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dpn portraitiert Utta Kuckertz-Wockel, Senior-Konferenz-Managerin bei EUROFORUM

Jede Industrie, jede Branche, jedes Parkett benötigt Plattformen und Foren, in denen der fachliche Austausch der Akteure stattfindet. Medien sind solche Plattformen, Konferenzen auch. Nikolaus Bora über Utta Kuckertz-Wockel.

Sie habe schon immer gern gesungen, sagt Utta Kuckertz-Wockel, darum sei sie als junges Mädchen im Chor der Musikschule gewesen. Heute singt sie klassische Choralwerke in der Kantorei Sankt Pankratius in ihrem Wohnort Burgdorf bei Hannover. Einstudiert wird derzeit die Sinfoniekantate Lobgesang von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Wer, in welcher Form auch immer, an der Gestaltung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in Deutschland beteiligt ist, kennt Kuckertz-Wockel, allerdings zumeist nicht als Chormitglied, sondern als
Senior-Konferenz-Managerin bei Euroforum Deutschland SE. Dort ist sie – seit 2005 – verantwortlich für die „Handelsblatt Jahrestagung Betriebliche Altersversorgung“.

Von Essen nach London nach Münster in Westfalen …
Utta Kuckertz-Wockel, Jahrgang 1964, wuchs in Kettwig auf, damals noch eine selbstständige Kleinstadt, heute einer der grünsten Stadtteile Essens. An einem privaten katholischen Mädchengymnasium machte sie 1983 das Abitur und ging nach London. „In der Schule war ich gut in meinem Lieblingsfach Mathematik, aber mein Englisch hätte besser sein können.“ Also paukte sie eineinhalb Jahre Wirtschaftsenglisch und Wirtschaft an der Themse. „Da wurde mir klar, dass ich Volkswirtschafts- und nicht Betriebswirtschaftslehre studieren werde. Mich haben immer, das ist noch heute so, in erster Linie die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge interessiert, weniger die einzelnen unternehmensspezifischen Problemstellungen.“ Das VWL-Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster – als Wahlfach hatte sie sich für Ökonometrie entschieden – beendete sie 1989 als Diplom-Volkswirtin. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem Europäischen Währungssystem (EWS). „Das Thema war ganz aktuell. Es ging um die Frage, ob und wie das 1978 von Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing ausgearbeitete EWS mit dem Wechselkursmechanismus erweitert werden sollte. Es wurde damals zunächst nur von acht Ländern der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft angewendet.“

… und alles noch ohne die bAV
Mit der bAV sei sie in den Jahren an der Universität nie in Berührung gekommen, sagt Utta Kuckertz-Wockel. Direkt nach dem Studium wurde sie Junior-Konferenz-Managerin für aktuelle Wirtschaftsthemen bei einem Frankfurter Unternehmen, das einige Jahre später von Euroforum Deutschland aufgekauft wurde. Da war sie aber bereits zu Euroforum gewechselt und dort zur Konferenz-Managerin für die Branchen Banken, Versicherungen, Immobilien und IT aufgestiegen.

17 Jahre Homeoffice
Von 1995 bis 2000 legte sie eine Familienphase ein. Sie hatte einen Banker geheiratet, und in dieser Zeit wurden ihre beiden Töchter geboren. Dass sie sich, auch als sie nach der Pause Senior-Konferenz-Managerin wurde, weiterhin um die Familie kümmern konnte, verdankt sie einer Besonderheit. „Ich habe seit 17 Jahren ein Homeoffice und muss nur zwei bis vier Tage im Monat in der Zentrale von Euroforum in Düsseldorf sein.“

Nach ihrer Rückkehr in den Job betreute Utta Kuckertz-Wockel den Themenbereich Versicherungen. „Über diese Schiene bin ich mit der Riester-Reform, also mit dem Altersvermögensgesetz und dem Altersvermögensergänzungsgesetz und damit auch mit der betrieblichen Altersversorgung, in Berührung gekommen.“ 2002 wurde sie verantwortlich für diesen Komplex, danach übernahm sie die Jahrestagung, auf der auch über das Alterseinkünftegesetz diskutiert wurde, das gerade in Kraft getreten war. „Als Volkswirtin finde ich die Komplexität der bAV spannend. Dieser Zusammenhang von gesetzlicher Altersversorgung und den verschiedenen Formen der Zusatzversorgung; das Zusammentreffen von Arbeits-, Tarif- und Versicherungsrecht und noch diverser anderer Faktoren bei der bAV, das alles zusammen ist doch faszinierend. Seit der Finanzkrise kommen noch die Auswirkungen der Niedrigzinsphase dazu.“

Jahrestagungen in Health, Pharma und bAV
„Mit dem Ende einer Jahrestagung beginnt die Arbeit für die nächste“, sagt Kuckertz-Wockel. Dabei steht ihr ein Team von Mitarbeitern zur Seite, denn, um nur einige Beispiele zu nennen, das Marketing, die Gestaltung von Webseiten, Anzeigen und Pressemitteilungen, das Texten von Broschüren und Newslettern oder die Konzeption und Organisation verschiedener Weiterbildungsprogramme kann sie allein nicht schaffen. Im Kern der Konferenzen stehen die Vorträge, und Kuckertz-Wockel verpflichtet die Referenten und Moderatoren. „Bei der bAV sind heute noch drei Referenten, die schon bei meiner ersten Jahrestagung dabei waren. Andere haben auch bereits mehrfach referiert.“ Sie pflege bestehende Kontakte. Die bAV-Jahrestagung sei inzwischen auch so bekannt, „dass wir keine Schwierigkeiten haben, neue zu knüpfen“. Sie stelle jedoch auch fest, dass einige Unternehmen offenbar wegen der Niedrigzinsphase derzeit nicht über ihre bAV in der Öffentlichkeit reden wollten. Mit den Teilnehmern ist die Senior-Konferenz-Managerin ebenfalls zufrieden. „Die Wiederholerquote liegt bei mehr als 50 Prozent.“ Außer der zur betrieblichen Altersversorgung leitet Kuckertz-Wockel noch die Handelsblatt-Jahrestagungen Health, Pharma, Strategiemeeting Lebensversicherungswirtschaft und das Euroforum-Seminar bAV von A bis Z.

Engagement
In der katholischen Pfarrgemeinde ihres Wohnorts leitet Utta Kuckertz-Wockel einen Familienkreis. Sie ist Mitglied in einem Literaturkreis und Schatzmeisterin des Soroptimist International Club Hannover. Diesem Service-Club gehören nur berufstätige Frauen an.
In der niedersächsischen Hauptstadt fördern sie soziale Projekte für Kinder und Frauen, darunter ein Familienzentrum, in dem fast ausschließlich ausländische Kinder betreut werden. Ferien macht sie am liebsten da, „wo es richtig schön warm ist, wo man schwimmen und wandern und auch noch an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen kann“. ●

Oktober | November 2017 dpn