Skepsis der Endkunden beim autonomen Fahren durch Information und Klarheit in Vertrauen wandeln

Wie sag ich’s meinem Autofahrer? Die hochkarätige Expertenrunde, die am zweiten Tag des Handelsblatt Auto-Gipfels über Fragen der Sicherheit und Produkthaftung bei autonom fahrenden Fahrzeugen sprach, ist sich einig: Diese Fahrzeuge führen zu erheblich mehr Sicherheit – allerdings muss dies den Menschen erklärt und ihr Vertrauen in die Technik gewonnen werden.

„Die Maschine fährt zuverlässiger, sie hat keine Emotionen, man kann ihr Verhalten voraussehbarer programmieren und sie reagiert in Millisekunden“, unterstreicht Renata Brüngger, Vorstandsmitglied der Daimler AG. Der frühere Verfassungsrichter und Vorsitzender der Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren Udo di Fabio ist nach einer ausgiebigen Testfahrt überzeugt, „Die Entwicklung zum autonomen Fahren gibt uns mehr Freiheit.“ Dennoch wirft der Wandel Fragen auf – sowohl bei Experten als auch Endkunden. Der TÜV Rheinland stellte beim Auto-Gipfel eine Studie vor, die untersuchte, wie heutige Autofahrer die Sicherheit autonomer Fahrzeuge einschätzen. Das Ergebnis: Damit sie künftig autonomen Autos vertrauen können, wünschen sich Verbraucher die Gewährleistung des Datenschutzes, eine Sicherung des Fahrzeugs vor Cyber-Angriffen und die freie Entscheidung, selbst oder autonom fahren zu können. Überraschenderweise sehen die Befragten in Deutschland, USA und China zwar einen Gewinn an Verkehrssicherheit, doch je autonomer das Fahrzeug wird, desto mehr Zweifel stellen sich ein. Solche Missverständnisse ließen sich laut Udo di Fabio durch klare Regeln für die Übernahme des Steuers durch den menschlichen Fahrer aus der Welt schaffen. Solange dies nicht eindeutig geregelt sei, bleibt die Verantwortung beim Fahrzeughersteller beziehungsweise dem Programmierer.

Das Nummer-eins-Thema, das den Durchbruch des autonomen Fahrens verhindern könnte, ist jedoch ein anderes: die Datensicherheit, so TÜV Rheinland-Chef Schubert: „Die Verbraucher haben Angst davor, dass ein Angriff von außen etwas mit ihrem Auto macht und dass mit ihren Daten etwas passiert, das sie nicht wollen.“ Renata Brüngger sieht deshalb die Notwendigkeit einer Corporate Danger Responsibility.

Die Fachdiskussion drehte sich zuletzt hingegen eher um ethische Fragen. Was passiert etwa, wenn bei einem unausweichlichen Unfall die Maschine abwägen muss, wer verletzt wird und wer nicht? Nach Merkmalen einzelner Menschen dürfe niemals unterschieden werden. „Das Prinzip ,Frauen und Kinder zuerst‘ gilt nicht mehr“, betont Professor di Fabio. Anders sieht es aus, sobald die elektronischen Systeme die Möglichkeit erkennen, beispielsweise durch einen bestimmten Lenkimpuls weniger Menschen oder sie leichter zu verletzen. Eine solche Programmierung zur Minderung von Personenschäden müsse erlaubt sein. Fest steht nach Ansicht der Expertenrunde jedoch eins: Die vielen praktischen Fragen, die sich die Menschen stellen, können am ehesten durch die praktische Erfahrung beantwortet werden.


Backstage-Report zum Handelsblatt Auto-Gipfel 2017

Die Führungsriege der Automobilwirtschaft hat beim Auto-Gipfel 2017 Stellung bezogen. Was wird wahr, was nicht? Wir haben für Sie die wichtigsten Statements, Diskussionen und Videos zu einem umfangreichen Nachbericht zusammengefasst.
Packshot vom Backstage-Report zum Auto-Gipfel 2017
Zum Gipfeltreffen der Automobilbranche kamen über 600 Automobilexperten aus der ganzen Welt – darunter Hersteller und Zulieferer, Technologie- und Energiekonzerne sowie Politiker und Verbände – Ende Oktober 2017 nach Sindelfingen. Vom 24. bis 26. Oktober diskutierten die versammelten Branchengrößen Strategien, Konzepte und Technologien für das Automobil von morgen und die zukünftige Ausrichtung der Autoindustrie.

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