Gerd Leonhard Futurist Technologie

Von Science Fiction zu Science Fact — Gerd Leonhard: Technologie ist bereits unser Lebenszweck

Technologie ist mittlerweile die mächtigste Kraft in unserem Leben. Futurist Gerd Leonhard findet das zum größten Teil nicht schlecht. Jedoch gibt es auch Entscheidungen, die wir auf keinen Fall von einer künstlichen Intelligenz treffen lassen sollten. Welche, verrät der C-Suite-Sprecher in diesem Interview.

Bei der Handelsblatt C-Suite (#HBcsuite) im Juli in Berlin analysiert Gerd Leonhard in seinem Kick Off „Technology vs. Humanity“, wie die Technologisierung nicht nur unsere Gesellschaft und Ökonomie, sondern auch unser Wertesystem radikal verändern wird. Lassen Sie sich von ihm und anderen Hochkarätern inspirieren.

Gerd Leonhard, Sie sprechen in Ihrem Buch „Technology vs. Humanity“ darüber, dass Science Fiction bereits zum Science Fact geworden ist und stellen die These auf, dass Technologie bereits zu unserem Lebenszweck geworden ist. Was genau meinen Sie damit?

Gerd Leonhard: Ja, in meinem Buch „Technology vs. Humanity“, das jetzt hoffentlich bald auch auf Deutsch erscheinen wird, spreche ich darüber, dass Technologie mittlerweile die mächtigste Kraft in unserem Leben geworden ist – und das ist zum größten Teil nicht schlecht.
Wir haben einige Vorteile dadurch. Und es geht soweit, dass Technologie in den nächsten zehn Jahren eigentlich alles kann. Zum Beispiel gibt es intelligente Maschinen, Manipulationen der menschlichen Genome, sie kann sogar das Wetter verändern. Das heißt, wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem wir entscheiden müssen, inwieweit Technologie ein Selbstzweck ist, oder ein Werkzeug. Ein Werkzeug wäre z. B. ein Computer, der mitdenkt und bessere Arbeit leistet. Ein Selbstzweck wäre ein Computer, der dann selbst bestimmt und bei dem ich gar nichts mehr machen darf, weil er es besser weiß. Und wir kommen beispielsweise bei selbstfahrenden Autos irgendwann an diesen Punkt, an dem ganz klar ist, dass diese Autos früher oder später selbst besser fahren, als wir und dass das dann vielleicht bedeutet, dass wir nicht mehr Autofahren dürfen oder sollten oder dürfen. (lacht) Das sind die Fragen, die wir in Zukunft bewältigen müssen: Inwieweit Technologie als Werkzeug dasteht oder als Sinn oder als Herrscher.

„Es geht soweit, dass Technologie in den nächsten zehn Jahren eigentlich alles kann.“

So dass wir selbst fast nichts mehr zu sagen haben…

Gerd Leonhard: Das wollte ich damit nicht sagen. Aber dass beispielsweise die Gefahr besteht, dass wir uns zu sehr anpassen und wichtige Entscheidungen den Maschinen überlassen. In Amerika gibt es zum Beispiel bereits die ersten Modellversuche, bei denen ein Richter von einem Computer ersetzt wird. Also dort, wo vorher ein Mensch entschieden hat, ob eine Person, die einmal straffällig geworden ist, wieder aus dem Gefängnis entlassen wird und nochmal neu anfangen darf, oder ob sie vielleicht wieder straffällig werden wird, dort entscheiden heute bereits Maschinen anstelle eines Richters.

„Wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem wir entschieden müssen, inwieweit Technologie ein Selbstzweck ist, oder ein Werkzeug.“

Auch im Bereich automobiles Fahren, gibt es ja eine ganz ähnliche Fragestellung, wenn entschieden werden muss, welchem Ziel vielleicht ein autonomes Fahrzeug ausweicht, um ein anderes zu verletzen. Ob es also eher den Fahrer schützt, oder den Fußgänger beispielsweise.

