Robo-Advice in der bAV


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Ulrich Mix, Geschäftsführer, Deutsche Pensions Group

Es trifft wahrlich nicht zu, dass wir Bundesbürger und die digitale Welt Gegensätze bilden. Der Deutsche googelt, kauft bei Amazon ein, er- und versteigert bei eBay, schaut sich Filme bei YouTube an, kommuniziert mit WhatsApp und hört Musik bei Spotify.

Beim Geld anlegen ist er aber noch zurückhaltend. Deshalb haben die so genannten Robo-Advisor den Durchbruch in Deutschland noch nicht geschafft, obgleich diese die Revolution der Geldanlage in Deutschland ausgerufen haben. Online Banking auf dem Smartphone betreiben gerade mal 20 % der Deutschen, wobei es sich noch um vergleichsweise einfache Banking-Prozesse handelt. Hört bei Bankgeschäften das Vertrauen in die digitale Technik auf und wird das dann nicht auch für die Geldanlage in der bAV gelten?

Der Antwort vorgelagert ist die Frage, was kann bzw. was sollte ein Robo-Advisor eigentlich können.

Die Funktion des Robo-Advisors besteht derzeit noch überwiegend darin, das Angebot der Bank in der Vermögensverwaltung zu digitalisieren und zu automatisieren. Der Robo-Advisor fragt wie alt der Kunde ist, welches Vermögen vorliegt, wie viel Geld mit welchem Risikoprofil angelegt werden soll und über welchen Zeitraum? Der Kunde bekommt sodann ein Musterportfolio vorgestellt, das grundsätzlich auf sog. ETFs (Exchange Traded Fund’s) basiert. Nach Anlage erhält der Kunde ein laufendes Reporting. Der Robo-Advisor stellt letztlich die digitale Infrastruktur und übernimmt darüber hinaus wesentliche Kommunikationsaufgaben.

Die Aufgabe des typischen Robo-Advisors bei Bankgeschäften liegt damit vor allem in der Automatisierung des Informations-, Beratungs- und Investitionsprozesses einer einzelnen Person. Mit der Beantwortung der vorstehenden Fragen wird das Anlageprofil des Kunden bestimmt, die Höhe des Investitionsbetrages festgelegt und sodann mit der Ableitung eines konkreten Portfolios die Schritte zur Umsetzung – Stammdaten, Kontoverbindung, Freibetragswahl, etc. – abgearbeitet.

In der bAV ist die Entgeltumwandlung von Mitarbeitern mit einer privaten Geldanlage noch am ehesten vergleichbar. Hier dürfte in erster Linie das Anwendungsgebiet für entsprechende Robo-Advisor liegen. Der Robo-Advisor entfaltet dann seinen vollen Wert, wenn der Informationsbedarf bzw. das Informationserfordernis oder aber der Beratungsbedarf besonders hoch ist. Das ist vor allem bei  Wahlrechten im bAV-Angebot des jeweiligen Unternehmens der Fall und auch dann, wenn die Bedeutung der bAV zur Schließung von Versorgungslücken groß und der Beratungsbedarf zur Bestimmung des „Sparbetrages“ hoch ist.

Das Leistungsspektrum eines Robo-Advisors in der bAV erfordert in erster Linie Information und Aufklärung des Mitarbeiters, also Darstellung der Möglichkeiten aufgrund der erteilten Versorgungszusagen, Bereitstellung eines Versorgungslückenrechners zur Ermittlung des konkreten Bedarfs und betragsmäßige Festlegung der Höhe. Bei Wahlmöglichkeiten sollte über eine entsprechende Applikation eine Vergleichsmöglichkeit bestehen. Da die Stammdaten bereits in der Personalabteilung vorliegen, kann dann die Entscheidung des Mitarbeiters vergleichsweise einfach umgesetzt werden. Schließlich bietet sich eine digitale Umsetzung des laufenden Reportings an.

Dieser Informations- und Beratungsbedarf ist sicherlich in der neuen Beitragszusage nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz besonders hoch. In den allgemeinen Informationen sind Applikationen zur individualisierten Brutto-/Nettoberechnung oder zum Vergleich zwischen der 3.63-Umwandlung und dem bAV-Riester zur Verfügung zu stellen. Anträge und Opting-out-Prozesse sind zu digitalisieren und zu dokumentieren. Die gesetzlich in einer ausführlichen Mindestqualität geforderten jährlichen Informationen müssen ebenfalls digital zur Verfügung gestellt werden. Da das Betriebsrentenstärkungsgesetz eine kostengünstige, mit niedrigen Vertriebskosten belastete Versorgung in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt hat, nimmt demzufolge die Digitalisierung dieser Prozesse eine zentrale Rolle ein. Wir sollten daher die Digitalisierung in der bAV wie auch den Robo-Advice als notwendige Herausforderung verstehen.

Dabei sollte der Robo-Advisor in der bAV mehr können als informieren, beraten und Prozesse automatisieren. Er sollte im Kern der Vermögensverwaltung, dem laufenden Asset Management, Risiko- und Reallokationsaufgaben übernehmen. Auf Basis eines regelbasierten Managementkonzeptes besteht die Möglichkeit, sowohlkostengünstige als auch maximal transparente und leicht erklärbare Produkte in der Vermögensverwaltung anzubieten und sie dynamisch zu steuern. Der Robo-Advisor übernimmt das Risikomanagement mit individuellen Verlustschwellen, ohne die Kosten in nennenswertem Umfang zu erhöhen. Damit kann das Produktangebot flexibler, attraktiver und nachvollziehbarer gestaltet werden. Die derzeitige Diskussion über das Erfodernis und die Möglichkeit einer Individualisierung in der deutschen bAV wird sich zugunsten des internationalen Trends zu mehr Wahlmöglichkeiten und Individualisierungen in der Entgeltumwandlung entscheiden. Dann eröffnet der Robo-Advisor die zusätzliche Möglichkeit, den Mitarbeiter auf Basis von Risikomanagementregeln in der Fondsselektion und -reallokation zu unterstützen.

Schließlich sind dem Robo-Advisor auch bei der Administration von Beitragszusagen nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetzes keine Grenzen gesetzt. Denkbar ist die Verwaltung des sog. Pufferungsmechanismus, den der Gesetzgeber für den kollektiven Risikoausgleich vorgesehen hat, direkt in die Kontoverwaltung zu integrieren. Auf der Basis täglicher Kapitalentwicklung können dem Mitarbeiter Informationen über die erwartete Höhe von Rentenbausteinen sowie über die veränderten Wahrscheinlichkeiten von Rentenerhöhungen oder auch –kürzungen angezeigt werden. Informationen gewinnen an Aktualität,  Aussagekraft und schaffen damit auch Vertrauen, das für die Akzeptanz der bAV eine notwendige Voraussetzung ist.