Warum 3D-Karten die Zukunft des autonomen Fahrens sind


Lange haben sich Landkarten nicht wirklich weiter entwickelt. Bis vor 20 Jahren waren noch große, unhandliche Faltkarten der Standard – und sie haben auch standardmäßig zu Streit zwischen Fahrer und Beifahrer gesorgt. Von den Problemen beim Zusammenfalten ganz zu schweigen.

von Dr. Dieter Zetsche

Dann hat die Digitalisierung eingesetzt. Heute trägt fast jeder von uns auf dem Smartphone hochaufl ösende Karten in der Hosentasche mit sich herum, ganz ohne lästiges Zusammenfalten. Gerade für die Automobilindustrie sind digitale Karten unersetzlich, denn sie können noch viel mehr als Autofahrern beim Navigieren helfen.

Die Karte als mehrdimensionale Informationsquelle

Digitale Karten bergen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Sicherheit und Annehmlichkeit auf den Straßen von heute. Und sie sind ein wichtiges „fehlendes Bindeglied” zu den selbstfahrenden Fahrzeugen von morgen. Kartenmaterial für selbstfahrende Autos muss technisch hochgenau und hochaktuell sein. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn wir mehr als nur wenige Quellen für die kartographische Erfassung der Welt hätten? Wenn alle von jedem einzelnen Auto auf jedem gefahrenen Kilometer gesammelten Daten erfasst würden und die Straßeninformationen kontinuierlich an andere Autos weitergegeben würden?

Bedenken wir, dass der Kartendienst HERE viele verschiedene Partner hat, darunter BMW, Audi und Daimler. Das bedeutet: in jedem Jahr weltweit über sieben Millionen neue Fahrzeuge auf den Straßen, die als Kundschafter fungieren können.

Sie könnten alle eine enorme Menge von nahezu Echtzeit-Daten zu Straßenbauarbeiten, Wetterbedingungen, Verkehrsverhältnissen und mehr über eine einzige leistungsstarke Kartenplattform liefern. Gleichzeitig würde jedes Fahrzeug von hochpräzisen, zuverlässigen und beständig aktualisierten HD-Kartendaten profitieren.

Digitale Karten bergen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Sicher heit und Annehmlichkeit auf den Straßen von heute.

Die Karte als Personal Assistant

Darüber hinaus bietet Kartenmaterial noch eine zweite starke Dimension, die mich begeistert: In Zukunft könnte die Karte in Ihrem Auto der perfekte Beifahrer sein. Einer, der Ihre Vorlieben und Gewohnheiten wirklich kennt – unabhängig davon, ob Sie selbst fahren oder das Auto für Sie fährt.

Damit erfährt Ihr Auto mehr über Sie, überschüttet Sie aber nicht mit Informationen. Stattdessen wird es die Ablenkung verringern und Ihnen genau die individuelle, richtige und relevante Information im exakt richtigen Moment liefern – und das mit einem Grad an Komfort, der weit über das reine Navigieren von A nach B hinausgeht.

Das bedeutet, dass uns die Kombination aus individualisierten Kartendaten mit vollständig selbstfahrenden Autos in der Zukunft unglaubliche Möglichkeiten bieten wird. Wenn Ihr Auto zum Beispiel Ihren Kalender kennt, kann es Sie pünktlich abholen und autonom zum nächsten Termin fahren. Durch die Live-Kartendaten wird Sie Ihr Auto an jedem größeren Stau vorbeilotsen. Und Sie können währenddessen Mails checken oder sich eine kurze Auszeit gönnen.

Die Karte als Beginn einer Revolution

Unter dem Strich heißt das: Karten sind schon  seit langer Zeit ein Hilfsmittel für persönliche Mobilität. Nun werden sie zu einer der Hauptantriebskräfte der nächsten Mobilitätsrevolution. Eine Revolution mit enormem Einfl uss auf uns alle: Autos, die selbst außerhalb der Stadt parken, werden die in Stadtzentren benötigten Parkflächen verringern. Dadurch werden die Städte, sauberer, grüner und lebenswerter. Selbstfahrende Lkw und Vans können alle Lieferungen und Logistikdienste nachts erledigen und damit das Verkehrsaufkommen und die Luftverschmutzung verringern. Deshalb wird Daimler auch Lkw, Vans und Busse elektrifizieren.

Ich bin sicher: Wir sind auf dem Weg in eine strahlende Zukunft der Mobilität und vielleicht sogar in eine bessere Welt. Das wird eine spannende und aufregende Fahrt.

Dr. Dieter Zetsche
Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG,
Leiter Mercedes-Benz Cars

www.daimler.com

 

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Transformation Now!“, das Sie hier erhalten können.