Gerd Leonhard: Ja, aber der Unterschied beim Autofahren ist ja eigentlich der, dass wir darauf verzichten können. Denn Autofahren ist ja kein menschliches Recht, oder auch kein menschliches Bedürfnis eigentlich, von einigen Leuten mal abgesehen (lacht). Aber es ist jetzt nichts, was sehr bedeutend für unser Leben ist. Aber zum Beispiel die Auswahl des Partners oder der Partnerin, die Überlegung, ob wir vor dem Hintergrund bestimmter Genkonstellationen ein Kind haben sollen oder nicht, oder politische Entscheidungen, das sind Dinge, die wir auf keinen Fall von einer künstlichen Intelligenz treffen lassen sollten.

„Die Entscheidung, ob wir mit bestimmten Genen Kinder bekommen, sollten wir sicherlich nicht von einer künstlichen Intelligenz treffen lassen:“

Und fraglos wird die zunehmende Technologisierung auch einige Folgen nach sich ziehen, die gesellschaftliches Konfliktpotential bergen. Beispielsweise werden zukünftig viele Jobs wegfallen, deren Tätigkeiten automatisiert werden können. Experten sprechen von bis zu 60% in den kommenden Jahrzehnten. Eine schöne Vision, die in diesem Zusammenhang häufig gezeichnet wird, ist, dass wir zukünftig alle weniger arbeiten werden, weil Maschinen Tätigkeiten für uns übernehmen. Glauben Sie, dass dies wirklich der Fall sein wird oder glauben Sie, dass diese Entwicklung Folgen haben wird, über die wir uns eigentlich eher Sorgen machen müssen?

Gerd Leonhard: Auf jeden Fall! Ich denke, dass diese „technologische Arbeitslosigkeit“ relativ sicher ist. In der Schweiz ist das nicht so ein großes Thema für uns – in Deutschland vielleicht ein bisschen mehr -, weil wir nicht so gigantisch viele Leute haben, die Routinejobs ausüben, z. B. im Call-Center. Wir haben einige, aber in Ländern, wie China, Indien oder Brasilien sind es wesentlich mehr.
Aber es ist vollkommen klar, dass alles, was Routine ist, nun durch Maschinen ersetzt werden wird, denn diese können jetzt langsam die Anforderungen dieser Routinejobs erlernen. Und in fünfzehn Jahren werden alle Jobs, die auf Routine basieren, durch Maschinen ersetzt. Zum Beispiel der Kassierer im Supermarkt, Finanzbetreuer, die einfach simple Beratungen machen oder Buchhalter – vielleicht sogar Piloten. Einerseits ist das gut, denn dann können wir andere Jobs machen, die darüber hinaus gehen, wir können also andere Jobs erledigen, die “menschlicher“ sind.
Andererseits wird das natürlich eine große Welle der Arbeitslosigkeit von LKW-, Taxi-, oder Busfahrern oder Kassierern nach sich ziehen. Also die Arbeitnehmer, die heute Jobs erledigen, die eigentlich ohnehin keiner so richtig machen will, die werden natürlich dann nicht so gut dastehen. Deshalb müssen wir uns überlegen, welche die sozialen Konsequenzen das hat. Und ob es beispielsweise eine Lösung sein kann, dass wir z.B. Roboter mit einer Steuer belegen – eine Automatisierungssteuer, wie sie auch Bill Gates schon vorgeschlagen hat.

„Eine technologisch bedingte Arbeitslosigkeit ist relativ sicher! Viele einfache Jobs, wie die des Busfahrers, des Kassierers z. B. werden wegfallen.“

Ganz sicher müssen wir unsere Kinder in der Schule anders erziehen. Unsere Kids müssen Dinge lernen, die wirklich nur Menschen können, also eben nicht Buchhaltung bspw. (lacht). Es geht darum „mehr Mensch“ zu werden, denn nur Dinge, die wirklich menschlich sind, können nicht von Maschinen ersetzt werden, wie Verhandlungen, Diskussionen, Kreativität, Intuition, Vorstellungskraft. Der Trend zu mehr Technologie ist also nicht unbedingt schlecht, aber ich glaube, dass wir zwischen der Erneuerung des Arbeitswesens und dem Verlust der Arbeitsplätze eine Art „Tal des Todes“ durchschreiten werden, in der es die neuen Jobs noch nicht gibt und die alten schon weggefallen sind. Dafür benötigen wir sicher eine soziale Regelung, wie z.B. früher oder später das garantierte Mindesteinkommen, womit wir diese Dinge auffangen könnten, so dass wir dann Arbeit und Geld trennen können. Aber das ist eben grundsätzlich nicht kapitalistisch gedacht und darüber wird och große Diskussion in Gesellschaften geben, wie das zu händeln sein wird. Aber es kommt ganz sicher auf uns zu.

