es für Unternehmen noch nie ein Gewinn war, an verankerten Geschäftsmodellen festzuhalten und sich dem Neuen zu verschließen. Starre Denkmuster und ein unflexibles Verständnis von Wertschöpfungsprozessen behindern die Beweglichkeit vieler Firmen – und auch die des Kapitals, das in großen Produktionseinheiten und komplexen Prozessen gebunden ist.

Light Footprint Management – das Basisprinzip moderner Organisationsformen

Hier zeigt Light Footprint Management, ein moderner Leitfaden flexibler Unternehmensführung, einen neuen Weg auf, der mit traditionellen Paradigmen bricht. Dieser unkonventionelle Ansatz hat seine Wurzeln in der modernen Militärführung. Denn hier – genau wie im Geschäftsleben – ist es lebenswichtig, schlank organisiert zu sein, um flexibel, effizient und zielgerichtet zu handeln. „Modulare Strukturen“ lautet das Stichwort. Für Firmen bedeutet dies: kleine, bewegliche Einheiten, die dynamisch und eigenständig über ihren Einsatz entscheiden und sich bei Bedarf kurzfristig mit den notwendigen Ressourcen – seien es Mitarbeiter oder Technologien – versorgen können.

Um Innovationen in Zukunft noch schneller vorantreiben zu können, kommt es darauf an, Technologie klug einzusetzen, die eigene Organisation richtig aufzustellen und eine moderne Unternehmenskultur zu schaffen. Großkonzerne sind in einer Zeit entstanden, in der die Transaktionskosten besonders hoch waren. Damals ging es daher vor allem darum, diese Kosten zu minimieren und möglichst viele Kompetenzen „in-house“ zu bündeln. Heute sind die Transaktionskosten aber deutlich gesunken; Firmen sollten sich daher für flexible Strukturen entscheiden – ganz nach dem Prinzip des Light Footprint Managements.

Innovative Technologien und flexible Innovationsstrukturen für das Unternehmen der Zukunft

Vernetzung, künstliche Intelligenz, Automatisierung und datengestützte Geschäftsmodelle bieten Unternehmen heute ganz neue Möglichkeiten. Ein klassisches Beispiel ist die Automobilindustrie: Die Branche befindet sich in einem radikalen Umbruch – von der vernetzten Mobilität bis hin zum autonomen Fahren. Innovative und zum Teil branchenfremde Marktteilnehmer sind längst in diese Zukunft gestartet und setzen die etablierten Automobilhersteller und Zulieferer immer stärker unter Druck. Deren Zukunft wird infrage gestellt.

Wie sollten also etablierte Unternehmen diese Herausforderungen meistern? Der Light Footprint Management-Ansatz gibt die Antwort: Automobilhersteller sollten ihre alten Denk- und Entscheidungsstrukturen über Bord werfen, sich den neuen technologischen Entwicklungen öffnen und sich mit geschickten Allianzen für den Kampf um das digitale Auto der Zukunft rüsten.

Doch nicht nur innovative Technologien spielen für die Zukunft der Unternehmen eine wesentliche Rolle. Auch die Organisationsstrukturen entscheiden über die Flexibilität einer Firma. Beispiel Gesundheitsbranche: Parallel zu den etablierten Pharmariesen und Medizintechnikherstellern florieren in diesem Markt Startups, die an innovativen Methoden der Diagnostik und der personalisierten Therapie arbeiten (Stichwort „Nanoroboter“). Big Data-Experten entwickeln neue Algorithmen; Datenspezialisten verarbeiten digitale Informationen über die Patienten. Diese Marktakteure sind nicht fester Bestandteil der linearen Wertschöpfungskette der Gesundheitsindustrie. Sie docken vielmehr als eigenständige „Innovationsmaschinen“ an den Stellen an, an denen traditionelle Unternehmen nicht schnell genug eigene Kompetenzen aufbauen können. Damit ein solches Ökosystem gedeihen kann, muss sich jedoch das traditionelle Verständnis von wirtschaftlichen Organisationen ändern. Dafür sind innovative Partnerschaften zwischen Großunternehmen und Startups erforderlich.

Zusammenarbeit zwischen klassischen Unternehmen und Startups als entscheidender Innovationsschub

Großunternehmen und Startups haben oft Kompetenzen, die einander ergänzen. In multinationalen Konzernen konzentrieren sich enormes Wissen und Erfahrung über Märkte und Kunden. Großunternehmen verfügen über ausgefeiltes Marketing-Knowhow, unterschiedliche Vertriebskanäle und bemerkenswerte Innovations- und Entwicklungskraft. Ihr Potenzial ist oft viel größer, als sie selbst wissen. Doch sie müssen dieses Potenzial freisetzen, flexibler und schneller werden, weil auch ihr Umfeld immer flexibler und schneller wird.

Startups wiederum können klassische Unternehmen dabei unterstützen, indem sie jene Kompetenzen beisteuern, die sich zu schnell verändern, um von den Konzernen selbst aufgebaut zu werden. So arbeiten zum Beispiel deutsche und ausländische Energieriesen im Smart-Grid-Bereich regelmäßig mit Startups zusammen. Ein internationaler Öl- und Gaskonzern hat unlängst beschlossen, in Zusammenarbeit mit einem führenden Accelerator fünf neue und unabhängige Startups aufzubauen. Dieses „Excubator-Konzept“, das es Firmen ermöglicht, auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Startups zu gründen und deren Entwicklung unabhängig vom Kerngeschäft voranzutreiben, gehört heute zu den zukunftsträchtigsten Strategien in der digitalen Welt.

Denn heute geht es nicht mehr darum, sich junge Firmen einzuverleiben, sondern um intelligente Kooperation, die allen nützt. Die Zusammenarbeit kann dabei verschiedene Formen annehmen: vom rein finanziellen Engagement bei einem Inkubator über Venture Capital bis hin zu enger partnerschaftlicher Koexistenz.

Neue Firmenstrukturen – neue Anforderungen an die Mitarbeiter

Wer verstärkt in Richtung Kooperationen und Netzwerke denkt, wird langfristig auch die Kultur seines Unternehmens neu ausrichten müssen, um flexibler und wandlungsfähiger zu sein. Viele multinationale Konzerne arbeiten deshalb an einem digitalen Wandel, der auch die Reaktionsfähigkeit der eigenen Strukturen verbessern soll. Das bietet viele neue Chancen – zumal es den Ansprüchen der Generationen X und Y in Bezug auf persönliche Entfaltung und freie Zeiteinteilung entgegenkommt.

Doch dieser Wandel stellt auch Firmen und ihre Mitarbeiter vor neue Herausforderungen, denn künstliche Intelligenz und Robotertechnologien werden künftig fast alle Prozesse und Strukturen verändern und das traditionelle Arbeitnehmer-Arbeitgeberverhältnis stark beeinflussen.

bouee unternehmensführungAutor: Charles-Edouard Bouée, CEO der Unternehmensberatung Roland Berger, ist einer der Referenten von „C-Suite – Next Level Leadership“, dem neuen Business-Salon für das C-Level von morgen und Experte für agile Unternehmensführung. Sein Thema: „Digitalisierung – wie Unternehmen den Wandel erfolgreich meistern können.“

Programm downloaden