Handelsbuch – Anforderungen und Umsetzung


Ab (voraussichtlich) 2021 (mit der CRR II) unterliegen die Marktpreisrisiken in der Säule 1 einem ganz neuen Mess- und Steuerungsrahmen. Aufgrund der weitreichenden Änderungen wird dieser “Grundsätzlich überarbeiteter Ansatz für die Marktpreisrisiken” (Englisch: FRTB) genannt.
Von diesen Regelungen ausgenommen sind Institute, bei denen das regulatorische Handelsbuch plus die Fremd- und Rohwarenpositionen im Bankbuch nicht größer als 10% der Bilanzsumme und nicht größer als 300 Mio. EUR sind.

Alle anderen Institute müssen sich insbesondere auf folgende neue Regelungen vorbereiten:

1. Neue Kriterien, welche Positionen ins regulatorischen Handelsbuch und welche ins Bankbuch zu buchen sind.

2. Die Handelstisch-Struktur muss von den Aufsichtsbehörden abgenommen sein.

3. Risiken aus dem Bankbuch dürfen nicht mit Risiken aus dem Handelsbuch verrechnet werden.

4. Alle betroffenen Banken müssen einen neuen, sensitivitaetsbasierten Standardansatz implementieren.

5. Optional können Banken auch ein internes Modell implementieren und dieses von der Aufsicht genehmigen lassen. Die zukünftigen internen Modelle müssen allerdings sehr viel genauer sein als die heutigen. Sie sind darüberhinaus sehr viel rechen- und datenintensiver. Darüberhinaus wird ein internes Modell zukünftig nicht für eine Risikoart zugelassen, sondern für einen Handelstisch. Schliesslich erfordern die zukünftigen internen Modelle eine umfangreiche und vorausschauende Verwaltung und Klassifizierung von Risikofaktoren.

Neben den eigentlichen Implementierungsherausforderungen, ist diese Initiative von großer Regulierungsunsicherheit betroffen, da viele technische Details zu den internen Modellen erst im Jahre 2019 durch die EBA finalisiert werden. Je nachdem wie diese Detailregelungen ausfallen, kann ein internes Modell gegenüber dem Standardansatz zu einer hohen oder einer niedrigen (oder gar keiner) Kapitalersparnis führen. So lange diese Regulierungsunsicherheit nicht beseitigt ist, konzentrieren sich viele Institute zuerst auf den für alle Häuser obligatorischen Standardansatz und haben die Umsetzungsprojekte für interne Modelle erst einmal gestoppt.


Prof. Dr. Christian SchmaltzAutor: Prof. Dr. Christian Schmaltz, Assistant Professor an der Aarhus School of Business (Dänemark) und Referent der 18. Handelsblatt Jahrestagung EBR – European Banking Regulation vom 22. bis 24. November 2017 in Frankfurt.