 „Eine Lösung könnte es sein, Roboter mit einer Automatisierungssteuer zu belegen.“

Gegen ein Mindesteinkommen hätte ich nichts einzuwenden. Das wäre eine schöne Vorstellung von einer digitalisierten Zukunft…

Gerd Leonhard: Das geht auch in der Schweiz gut. Wir können uns das hier leisten und das ergibt auch Sinn, da andere Sozialleistungen dadurch wegfallen. Das ist eine gesellschaftliche Frage. Ich glaube, wenn wir uns anschauen, wie sich Technologie heute entwickelt – also exponentiell – dann ist sie in sieben Jahren 30 mal so weit wie heute und in dreißig Jahren vielleicht eine Milliarde mal so weit wie heute. Und ich glaube, das wird früher oder später unser ganzes ökonomisches System aushebeln, weil sich Konsum ändert, wenn sich unsere Gesellschaft ändert. Weil viele Dinge dann z. B. radikal billiger werden, z. B. Gesundheitsvorsorge, medizinische Ausgaben und dergleichen. Und das wird früher oder später bedeuten, dass wir diese Art von Kapitalismus, wie wir sie jetzt betreiben dann einfach hinter uns lassen müssen und uns so eine Art „Postkapitalismus“ bevorsteht. Aber da ist es mindestens noch 15 bis 20 Jahre hin.

Aber das ist ja gar nicht mehr so lange… wir haben gerade schon ein wenig darüber gesprochen – wie glauben Sie, wird sich die zukünftige Arbeitslandschaft verändern, wenn man zugrunde legt, dass die zunehmende Ökonomisierung unserer Gesellschaft bereits dazu beigetragen hat, Individualität und soziales Denken mehr und mehr in Frage zu stellen? Wird es in einer immer digitalisierten Zukunft mehr oder weniger Individualität, Kreativität und dergleichen geben?

Gerd Leonhard: Wie gesagt müssen wir unser Ausbildungssystem grundsätzlich umstellen, also genau anders herum gestalten. Früher hat man von Menschen erwartet, dass sie funktionieren wie Roboter. Dass sie ihren Plan erfüllen und effektiv sind und das ist ja genau das, was Maschinen machen. Maschinen sind so effektiv und effizient, dass wir sie niemals schlagen werden können. Und in zehn Jahren sind sie eine Milliarde Mal so effizient oder „unendlich effizient“. Das heißt, die menschliche Ineffizienz, ihre Kreativität, ihr Bewusstsein, ihre Ethik – das sind Dinge, die Maschinen noch lange nicht verstehen werden – vielleicht nie, hoffe ich. Und das ist genau das, was unsere Ausbildungsinstitute anbieten müssen. Wir müssen also sowohl Technologie verstehen lernen, als auch „mehr Mensch sein“, weil diese beiden Dinge in der Zukunft untrennbar zusammengehören. Wir müssen die Technologie verstehen, um beurteilen zu können, was sie kann und was sie nicht kann – zum Beispiel künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge usw. Wir brauchen also eine Balance und die muss teilweise auch staatlich vorgegeben sein.

Technologie entwickelt sich heute exponentiell und in sieben Jahren ist sie vielleicht schon 30-mal so weit wie heute, in dreißig Jahren vielleicht eine Milliarde Mal soweit.“

Müssen wir in Zukunft auch neu definieren, was menschlich und was technisch, was also Maschine ist?

Gerd Leonhard: Ja, ich sage mal, im Fall der sich exponentiell entwickelnden Technologie, die wir jetzt hauptsächlich in drei Bereichen bekommen werden, nämlich bei der künstlichen Intelligenz, der Gen-Manipulation und dem Geo-Engineering – da wird hinzukommen, dass wir auch „exponentiell Mensch sein“ müssen. Und das ist genau das, was uns in der Zukunft ausmacht – wir werden quasi „supermenschlich“ sein müssen mit der Macht von Technologie – übermenschlich, sozusagen – „becoming as God“ sagt man in Amerika (lacht). Arbeit, die wir vorher mit 1000 Leuten gemacht haben, können wir dann mit nur einer Person machen. Und wir müssen dann einfach menschlicher sein, um unsere Arbeit, unsere Welt mit Sinn zu erfüllen. Das ist die Arbeit der Zukunft, wie ich glaube. Also kreative Arbeit, die nicht nur aus „Nullen und Einsen“ besteht, die also nicht robotermäßig ist.

„Wir müssen wieder „mehr Mensch“ sein und das müssen unsere Kinder schon in der Schule lernen.“

Eigentlich haben wir damit jetzt auch schon meine nächste Frage vorweggenommen, ich hatte mir nämlich vorgenommen, Sie zu fragen, was für Sie das absolut Positive an der Digitalisierung ist. Aber das Bild, dass Sie bisher gezeichnet haben, ist ja ein durchweg positives.

Gerd Leonhard: Ja, ich würde sagen, daran ist eigentlich alles positiv. Wir müssen nur den gesellschaftlichen Rahmen stecken. Denn Arbeit ist ja nicht nur Geld, es ist auch Fulfillment, also Selbstrealisierung und Sinn. Vor allen Dingen für Männer. Deshalb werden Frauen in Zukunft vermutlich besser aufgestellt sein als Männer, weil sie meist nicht diese überdimensionale Bindung an den Job grundsätzlich haben, sondern bei ihnen Dinge, wie zum Beispiel Kinder zu bekommen und Familien zu gründen, auch im Vordergrund stehen. Also zumindest bis jetzt (lacht). Das heißt, wir haben auf einmal eine Situation, in der dieser Sinn des Lebens, nämlich arbeiten und Geld verdienen, in Frage gestellt wird. Und das müssen wir erst einmal bewältigen. Da gibt es ganz sicherlich einige soziale Probleme, die wir regeln müssen. Und es wird eine große Herausforderung für Regierungen, für den Staat, zu entscheiden, was wir automatisieren und was nicht – auch wenn’s vielleicht billiger ist. Das werden teilweise sehr schwierige Entscheidungen sein – zwischen Einkommen und Menschlichkeit bzw. zwischen Profit und Wachstum auf der einen und Menschlichkeit auf der anderen Seite.

„Frauen werden in der Zukunft vermutlich besser aufgestellt sein, als Männer.“

Sie sind Referent der Handelsblatt C-Suite am 6. und 7. Juli. Dort werden sich die CEOs und Leader von heute treffen. Was glauben Sie, wie die CEOs von morgen beschaffen sein müssen, um den Herausforderungen einer digitalen Zukunft gewachsen zu sein?

Gerd Leonhard: Die Digitalisierung ist ja nur einer von zehn Aspekten, die ich in meinem Buch beleuchte. Da ist die Digitalisierung, die Mobilisierung, die Virtualisierung, die Roboterisierung und die Automatisierung usw. (lacht). Das hängt alles zusammen. Erstmal muss ein CEO exponentiell denken können. Er muss sich vorstellen können, dass wir uns mit Hilfe dieser Technologien eben nicht graduell auf einer linearen Skala verbessern. Sondern, dass wir große Sprünge machen, dass sich gemäß dem Metcalfe‘s Law, der sogenannten “Power of Networks“, die Möglichkeiten der Technologie alle 18 Monate und bald vielleicht alle 10-12 Monate verdoppeln werden, während die Preise um die Hälfte sinken. Das heißt, wir müssen jetzt aufhören zu sagen: Okay, wir machen es in diesem Jahr ein bisschen besser als im letzten Jahr und dann in fünf Jahren „fünfmal oder fünf Prozent besser“, sondern die Geschwindigkeit dieser Entwicklung verdoppelt sich. Jeder CEO muss wissen, was in fünf Jahren passiert.
Das heißt, wir müssen auch exponentiell verstehen und vorausschauen – „Foresights gewinnen“, wie wir unter Futuristen sagen. Diese Entwicklung müssen wir in ihrer ganzen Bandbreite verstehen und uns dann überlegen, wohin wir unser Geschäftsmodell in der Zukunft entwickeln. Was wir in unserer Arbeit als Futuristen häufig sagen, ist, dass wir von dieser Zukunft „zurückkommen müssen“. Das heißt, dass wir uns vorstellen, was in fünf Jahren sein könnte und dann rückwärts denken und entscheiden: Wenn das und das der Fall sein wird, müssen wir jetzt das Folgende tun.

„CEOs müssen heute anfangen, exponentiell zu denken und wissen, was in der Zukunft passiert, um diese gestalten zu können.“

Glauben Sie nicht, dass ein CEO, der vielleicht kein Digital Native ist, da nicht wird mithalten können? Schon heute gibt es ja viele Menschen – dazu gehören auch Geschäftsführer und Arbeitnehmer – die sich bereits überfordert fühlen von der Geschwindigkeit, mit der die Entwicklung voranschreitet, dem immer neuen Hinzulernen. Provokant gefragt: Könnte es sein, dass die Konsequenz ist, dass bald viele CEOs das Ruder an die jüngere Generation abgeben?

Gerd Leonhard: Zukünftig wird es erstens keine Trennung mehr geben zwischen digital und nicht digital und online und offline – das verschwindet vollkommen. Connected zu sein, wird so sein, wie Wasser oder Strom zu haben. Und ich glaube, das ist keine Frage des Alters. Man muss kein Digital Native sein, man muss einfach grundsätzlich offen sein für das Verstehen von dem, was passiert – das kann ein 65-Jähriger genauso wie ein 15-Jähriger (lacht). Das ist einfach eine Frage der Geisteshaltung, des jeweiligen Paradigmas. Das sehe ich auch immer wieder in meiner Arbeit. Viele CEOs, mit denen ich arbeite, sind zwischen 50 und 60, teilweise sogar 70 und schaffen das locker, wenn sie einmal den Mut dazu gefasst haben. Ich glaube, dass Wichtigste ist, dass der CEO sich diese Zukunft vorstellen kann, denn, wenn er sich diese Zukunft nicht vorstellen kann, dann kann er sie auch nicht gestalten. Also mit anderen Worten, wenn der CEO nicht weiß, was in fünf Jahren ist, dann sind die Chancen sehr groß, dass er irgendwann mit dem „vor die Wand fährt“, was er tut.
Und es kommt immer auch auf die Branche an, manchmal dauert es länger, manchmal kürzer. Aber man sieht es sehr gut im Musik-Business, im Publishing-Business oder jetzt auch bei den Banken mit Blockchain beispielsweise. Das ist einfach eine Art von Leadership, die solche Trends erkennen kann, die ein CEO braucht, um sagen zu können: „Ich kann in die Zukunft führen!“ Um in die Zukunft zu führen, muss er sie verstehen und dafür muss er sich Zeit nehmen. Also es ist ja unglaublich oft so,
dass wir sagen: „Die Zukunft kommt sowieso, da mache ich lieber heute das richtig, was ich heute mache.“ Aber das ist ein großer Fehler. Das heißt, wir können nicht mehr „wait and see“ machen. Ich sage immer „wait and see means wait to die“.

Sie sind erfolgreicher Autor und gefragter Redner auf den Bühnen der Welt – wenn Sie einen Roboter hätten, was sollte der Ihnen abnehmen?

Gerd Leonhard: Es wäre gut, wenn er mir Dinge abnehmen könnte, die eigentlich meinen Geist brauchen, also hauptsächlich Recherche und Dinge zu verstehen, und das ist genau das, was er eben nicht kann. Also in gewisser Weise habe ich ja schon Roboter, die für mich recherchieren, meinen Newsfeed bedienen etc. Aber ich muss ja immer noch alles selbst verstehen (lacht). Aber was ich wirklich gerne loswerden würde, das wäre Marketing und Social Media. Aber da wiederum liegt auch Problem: Wenn ich es nicht selber mache, wird es sich auch anfühlen wie von einer Maschine gemacht, das will man natürlich auch nicht. Daher… Worüber ich mich wirklich freue ist, dass ich jetzt bald nicht mehr Autofahren muss!

Gerd Leonhard

Gerd Leonhard

 

Nach Stationen als Theologie-Student, professioneller Jazz-Gitarrist und Internet-Unternehmer in den USA ist Gerd Leonhard einer der weltweit einflussreichsten Futuristen mit einem Publikum von mehr als 1 Mio. Menschen.